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Kommentar
08:26 Uhr, 01.09.2026

Guten Morgen aus der Redaktion: September startet heiß - Öl, Zinsen, neue KI-Milliarden und Amazon mit Klage

Der September mit neuen Rendite-Rekorden am Bondmarkt. Die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen erreicht erstmals seit 1996 wieder 3 % (s. Chart unten). US-Finanzminister Scott Bessent drängt die Bank of Japan offen zu weiteren Zinserhöhungen, für den 18. September wird ein Schritt auf 1,25 % erwartet. Gleichzeitig stehen auch die US-Renditen auf Mehrjahreshochs. In Europa dürfte die EZB am 10. September den Einlagensatz mit hoher Wahrscheinlichkeit um weitere 25 Basispunkte auf 2,50 % anheben.

Der Konflikt um Hormuz ist weiterfestgefahren. Höhere Energiepreise halten die Inflation oben, erschweren Zinssenkungen und drücken die Anleihekurse. Seit Anfang Juli ist der Ölpreis wieder um 30 % gestiegen. Die Aktienmärkte reagieren bislang gelassen mit moderaten Rücksetzern und werden einerseits von den Earnings und andererseits von Alternativlosigkeit gestützt.

In Asien zeigt sich heute Morgen ein gemischtes Bild: Japan und Südkorea konnten anfängliche Verluste aufholen, Taiwan war stark, Hongkong schwächer. Der DAX startet nach dem gestrigen Rücksetzer unerändert in den Tag.

Bei den Unternehmen fällt der Blick auf Air Liquide. Elliott Management ist beim französischen Industriegasekonzern eingestiegen. Ansatzpunkte gibt es reichlich: Die operative Marge liegt mit 21 % weit unter den 30 % von Linde, auch bei Aktienrückkäufen war Air Liquide bislang zurückhaltend. Gleichzeitig stammen bereits rund 10 % des Umsatzes aus Spezialgasen für die Chipfertigung. Dieses Geschäft könnte dank KI jährlich um 15 bis 20 % wachsen.

Bei Amazon erhöht sich dagegen der regulatorische Druck. Die FTC wirft dem Konzern vor, Werbekunden über Jahre durch manipulierte Auktionen um insgesamt rund 20 Mrd. $ übervorteilt zu haben. Betroffen ist ausgerechnet das hochprofitable Werbegeschäft, das inzwischen knapp 69 Mrd. $ Umsatz erzielt.

Der Ausbau der KI-Infrastruktur geht derweil ungebremst weiter. Anthropic soll sich für 35 Mrd. $ zusätzliche Rechenleistung bei Lambda sichern, nachdem bereits ein 45-Mrd.-$-Deal mit Nscale bekannt wurde. Cerebras baut parallel in Finnland ein neues KI-Rechenzentrum mit bis zu 165 MW Leistung. Interessant ist der Kontrast zu Apple: Der neue CEO John Ternus übernimmt einen Konzern, der den großen Rechenzentrumsboom weitgehend ausgesessen hat und 2027 rund 156 Mrd. $ Free Cashflow erwirtschaften könnte.

Bei Tesla sorgte die Erwartung an das Cybercab-Event am 3. September für knapp 6 % Kursplus. PG&E und Edison International brachen dagegen um rund 19 % ein, nachdem Kalifornien den Versorgern keinen ausreichenden Schutz vor milliardenschweren Waldbrandhaftungen gewährt.

Zahlen im Laufe des Tages: Heute richtet sich der Blick zunächst auf Medtronic und Nio. Nach US-Börsenschluss folgen mit Dell, Palo Alto Networks, MongoDB, Credo und GitLab mehrere wichtige Zahlenwerke. Besonders bei Palo Alto liegt die Latte nach mehr als 100 % Kursplus in diesem Jahr hoch. Der Ausblick auf 2027 dürfte wichtiger werden als die eigentlichen Quartalszahlen.

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Ihr Volker Schulz

Redaktionsleiter Hans A. Bernecker Bernecker Börsenbriefe

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