Fundamentale Nachricht

Die russische Wirtschaft droht abzustürzen

Niedriger Ölpreis, Kapitalflucht und Sanktionen des Westens: Das Potpourri an Problemen für Russland ist gewaltig. Es droht eine Rezession und ein riesiges Loch im Staatshaushalt.

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Moskau (BoerseGo.de) - Die derzeitigen Probleme der russischen Wirtschaft basieren auf zwei Phänomenen. Bedingt durch den in wenigen Monaten regelrecht abgestürzten Ölpreise brechen Moskau die Deviseneinnahmen weg, da der Rohstoff das mit Abstand wichtigste Exportgut des Landes darstellt. Darüber hinaus wirken sich die im Zuge der Ukraine-Krise beschlossenen Wirtschaftssanktionen des Westens aus: Sie haben die Kapitalflucht massiv angeheizt.

Nun sieht auch die russische Regierung den Tatsachen ins Auge: Moskau rechnet für das kommende Jahr mit einer Rezession. Das Wirtschaftsministerium warnte am Dienstag: 2015 dürfte die russische Wirtschaftsleistung um 0,8 Prozent abnehmen. Zuvor hatte die Regierung noch ein Wachstum von 1,2 Prozent in Aussicht gestellt. Sollte die Wirtschaft im nächsten Jahr schrumpfen, wäre es die erste Schrumpfung seit 2009. Dem stellvertretenden Wirtschaftsminister Alexej Wedew zufolge ist der Ausblick insbesondere für das erste Quartal negativ, ab der zweiten Jahreshälfte erwartet er eine leichte Erholung.

Auch für die Investitionen gibt es keine guten Prognosen. Das Ministerium schätzt nun, dass sie im nächsten Jahr um 3,5 Prozent zurückgehen werden. Zuvor hatte die Hoffnung auf ein Wachstum von 2 Prozent bestanden. Weiter hieß es von der Behörde, dass die privaten Einkommen im nächsten Jahr um 2,8 Prozent sinken dürften. Bislang wurde ein Wachstum von 0,4 Prozent vermutet.

Der Ölpreis hat seit Jahresbeginn um rund 30 Prozent nachgegeben. Regierungschef Dmitri Medwedew will aber die Hoffnung nicht aufgeben und gibt sich kämpferisch. „Jetzt wäre es gut, wenn das Öl etwas teurer würde, den Rest können wir machen“, sagte er am Dienstag beim Besuch einer Raffinerie.

Die düstere Prognose aus dem Wirtschaftsministerium kommt nur einen Tag nach dem geradezu historischen Einbruch an den Devisenmärkten. Der Rubel hatte am Montag bis zu 6,5 Prozent gegen den Dollar verloren. Das war der höchste Tagesverlust seit knapp 16 Jahren. Wegen der Rubel-Schwäche rechnet das Wirtschaftsministerium für das kommende Jahr mit einem Kapitalabfluss von mehr als 90 Milliarden Dollar statt wie bisher angenommen von 50 Milliarden Dollar. Für 2014 geht die Behörde von einer Kapitalflucht in Höhe von rund 125 Milliarden Dollar aus.

Nun fühlte sich die russische Notenbank bemüht einzuschreiten und gegen den Rubel-Verfall vorzugehen. Sie verkaufte mit Wirkung zum 2. Dezember Devisen im Wert von 700 Millionen US-Dollar, wie am Mittwoch aus Daten auf der Internetseite der Zentralbank hervorging. Bereits im November hatte die russische Zentralbank ihre Kontrollen des Rubelkurses aufgegeben und die angeschlagene Währung frei handeln lassen.

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Über den Experten

Bernd Lammert
Bernd Lammert
Finanzredakteur

Bernd Lammert arbeitet als Redakteur seit 2010 bei der BörseGo AG. Er ist studierter Wirtschafts- und Medienjurist sowie ausgebildeter Journalist. Das Volontariat absolvierte er noch beim Radio, beruflich fand er dann aber schnell den Weg in andere Medien und arbeitete u. a. beim Börsen-TV in Kulmbach und Frankfurt sowie als Printredakteur bei der Financial Times Deutschland in Berlin. In seinen täglichen Online-Berichten bietet er Nachrichten und Informationen rund um die Finanzmärkte. Darüber hinaus analysiert er wirtschaftsrelevante Entscheidungen der obersten deutschen Gerichte für eine Finanzagentur. Grundsätzlich ist Bernd Lammert der Ansicht, dass aktuelle Kenntnisse über die Märkte sowie deren immanente Risiken einem keine Erfolge schlechthin garantieren, aber die Erfolgschancen deutlich erhöhen können.

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