Exklusive stock3 Plus Analyse: Inflationsdaten und US-Arbeitsmarktbericht dürften neue Impulse liefern
- Lesezeichen für Artikel anlegen
- Artikel Url in die Zwischenablage kopieren
- Artikel per Mail weiterleiten
- Artikel auf X teilen
- Artikel auf WhatsApp teilen
- Ausdrucken oder als PDF speichern
Das übergeordnete technische Bild bleibt konstruktiv, wie die Trendmatrix zeigt. Sechs der sieben Indizes befinden sich mittel- und langfristig weiter im Aufwärtstrend. Kurzfristig ist die Lage allerdings etwas komplizierter.
Ölpreis bleibt im Fokus
Zum Wochenbeginn belasten vor allem die wieder verschärften Spannungen zwischen den USA und Iran die Stimmung. Nach neuen militärischen Angriffen am Wochenende stieg der Ölpreis (Brent) wieder über die Marke von 90 USD je Barrel. Damit rückt neben dem unmittelbaren geopolitischen Risiko erneut die Frage in den Vordergrund, wie stark höhere Energiepreise die Inflation und damit die Geldpolitik beeinflussen.
Dieser Text ist heute Vormittag in unserem Premium-Service stock3 Plus erschienen. Als Abonnentin oder Abonnent von stock3 Weekly bekommst Du diese Informationen exklusiv.
US-Präsident Donald Trump kündigte unterdessen am Wochenende an, Öl aus einem neuen Abkommen mit Venezuela zum Wiederauffüllen der strategischen US-Ölreserve zu verwenden. Experten erwarten allerdings, dass dadurch kurzfristig das Ölangebot kaum steigen dürfte, da zunächst größere Investitionen in Förderung und Infrastruktur notwendig sein dürften.

Warsh stellt Inflationsbekämpfung in den Vordergrund
Für zusätzlichen Gegenwind bei Aktien und Anleihen sorgte bereits am Freitag die mit Spannung erwartete Rede von Fed-Chef Kevin Warsh in Jackson Hole. Warsh legte sich zwar nicht auf einen konkreten Zinsschritt fest und vermied ausdrücklich eine feste Vorgabe für den weiteren Zinspfad. Inhaltlich machte er jedoch deutlich, dass die Inflationsbekämpfung aktuell im Vordergrund steht.
Das Inflationsziel von 2 % beim PCE-Preisindex sei ein ernstes und festes Ziel, betonte Warsh. Eine nur kurzfristige Verbesserung einzelner Inflationsdaten sei nicht ausreichend.
Die Terminmärkte preisen nach der Warsh-Rede nun mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 62 % eine Zinserhöhung durch die Fed bereits im September ein, wie das CME FedWatch Tool zeigt. Bis Jahresende werden insgesamt eine bis zwei Zinserhöhungen erwartet.
Beige Book liefert Stimmungsbild vor Fed-Entscheid
Am Mittwochabend veröffentlicht die Federal Reserve ihr neues Beige Book. Der Konjunkturbericht fasst die wirtschaftliche Entwicklung in den zwölf Fed-Bezirken zusammen und deckt diesmal im Wesentlichen den Zeitraum Juli bis Anfang August ab. Die vorherige Ausgabe hatte in elf der zwölf Distrikte ein leichtes bis moderates Wirtschaftswachstum ausgewiesen.
Für Anleger dürfte diesmal vor allem interessant sein, welche Hinweise Unternehmen auf Kostensteigerungen, Preissetzungsspielräume und die Beschäftigungsentwicklung geben. Angesichts der erneuten Energieverteuerung erhält zudem die Frage zusätzliches Gewicht, ob die höheren Rohstoffpreise bereits auf breiterer Basis in die Wirtschaft durchsickern.
Das Beige Book erscheint nur zwei Wochen vor der nächsten Fed-Sitzung am 15. und 16. September. Nach Warshs Rede dürften deshalb die Einschätzungen der Fed zu Inflation und Arbeitsmarkt besonders aufmerksam gelesen werden.
Inflationsdaten für Deutschland und die Eurozone im Fokus
Auch in Europa bleibt die erhöhte Inflation mit Blick auf die Geldpolitik entscheidend. Am Montag um 14:00 Uhr werden vorläufige Inflationsdaten aus Deutschland veröffentlicht. Den Erwartungen der Volkswirte zufolge dürfte sich die Inflationsrate von 2,8 % im Juli auf 2,9 % im August beschleunigt haben.
Am Dienstag um 11:00 Uhr folgen vorläufige Inflationsdaten für die Eurozone. Bei der Inflationsrate wird mit einer Beschleunigung auf 3,3 % gerechnet, von 2,9 % im Juli. Die Kerninflationsrate dürfte den Erwartungen zufolge bei 2,5 % stabil geblieben sein.
Eine Zinserhöhung durch die EZB beim Zinsentscheid am 10. September gilt als wahrscheinlich. Die Juni-Projektionen der EZB waren bereits davon ausgegangen, dass die Gesamtinflation im dritten und vierten Quartal 2026 auf durchschnittlich 3,4 % steigen dürfte.
US-Arbeitsmarktdaten als Höhepunkt der Woche
Die offiziellen US-Arbeitsmarktdaten für August werden am Freitag um 14:30 Uhr MESZ veröffentlicht. Im Juli waren außerhalb der Landwirtschaft überraschend 23.000 Stellen weggefallen. Für August rechnen die Konsensschätzungen derzeit wieder mit einem moderaten Stellenaufbau um 58.000 Stellen. Die Arbeitslosenquote dürfte bei 4,1 % stabil geblieben sein, während für die durchschnittlichen Stundenlöhne mit einem Anstieg um 0,3 % gegenüber dem Vormonat gerechnet wird.
Damit könnte der Arbeitsmarktbericht die Zinsdiskussion in beide Richtungen bewegen. Ein überraschend robuster Stellenaufbau würde Warshs Einschätzung eines weiterhin soliden Arbeitsmarkts stützen und der Fed mehr Spielraum für eine Zinserhöhung geben. Sehr schwache Daten könnten dagegen die Zinserwartungen dämpfen, gleichzeitig aber neue Sorgen über die US-Konjunktur auslösen.
Im Wochenverlauf stehen bereits einige andere wichtige Wirtschaftsdaten an: Am Dienstag wird neben der JOLTS-Statistik zu offenen Stellen auch der ISM-Einkaufsmanagerindex für die Industrie veröffentlicht. Am Mittwoch folgen die inoffiziellen ADP-Arbeitsmarktdaten. Am Donnerstag stehen dann die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sowie der ISM-Index für den Dienstleistungssektor auf dem Programm.
Dell und Broadcom müssen hohe Erwartungen erfüllen
Mit Blick auf die Unternehmensseite bleibt die KI-Story ein wichtiges Thema. Nach den starken NVIDIA-Zahlen in der vergangenen Woche stehen nun Quartalszahlen von Dell Technologies und Broadcom im Fokus. Dell Technologies veröffentlicht am Dienstag nach US-Börsenschluss die Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027. Am Mittwoch nach US-Börsenschluss folgt Broadcom.
Am deutschen Aktienmarkt sind Unternehmenstermine zwar Mangelware, am Donnerstag steht aber die reguläre Überprüfung der Zusammensetzung der Indizes der DAX-Familie an. Die Änderungen bei DAX, MDAX, SDAX und TecDAX werden nach US-Börsenschluss bekanntgegeben. DAX, MDAX und TecDAX werden im September regulär auf ihre Zusammensetzung überprüft. Für die betroffenen Aktie können Indexaufnahmen oder Abstiege kurzfristig größere Bedeutung haben, da ETFs und andere indexorientierte Anleger ihre Portfolios entsprechend anpassen müssen.
Erstveröffentlichung: 31. Aug. 2026 um 12:38 Uhr von Oliver Baron





Keine Kommentare
Die Kommentarfunktion auf stock3 ist Nutzerinnen und Nutzern mit einem unserer Abonnements vorbehalten.