Analyse
18:08 Uhr, 30.07.2026

FICO – Auf Pump 7 % aller Aktien zurückgekauft

FICO hat mit seinem Q3-Zahlenwerk erneut ein starkes Ergebnis abgeliefert, aber bei genauerem Hinsehen mit einem deutlich gemischteren Bild als in den letzten beiden Quartalen.

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Beim Umsatz hat FICO die Konsensschätzung leicht verfehlt, und auch die angehobene Umsatzguidance kam minimal unter den Erwartungen rein. Der Umsatz stieg auf 674,2 Mio. USD (+26 % YoY). Der GAAP-Gewinn je Aktie kletterte auf 10,45 USD (+41 %), was leicht über dem Analystenkonsens lag.

"Nur" noch 97 % Wachstum bei Hypotheken

Das Scores-Segment wuchs um 41 % auf 458,9 Mio. USD, getrieben vom B2B-Geschäft (+49 %, bereinigt um eine Einmalzahlung aus einer Versicherungs-Score-Lizenz im Vorjahr sogar +59 %). Wachstumstreiber bleibt das Hypothek-Geschäft.

Mortgage-Origination-Umsatz stieg um 97 % YoY und macht inzwischen 71 % des B2B-Geschäfts sowie 62 % des gesamten Scores-Umsatzes aus. 97 % ist aber deutlich weniger als die 127 % aus dem Vorquartal, und das war auch der meistdiskutierte Punkt im Call. Mehrere Analysten hakten hier nach, weil sich die 127 % aus dem Vorquartal kaum allein durch Preis- und Volumeneffekte erklären ließen. Das ist schlicht ein Timing-Effekt und der Rest ist ein saisonaler Ausreißer nach oben gewesen.

Das eigentliche Volumenwachstum der Mortgage-Scores lag laut FICO im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Steigende Zinsen bremsen die Hypothekenvergabe wieder, nachdem sie sich zwischenzeitlich etwas erholt hatte. Auto-Originations wuchsen um 15 %, Cards/Personal Loans um 9 %.

Die Scores-Segmentmarge kletterte auf 91 % (von 88 % im Vorjahresquartal). Nach wie vor das Cashflow-Monster im Konzern.

FICO IR

Sowohl bei der ARR als auch beim Umsatz hat die Plattform das Non-Platform-Geschäft zum ersten Mal überholt

Platform-ARR wuchs um 62 % auf 412,8 Mio. USD und macht jetzt 51 % der gesamten Software-ARR aus (Vorjahr: 35 %). Non-Platform-ARR schrumpfte gewollt um 17 % auf 403,0 Mio. USD.

Bereinigt um Migrationen lag das Platform-ARR Wachstum laut Management um 35 % Bereich. Gut, weil dann ist das kein reiner Umlagerungseffekt, sondern zu einem guten Teil echtes Neugeschäft und Expansion bei Bestandskunden.

Die Platform-DBNRR stieg auf 148 % (von 136 % im Vorquartal). Bestehende Plattformkunden geben nach einem Jahr also 48 % mehr aus. Die Non-Platform-DBNRR fiel dagegen auf 82 %. Dieses Auseinanderdriften wird laut CFO Weber anhalten, weil FICO (wie eben angesprochen) jetzt aktiv damit beginnt, alte Produkte auslaufen zu lassen ("End-of-Life-Strategie") und Kunden auf die Plattform migriert, ohne dabei das Legacy-Geschäft künstlich zu kannibalisieren, um Wachstum zu erzeugen. Also, es ist kein linke Tasche, rechte Tasche.

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Der Software-Gesamtumsatz wuchs mit nur +2 % YoY auf 215,3 Mio. USD. Der Grund liegt in der Struktur. SaaS-Umsatz (getrieben von der Plattform) wuchs um 21 %, während On-Premises-Umsatz um 16 % sank (weniger Erträge aus Einmalzahlungen bei Lizenzverlängerungen) und Professional Services um 24 % zurückging (Vorjahresquartal enthielt einen Meilenstein-Abschluss). Bereinigt um Einmalerträge und Professional Services wuchs Software laut FICO um rund 10 %.

Die Software-Segmentmarge fiel auf 26 % (von 32 % im Vorjahr und 29 % im Vorquartal) belastet durch die Marketingkosten für die FICO-World-Konferenz und steigende Data-Center-Hosting-Kosten. Management stellt in Aussicht, dass das margenseitig erst im nächsten Geschäftsjahr wieder aufgeholt wird. Das ist ein Punkt, den ich im Auge behalte! Software muss perspektivisch margenstärker werden, nicht schwächer.

Rekord-Aktienrückkauf

Der operative Cashflow lag bei 380,4 Mio. USD (+33 % YoY), der Free Cashflow bei 370,3 Mio. USD. Und das scheint dieses Quartal für folgenden Plan nicht zu reichen.

FICO hat im Quartal Aktien für 1,96 Mrd. USD zurückgekauft (im Schnitt zu 1.149 USD), Mehr als das Dreifache des bisherigen Rekordquartals (605 Mio. USD im Q2). Das sind einfach 7 % alle Aktien in einem Quartal! Möglich wurde das durch ein Accelerated Share Repurchase Agreement (ASR) mit Wells Fargo Securities über 1,5 Mrd. USD, finanziert über einen neuen 1,5-Mrd.-USD-Term-Loan. Also auf Pump.

FICO IR

Bisher hat FICO seine Rückkäufe primär aus dem Free Cashflow finanziert. Jetzt wird zusätzlich Fremdkapital eingesetzt. Ergo stieg die Gesamtverschuldung von 3,06 Mrd. USD (Ende September 2025) auf 5,58 Mrd. USD, und das Leverage Ratio (Nettoverschuldung/EBITDA) sprang von 2,61 auf 3,72. Zeigt, für wie überzogen günstig das Management das derzeitige Niveau sieht.

Zumindest hat das Management im Call selbst eingeräumt, dass man kurzfristig priorisiert, Schulden abzubauen, und es "nicht wahrscheinlich" sei, im laufenden Quartal über die ASR hinaus weitere Aktien zurückzukaufen. Angesichts der hohen und weiter wachsenden Cash-Generierung sollte sich die Leverage Ratio zwar zügig wieder normalisieren. Aktienrückkäufe sind super für den Gewinn je Aktie, aber diesmal eben nicht "geschenkt" aus dem Cashflow, sondern zu einem Teil kreditfinanziert.

Fiscal.AI

Regulatorik: Direct Licensing Program wartet weiter & Wettbewerb mit dem VantageScore 4.0

Das FICO Mortgage Direct Licensing Program ist weiterhin nicht live. FICO wartet nach wie vor auf die finale Zertifizierung einer der beiden GSEs (Fannie Mae/Freddie Mac), damit Reseller das Performance-Modell (0,99 USD je Score plus Funding Fee) tatsächlich anbieten dürfen.

FICO hat mittlerweile Verträge mit Resellern über rund 60 % des US-Hypothekenvolumens unterschrieben und ist in fortgeschrittenen Verhandlungen mit den verbleibenden großen Playern, um auf rund 90 % zu kommen.

Spannend ist auch der Fortschritt bei FICO Score 10T. Der FICO-Score outperformt den Konkurrenten VantageScore 4.0 bei allen drei zentralen Prädiktivitätsmaßen und in jedem einzelnen Origination-Jahr aus!

10T liefert einen über 10 % höheren Vorhersagevorteil bei Erstkäufern von Wohneigentum und über 8 % bei den jüngsten Origination-Jahrgängen, also genau der Kohorte mit den höchsten Ausfallraten.

Da beide Modelle auf denselben Datensätzen basieren, kann man sagen, dass FICOs eigene, jahrzehntelange Modellierungserfahrung der Schlüssel sind! Das Ergebnis stammt aus einer unabhängigen Quelle!

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Mehrere Analysten wiesen zurecht darauf hin, dass VantageScore bei einzelnen großen Kreditgebern inzwischen auf rund 20 % Marktanteil kommt. Laut FICO-Management ein theoretisches Maximum, das fast ausschließlich aus "Score Shopping" entsteht, bei dem Kreditgeber FICO- und VantageScore parallel ziehen, um dem Konsumenten den günstigeren Score vorzulegen. FICO sieht dabei keinen Volumenverlust bei den eigenen Scores, VantageScore wirkt also bislang additiv zum Markt statt verdrängend.

Guidance angehoben

Trotz der leichten Umsatzenttäuschung hebt FICO den Ausblick für das Gesamtjahr 2026 weiter an. Der Umsatz soll nun 2,53 Mrd. USD erreichen (zuvor 2,45 Mrd. USD), das GAAP-Nettoergebnis 850 Mio. USD (zuvor 825 Mio. USD) bei einem GAAP-EPS von 36,86 USD (zuvor 35,60 USD). Auf Non-GAAP-Basis werden 979 Mio. USD Nettoergebnis (zuvor 946 Mio. USD) und ein EPS von 42,43 USD (zuvor 40,45 USD) angepeilt.

Fazit

Rekord-EPS & Rekord-Buyback. Aber anders als in den letzten beiden Quartalen ist das Bild gemischt. Das Mortgage-Wachstum kühlt etwas ab, wenn auch von einem extrem hohen Niveau aus. Software wächst in der Top Line kaum, während die Marge im Segment sinkt. Und der Rekord-Rückkauf ist diesmal zu einem erheblichen Teil kreditfinanziert, was die Verschuldung auf ein für FICO hohes Niveau treibt (mache ich mir aber 0 Gedanken ehrlicherweise). Finde ich eher ein starkes Signal. Nichts davon ändert etwas an der langfristigen These.


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