Analyse
07:40 Uhr, 21.10.2026

FRIEDRICH VORWERK erhöht die Prognose schon wieder

Der Energieinfrastrukturspezialist aus Tostedt steigert das EBITDA im dritten Quartal um 58 % und hebt seine Jahresziele zum zweiten Mal an.

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Für Großaktionär MBB stammt damit der Großteil des Konzernergebnisses aus dieser einen Beteiligung. Der schrumpfende Auftragsbestand trübt das Bild allerdings.

Zum zweiten Mal binnen drei Monaten hebt der Spezialist für Gas-, Strom- und Wasserstoffleitungen per Ad-hoc-Mitteilung seine Jahresziele an. Getragen wird das von einem Quartal, in dem mehr als ein Drittel des Umsatzes als operatives Ergebnis hängen blieb. Genau hinschauen dürfte man vor allem in Berlin: Für die Beteiligungsgesellschaft MBB ist Vorwerk längst der mit Abstand wichtigste Ergebnislieferant.

Marge auf Rekordniveau

Das EBITDA stieg im dritten Quartal um 58 % auf 80,9 Mio. EUR, der Umsatz um 13,0 % auf 228,3 Mio. EUR. Die EBITDA-Marge kletterte damit auf 35,4 % nach 25,4 % im Vorjahresquartal. Für ein solches Baugeschäft ist das wahnsinnig hoch! Nach neun Monaten stehen 173,4 Mio. EUR EBITDA zu Buche, rund 64 % mehr als im Vorjahr, bei einem Umsatzplus von 12,0 % auf 565,6 Mio. EUR. Noch kräftiger wuchs die Produktionsleistung, nämlich um 40,1 % auf 791,7 Mio. EUR. Als Treiber nennt das Unternehmen den höheren Anteil an Arbeitsgemeinschaften und eine deutlich gesunkene Materialaufwandsquote. Der Nettofinanzmittelbestand stieg binnen Jahresfrist von 111,4 auf 262,7 Mio. EUR.


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Für 2026 erwartet der Vorstand nun 760 bis 790 Mio. EUR Umsatz statt zuvor 730 bis 780 Mio. EUR und ein EBITDA von 220 bis 230 Mio. EUR statt 180 bis 200 Mio. EUR. Bemerkenswert ist, was diese Spanne für das Schlussquartal bedeutet. Rechnerisch bleiben dafür 46,6 bis 56,6 Mio. EUR EBITDA bei einer Marge von rund einem Viertel. Im vierten Quartal 2025 hatte Vorwerk, begünstigt durch gutes Wetter und Projektabschlüsse, rund 57 Mio. EUR erzielt. Die neue Prognose lässt also Luft nach oben.

Das Auftragsbuch wird dünner

Weniger glänzend fällt der Blick nach vorn aus. Der Auftragseingang stieg in den ersten neun Monaten zwar auf 451,4 Mio. EUR nach 419 Mio. EUR, deckt aber nur rund 80 % des Umsatzes. Das akquirierte Gesamtprojektvolumen einschließlich der anteiligen Arbeitsgemeinschaften fiel um 24 % auf 618,1 Mio. EUR. Der Auftragsbestand sank binnen Jahresfrist von 1.101,5 auf 907,2 Mio. EUR, mit Arbeitsgemeinschaften von 1.539,6 auf 1.245,5 Mio. EUR. Das bleibt ein solides Polster, aber keines, das noch wächst. Worauf der Vorstand seinen weiterhin positiven Ausblick stützt, lässt die Mitteilung offen. Die vollständige Quartalsmitteilung folgt am 12. November.

Hinzu kommt politischer Gegenwind. Die Debatte, ob beim Stromnetzausbau künftig Freileitungen Vorrang vor Erdkabeln erhalten sollen, belastet die Aktie seit dem Sommer, denn die Erdverkabelung ist für Vorwerk ein wichtiges Standbein. Für die kommenden Jahre ist das aber noch kein akutes Thema, eher ein psychologisches.

MBB hielt Ende März 39,78 % an Vorwerk, nachdem die Holding im ersten Quartal 897.190 Aktien abgegeben hatte. Ende 2025 waren es noch 44,26 %. Obwohl MBB weniger als die Hälfte der Anteile besitzt, rechnet die Holding Vorwerk voll in ihren Konzernabschluss ein. Im ersten Halbjahr stand Vorwerk mit 92,6 Mio. EUR EBITDA für rund vier Fünftel des bereinigten Konzern-EBITDA von 117,1 Mio. EUR. Im Juli hatte MBB das Ziel für die bereinigte EBITDA-Marge auf 18 bis 20 % angehoben, bei unverändert 1,1 bis 1,2 Mrd. EUR Umsatz. Das entspricht rechnerisch 198 bis 240 Mio. EUR. Vorwerk allein peilt nun 220 bis 230 Mio. EUR an. Eine erneute Anhebung bei der Mutter liegt damit nahe, eine eigene Mitteilung von MBB lag zunächst allerdings nicht vor, könnte aber noch folgen.

Fazit: Unterm Strich überzeugen die Zahlen auf ganzer Linie, und die neue Prognose wirkt eher vorsichtig als ehrgeizig. Die Börse preist dagegen vor allem das Risiko ein, dass der Zyklus seinen Höhepunkt erreicht hat. Bei einem Börsenwert von rund 1,3 Mrd. EUR und 262,7 Mio. EUR Nettoliquidität wird Vorwerk mit knapp dem Fünffachen des erwarteten EBITDA bewertet. Für MBB-Aktionäre hat die Stärke der Tochter zwei Seiten. Operativ trägt Vorwerk den Konzern, wirtschaftlich steht MBB aber nur knapp 40 % des Ergebnisses zu. Und jede Delle im Auftragsbuch in Tostedt schlägt künftig unmittelbar auf die Aussichten der Mutter durch. Meine größte Sorge gilt vor allen der Marge, die ist so hoch, dass die Auftraggeber da sicherlich in Zukunft genauer hinschauen werden. Dauerhaft halten, lässt sich diese m.E. nicht.

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Jahr 2025 2026e* 2027e*
Umsatz in Mio. EUR 704,00 772,00 867,00
Ergebnis je Aktie in EUR 4,33 5,60 5,80
KGV 15 12 12
Dividende je Aktie in EUR 0,70 1,30 1,33
Dividendenrendite 1,04% 1,94% 1,99%

*e = erwartet, Berechnungen basieren bei
US-Unternehmen auf Non-GAAP-Daten

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