Analyse
10:45 Uhr, 14.08.2026

FRIEDRICH VORWERK ist jetzt eine Profitmaschine

Friedrich Vorwerk profitiert nicht nur vom milliardenschweren Ausbau der deutschen Energienetze. Der Infrastrukturkonzern verdient an den Großprojekten inzwischen auch deutlich besser.

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Im zweiten Quartal erreichten EBITDA und EBIT-Marge neue Rekordwerte. Gleichzeitig erweitert das Unternehmen seine Wertschöpfungskette, setzt auf automatisierte Schweißtechnik und erschließt mit Wasserstoff sowie CO₂-Transport neue Geschäftsfelder.

Nach einem wetterbedingt verhaltenen Jahresauftakt beschleunigte sich das Wachstum im zweiten Quartal spürbar. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahr um 17 % auf 198 Mio. EUR. Dabei legten die monatlichen Erlöse von April bis Juni kontinuierlich zu. Mit 73 Mio. EUR erzielte Friedrich Vorwerk im Juni den höchsten Monatsumsatz der Unternehmensgeschichte.

Noch dynamischer entwickelte sich die sogenannte Produktionsleistung, in der auch die anteiligen Umsätze aus Arbeitsgemeinschaften berücksichtigt werden. Sie erhöhte sich im ersten Halbjahr um 35 % auf 448 Mio. EUR. Diese Kennzahl gewinnt an Bedeutung, weil Vorwerk große Infrastrukturvorhaben zunehmend gemeinsam mit Partnerunternehmen abwickelt.

Rekordmargen dank höherer Eigenleistung

Der eigentliche Höhepunkt des Zahlenwerks ist die Profitabilität. Das EBITDA sprang im zweiten Quartal um 68 % auf 60,8 Mio. EUR. Die EBITDA-Marge erreichte mit 30,7 % einen neuen Höchststand. Das EBIT erhöhte sich auf 52,8 Mio. EUR, womit sich die Marge gegenüber dem Vorjahr um neun Prozentpunkte auf 26,7 % verbesserte. Das sind völlig untypischen Margen für den Bausektor.


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Im gesamten ersten Halbjahr erwirtschaftete Friedrich Vorwerk ein EBITDA von 92,6 Mio. EUR bei einer Marge von 27,4 %. Das EBIT belief sich auf 67,9 Mio. EUR. Darin enthalten ist allerdings ein positiver Einmaleffekt von 1,7 Mio. EUR aus dem Verkauf einer früheren Niederlassung.

Der wichtigste Grund für den Gewinnsprung liegt in der höheren eigenen Wertschöpfung. Vorwerk benötigte trotz steigender Leistung weniger Material und weniger Subunternehmer. Die Materialaufwendungen gingen im zweiten Quartal um 10,7 Mio. EUR zurück. Die Materialkostenquote sank dadurch von 46,4 auf 38,6 %. Hinzu kamen deutlich höhere Ergebnisse aus Arbeitsgemeinschaften, die sich auf 12,8 Mio. EUR mehr als verdreifachten.

Das Management mahnt allerdings selbst, die außergewöhnlich hohe EBITDA-Marge nicht einfach in die Zukunft fortzuschreiben. Durch den zunehmenden Anteil von Gemeinschaftsprojekten verliert der Vergleich von Umsatz und EBITDA an Aussagekraft. CFO Tim Hameister empfiehlt deshalb, stärker auf das absolute Ergebniswachstum zu achten. Zudem verbessert der sinkende Umsatzanteil des bislang margendämpfenden Großprojekts A-Nord den Konzernmix.

Prognose erhöht, Auftragsvolumen mit Schönheitsfehler

Nach dem starken zweiten Quartal hatte Friedrich Vorwerk seine Ergebnisprognose bereits angehoben. Für 2026 erwartet der Konzern nun ein EBITDA von 180 bis 200 Mio. EUR, nach zuvor 160 bis 180 Mio. EUR. Die Umsatzprognose bleibt mit 730 bis 780 Mio. EUR unverändert. Zukäufe sind in diesem Ausblick noch nicht berücksichtigt.

Selbst am oberen Ende der Prognose müsste Vorwerk im zweiten Halbjahr weitere 107 Mio. EUR EBITDA erwirtschaften. Das wäre mehr als in den ersten sechs Monaten und unterstreicht, dass das Management trotz der Rekordmargen keine abrupte Abschwächung erwartet. Der Juli sei dank guter Wetterbedingungen erfreulich verlaufen, erklärte Vorwerk im Analystencall.

Auch die Bilanz bietet erheblichen Spielraum. Ende Juni verfügte der Konzern über eine Nettoliquidität von 212 Mio. EUR. Gegenüber dem Vorjahresquartal hat sich die Nettocash-Position um 128 Mio. EUR verbessert. Damit kann Vorwerk sowohl in neue Maschinen und Schweißtechnik investieren als auch weitere Übernahmen finanzieren.

Bei den Aufträgen ist das Bild differenzierter. Der klassische Auftragseingang erhöhte sich um knapp 50 % auf 321 Mio. EUR. Das gesamte akquirierte Projektvolumen einschließlich der Vorwerk-Anteile an Arbeitsgemeinschaften sank dagegen um 25 % auf 470 Mio. EUR. Grund ist der starke Vergleichswert aus dem Vorjahr, als mehrere Großprojekte wie SuedLink und eine süddeutsche Erdgasleitung gewonnen wurden. Das Verhältnis von Projektvolumen zu Produktionsleistung lag dennoch über eins, der Auftragsbestand erhöhte sich gegenüber dem Jahresende leicht.

Stromnetze bleiben der Wachstumsmotor

Mit einem Umsatzanteil von 53 % ist die Strominfrastruktur inzwischen das größte Segment. Erdgas steuerte 29 % bei, weitere Geschäftsfelder wie Fernwärme und Biomethan kamen auf 16 %. Wasserstoff spielte im ersten Halbjahr beim Umsatz noch eine geringe Rolle, macht aber bereits 14 % des Auftragsbestands aus.

Kurzfristige Verzögerungen bei großen Stromtrassen erwartet das Management trotz der politischen Diskussion über eine Rückkehr zu günstigeren Freileitungen nicht. Die bis 2035 geplanten Vorhaben seien weit fortgeschritten, vielfach seien die Erdkabel bereits bestellt und Genehmigungsverfahren eingeleitet. Eine grundlegende Änderung könnte daher allenfalls spätere Projekte betreffen. Das im deutschen Netzentwicklungsplan vorgesehene Investitionsvolumen von rund 320 Mrd. EUR bis 2045 bleibt entsprechend ein zentraler Wachstumstreiber.

Neue Chancen sieht Vorwerk außerdem beim Aufbau des Wasserstoffkernnetzes und bei CO₂-Pipelines. Das Unternehmen hat ein Angebot für eine Verbindung zwischen dem Holcim-Zementwerk in Lägerdorf und dem Hafen Brunsbüttel abgegeben. Von dort soll abgeschiedenes CO₂ per Schiff zu früheren Gaslagerstätten unter der Nordsee transportiert werden. Auch der geplante Delta-Rhein-Korridor könnte Vorwerk langfristig Aufträge für Wasserstoff- und CO₂-Leitungen bringen.

Beim viel diskutierten Ausbau von Rechenzentren bleibt das Management dagegen weiter nüchtern. Vorwerk könnte grundsätzlich Stromanschlüsse, unterirdische Kabel oder wasserstoffbasierte Notstromsysteme liefern. Bislang habe das Unternehmen in Deutschland jedoch noch keine größeren Ausschreibungen für solche Leistungen gesehen. Die KI-Fantasie ist damit vorerst eine Option und kein Bestandteil der Planung.

Schweißroboter als neuer Ergebnishebel

Besonders dynamisch entwickelt sich die 2025 gegründete Tochter 5C-Tech. Das Unternehmen automatisiert Schweißarbeiten an großen Pipelines und benötigt dafür vergleichsweise wenig Personal. Nach rund 3 Mio. EUR Umsatz im ersten Geschäftsjahr sollen die Erlöse 2026 bereits auf mehr als 20 Mio. EUR steigen. Mittelfristig hält das Management etwa 50 Mio. EUR Jahresumsatz für möglich. Die Marge könne sogar über dem derzeitigen Konzerndurchschnitt liegen.

Ein neuer Auftrag umfasst 28.000 Schweißverbindungen für eine Gaspipeline zwischen Kasachstan und der chinesischen Grenze. Die Arbeiten sollen im dritten Quartal beginnen und rund acht Monate dauern. Das Projekt zeigt, dass sich die Technik auch international skalieren lässt.

Mit der Übernahme wesentlicher Vermögenswerte des Gasanalyse-Spezialisten meterQ erweitert Vorwerk zudem das eigene Produktangebot. Die Systeme können neben Erdgas auch die Qualität von Wasserstoff messen und sind nach Unternehmensangaben derzeit als einzige entsprechende Lösung zertifiziert. Zusammen mit der eigenen Durchflussmessung kann Vorwerk damit komplette Anlagen zur Bestimmung von Gasmenge, Gasqualität und übertragener Energie anbieten. 15 Fachkräfte wechseln im Zuge der Transaktion zum Konzern.

Fazit: Friedrich Vorwerk verbindet derzeit hohes strukturelles Wachstum, steigende Margen und eine schuldenfreie Bilanz. Besonders überzeugend ist, dass der Ergebnisanstieg nicht allein auf höheren Umsätzen beruht, sondern auf mehr Eigenleistung, geringeren Materialkosten und skalierbaren Technologien. Die Bewertung ist mit einem 11er-KGV günstig. Die Friedrich-Vorwerk-Aktie erscheint weiter kaufenswert, auch wenn sich Anleger auf wieder sinkende Margen einstellen müssen.

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Jahr 2025 2026e* 2027e*
Umsatz in Mio. EUR 704,00 774,00 866,00
Ergebnis je Aktie in EUR 4,33 5,88 5,63
KGV 15 11 12
Dividende je Aktie in EUR 0,70 1,40 1,30
Dividendenrendite 1,07% 2,14% 1,98%

*e = erwartet, Berechnungen basieren bei
US-Unternehmen auf Non-GAAP-Daten

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