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13:25 Uhr, 29.08.2014

EZB unter Zugzwang - hohes Enttäuschungspotenzial

EZB-Präsident Draghi hat mit seinen jüngsten Aussagen viel Phantasie für eine weitere Lockerung der Geldpolitik geschürt und ein entsprechend hohes Enttäuschungspotenzial aufgebaut.

Die Europäische Zentralbank hält am 4. September ihre nächste Zinssitzung ab. Vieles spricht dafür, dass die Notenbank ihre Geldpolitik erneut lockern wird. Vielleicht wartet EZB-Chef Mario Draghi sogar mit neuen historischen Beschlüssen auf.

Eigentlich hatte kaum jemand damit gerechnet, dass die EZB schon im September an der Zinsschraube drehen wird. Das änderte sich jedoch mit der Notenbankerkonferenz in Jackson Hole am vergangenen Freitag schlagartig. In seiner Rede, die teilweise vom Manuskript abwich, brachte er deutlich seine Sorgen über die zunehmenden Deflationsrisiken zum Ausdruck und betonte die Bereitschaft der EZB zu Handeln. Er werde die immer niedrigere Inflation in der Eurozone falls nötig mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln erhöhen und so die Wirtschaft ankurbeln, sagte Draghi.

Viele Ökonomen glauben nun, dass der EZB-Rat nicht mehr umhinkommen wird, die Geldpolitik für die Eurozone tatsächlich zu lockern. Einige Analysten rechnen mit einer weiteren Senkung der Zinsen um 10 Basispunkte. Andere Experten gehen davon aus, dass die EZB ein Anleihekaufprogramm beschließen wird, das sich vermutlich vorerst auf forderungsbesicherte Wertpapiere (ABS) beschränkt. Nach Einschätzung der Credit Suisse könnte die EZB mit den Vorbereitungen für ein QE-Programm mit einem Volumen von 1 Billion Euro beginnen. Das könnte man durchaus als neue "Bazooka" bezeichnen.

Neue Munition für die Zinssenkungsspekulationen lieferte heute EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny. Der Gouverneur der Österreichischen Nationalbank sorgt sich um die wirtschaftliche Situation in der Eurozone. Das Wachstum werde in diesem Jahr schlechter ausfallen als bisher erwartet, sagte er bei einem Treffen mit Journalisten. Zudem sei die niedrige Inflationsrate in der Eurozone ein Anlass zur Sorge.

Die Inflationsrate in der Eurozone ist im August auf 0,3 Prozent (Juli: 0,4 Prozent) gesunken. Das ist der tiefste Stand seit Oktober 2009.

Die Erwartungen der Märkte sind nach den jüngsten Aussagen hoch. Dies birgt enormes Enttäuschungspotenzial. Sollte die EZB bei ihrer Sitzung in der kommenden Woche auf konkrete Maßnahmen verzichten, dürfte der Euro kräftig zulegen. So oder so dürfte es aber Bewegung im Markt geben.

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Über den Experten

Thomas Gansneder
Thomas Gansneder
Redakteur

Thomas Gansneder ist langjähriger Redakteur der BörseGo AG. Der gelernte Bankkaufmann hat sich während seiner Tätigkeit als Anlageberater umfangreiche Kenntnisse über die Finanzmärkte angeeignet. Thomas Gansneder ist seit 1994 an der Börse aktiv und seit 2002 als Finanz-Journalist tätig. In seiner Berichterstattung konzentriert er sich insbesondere auf die europäischen Aktienmärkte. Besonderes Augenmerk legt er seit der Lehman-Pleite im Jahr 2008 auf die Entwicklungen in der Euro-, Finanz- und Schuldenkrise. Thomas Gansneder ist ein Verfechter antizyklischer und langfristiger Anlagestrategien. Er empfiehlt insbesondere Einsteigern, sich strikt an eine festgelegte Anlagestrategie zu halten und nur nach klar definierten Mustern zu investieren. Typische Fehler in der Aktienanlage, die oft mit Entscheidungen aus dem Bauch heraus einhergehen, sollen damit vermieden werden.

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