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Zoll-Wahnsinn mit fragwürdiger Formel, ein Special Government Employee den wir alle kennen und die März-Dividenden der Community! Fast alles, was diese Woche auf X im Gespräch war – viel Spaß beim Lesen
Liberation Day – völlig schmerzbefreit
Die neuesten Pläne von Donald Trump, die Zölle auf Importe zu erhöhen, haben weltweit für richtig Chaos an den Finanzmärkten gesorgt. Diese Maßnahmen nennt er “Liberation Day”-Zölle. Es gibt einen allgemeinen Zollsatz von 10 Prozent auf alle Importe und für bestimmte Handelspartner höhere Zölle, zum Beispiel 34 Prozent auf chinesische Waren und 20 Prozent auf Produkte aus der Europäischen Union.
Die Aktienmärkte weltweit reagierten natürlich negativ: In den USA sind die Futures des Dow Jones um über 1.000 Punkte gefallen und der Nasdaq ist um mehr als 3 Prozent eingebrochen. In Europa ging es nicht besser: Der DAX und der CAC 40 sind um bis zu 2,4 Prozent gefallen. In Asien ist der Nikkei um 2,8 Prozent gefallen und auch Intraday sahen wir keine Erholung. Insgesamt wurden weltweit ca. 3,1 Billionen Dollar an Wohlstand vernichtet:
Es gab allerdings auch einige Gewinner: Zinssensible Aktien wie der Immobiliensektor in Deutschland stiegen in Erwartungen eines „Crashs“ und sinkenden Unternehmensgewinnen, die die Zentralbank dazu zwingen könnten, die Zinsen zu senken (was auch in Trumps Sinne wäre, wenn man die amerikanischen Staatsschulden bedenkt).
So wurden die Zölle berechnet:
Was zunächst besonders komplex wirkt, ist eigentlich einfach und dreht sich schlicht um das Thema „Handelsdefizit“, welches Trump schon lange ein Dorn im Auge ist. In der Rechnung wurde einfach das Handelsdefizit, das die USA mit dem jeweiligen Land hat, genutzt, dieses geteilt durch die Importe mit demselben Land und dann mit 0,5 multipliziert. Oder einfach: Handelsdefizit geteilt durch Importe geteilt durch 2.
Hier am Beispiel China:
Ach ja, und wenn es kein Handelsdefizit gab oder nach Berechnung mit der “Formel” weniger als 10 Prozent herauskamen, dann wurden einfach die 10 Prozent-Mindest-Zölle vorgegeben.
Und was sagt Elon Musk dazu? Auf X findet man keine direkten Äußerungen zu den Zöllen von ihm. Es gibt aber ein neues Gerücht: Er soll bald nicht mehr “aktiv” politisch bei DOGE (Department Of Government Efficiency) mitwirken, denn er war schließlich auch nur ein „Special Government Employee“ (SGE): also niemand, der in die Regierung gewählt wurde. Bereits Ende Mai könnte sein Engagement enden, vielleicht schon früher.
Ein SGE ist ein besonderer Status innerhalb der US-Regierung. Er wird Personen verliehen, die für eine begrenzte Zeit – in der Regel nicht länger als 130 Tage pro Jahr – für eine Bundesbehörde tätig sind. Die Einsatzzeit ist begrenzt, da sich sonst der Präsident sein ganzes Kabinett so zusammenstellen könnte, wie er wollte. SGEs bringen meist spezialisiertes Fachwissen aus der Privatwirtschaft, der Wissenschaft oder anderen Bereichen mit. Das Besondere: SGEs unterliegen weniger strengen Interessenskonfliktregeln als reguläre Regierungsangestellte, da anerkannt wird, dass sie häufig weiterhin privatwirtschaftlich tätig sind. Dennoch müssen sie ethische Standards einhalten und mögliche Interessenkonflikte offenlegen. Offiziell bestätigt wurde noch nicht, dass Musk bald nicht mehr offiziell bei DOGE aktiv sein wird, aber:
Man kann davon ausgehen, dass, wenn Trump und Musk es wirklich wollen, sie einen Weg finden werden, um Musks SGE-Status zu verlängern. Die Tesla-Aktie begrüßte zunächst jedenfalls das Gerücht in der Hoffnung, dass er sich wieder mehr um Tesla kümmern könne:
Auffällig war allerdings: bei Trumps großer „Liberation Day“-Rede war Musk nicht anwesend. Dazu musste er zuletzt eine weitere politische Niederlage einstecken: Bei der Wahl zum Obersten Gerichtshof von Wisconsin setzte sich die liberale Kandidatin Susan Crawford gegen den konservativen Bewerber Brad Schimel durch – ein bedeutender Erfolg für die Demokraten.
Musk hatte Schimel nicht nur öffentlich unterstützt, sondern auch finanziell gefördert. Darüber hinaus engagierte er sich aktiv im Wahlkampf: So versprach er zwei Wählern jeweils eine Million US-Dollar, nachdem diese eine von ihm initiierte Petition gegen sogenannte „aktivistische Richter“ unterzeichnet hatten.
Der Generalstaatsanwalt von Wisconsin, Josh Kaul, sah darin einen möglichen Verstoß gegen das Wahlrecht und versuchte, die Zahlungen gerichtlich zu unterbinden – jedoch ohne Erfolg. Sogar als „Cheesehead“ (Wisconsin ist für seine Käseproduktion bekannt) trat er auf:
Ein Fazit? Musk politischer Erfolg und seine Beliebtheit scheinen aktuell zu schwächeln.
März-Dividenden in der Community – Zwischen stetigem Cashflow und persönlichen Meilensteinen
Wenn die Kurse fallen, kann man sich wenigstens noch an Dividenden erfreuen. Und wie wir bereits wissen, ist der letzte Tag eines Monats für viele Anleger auf X fast schon ein kleines Ritual geworden: Es ist der Moment, in dem Bilanz gezogen wird – nicht nur über Kursgewinne oder Tradingerfolge, sondern über einen der beständigsten und langfristig zuverlässigsten Einkommensströme an der Börse, die Dividende!
Für viele ist die Dividende gerade aktuell vor allem eines: ein Symbol für finanzielle Unabhängigkeit, Disziplin beim Vermögensaufbau und Motivation für den nächsten Schritt – gerade bei schwächelnden Kursen. Auch viele US-Bürger haben ihre Depots angelegt, um für den Ruhestand vorzusorgen. Was sie davon halten, dass durch Trumps Verhalten nun die Börsen einknicken? Das dürfte nicht schwer zu erraten sein.
Besonders spannend wird es dabei immer gegen Ende eines Quartals – wie jetzt im März. Die Community teilt stolz ihre Einnahmen, persönliche Rekorde oder auch Zielmarken, die in greifbare Nähe rücken.
So etwa der Nutzer @Aktiensuchtie, der sich Hoffnungen macht, in diesem Jahr zum ersten Mal die magische Grenze von 1.000 Euro netto an Dividendeneinnahmen in nur einem Monat zu knacken – mit einem Augenzwinkern, aber auch viel Ambition:
Nicht nur die absoluten Zahlen beeindrucken, sondern auch die Entwicklung. @TempusInvestor zeigt, wie wichtig Kontinuität beim Investieren ist: Trotz einer noch ausstehenden Zahlung vom Vanguard-ETF hat er die Dividenden des Vorjahres im März bereits übertroffen. Mit der April-Zahlung könnte er die Jahresdividenden um stolze 20 % steigern – ein Beweis für nachhaltiges Wachstum:
User @dividendendepot wiederum zeigt, wie stark die letzten Märztage sein können. Stolze 9 Zahlungen an einem Tag – ein neuer persönlicher Rekord. Die Mischung aus Unternehmen aus Europa, den USA und Asien verdeutlicht: Wer breit streut, kann an vielen Tagen im Jahr mit Geldeingängen rechnen.
Diese Beispiele zeigen: Es geht bei Dividenden nicht nur um bloße Beträge – es geht um Fortschritt, Struktur und Motivation. Ob es das erste Mal ist, dass man dreistellige Summen in einem Monat erhält, oder ob man die eigene Dividendenrendite Jahr für Jahr steigert – die Dividende ist nicht nur ein Mittel zum Zweck, sondern ein Symbol für langfristiges Denken. Gerade für Privatanleger können Dividenden zu einer unverzichtbaren Säule der Altersvorsorge werden – nicht als Ersatz, aber als stetig wachsender Zusatz zur gesetzlichen Rente, der mit jeder Ausschüttung ein Stück finanzielle Freiheit zurückzahlt.
Kritik an der Dividendenstrategie
Bei aller Begeisterung darf aber auch nicht verschwiegen werden: Die Dividendenstrategie steht immer wieder in der Kritik. Nicht selten ist von „mentaler Buchhaltung“ die Rede, wenn Anleger Ausschüttungen feiern, die letztlich nur eine Umverteilung von Unternehmensvermögen darstellen. Andere bezeichnen Dividenden gar als „Selbstbetrug“, weil der Aktienkurs am Ex-Tag entsprechend sinkt und somit angeblich kein echter Mehrwert entsteht.
Aus finanztheoretischer Sicht sind diese Argumente nachvollziehbar – an der Lebenswirklichkeit vieler Privatanleger gehen sie jedoch häufig vorbei. Denn für sie ist die regelmäßige Ausschüttung keine Illusion, sondern ein realer, kalkulierbarer Cashflow. Eine psychologisch greifbare Belohnung für langfristiges Investieren. Und nicht zuletzt ein Baustein, um Schritt für Schritt eine eigene Altersvorsorge aufzubauen – unabhängig von Kursschwankungen und jenseits abstrakter Renditezahlen.
Auffällig ist, dass die Kritik an Dividendenstrategien meist nur aus einer Richtung kommt – während Dividendenfans selbst vergleichsweise selten andere Anlagestrategien infrage stellen. Dividenden-Investoren reagieren meist gelassener und mit weniger missionarischem Eifer auf andere Anlagestrategien – woran könnte das liegen? Vielleicht hat es mit der psychologischen Wirkung regelmäßiger Ausschüttungen zu tun. Wer in einem volatilen Marktumfeld Monat für Monat reale Zahlungen erhält, empfindet oft eine größere emotionale Sicherheit. Diese regelmäßigen Geldeingänge wirken wie ein Anker, der für viele Anleger beruhigend ist – und wer sich wohl mit seinem Anlagestil fühlt, verspürt weniger das Bedürfnis, andere Strategien oder Meinungen zu bekämpfen.
Hinzu kommt: Dividendenanleger handeln in der Regel mit einer langfristigen Perspektive. Sie streben nicht nach kurzfristiger Outperformance oder schnellen Gewinnen, sondern nach stetigem Cashflow – oft mit Blick auf finanzielle Unabhängigkeit oder eine stabile Altersvorsorge. Diese Einstellung sorgt für Gelassenheit. Während in anderen Lagern heftig über die „beste“ Strategie diskutiert wird, sind Dividendenanleger oft einfach mit dem eingeschlagenen Weg zufrieden.
Ein weiterer Grund ist die Greifbarkeit der Dividende. Während Kursgewinne bis zu ihrer Realisierung reine Theorie bleiben, landen Ausschüttungen sofort auf dem Konto. Das schafft ein konkretes Erfolgserlebnis – unabhängig von Marktbewegungen. Viele kennen die Kritik: Dividenden seien letztlich nur eine Vermögensumschichtung, der Kurs sinke um den Ausschüttungsbetrag und so weiter. Aber sie akzeptieren diese Argumente – und entscheiden sich trotzdem bewusst für die Dividendenstrategie, ohne sich rechtfertigen oder andere bekehren zu müssen.
All das zusammengenommen erklärt vielleicht, warum die Debatte um die Dividende so emotional geführt wird – jedoch meist nur von einer Seite. Die andere hört zu, sammelt weiter Dividenden – und lässt die Ausschüttung (und Kursgewinne/-stabilität) für sich sprechen. Gestern hat man nach Trumps Liberation-Day gesehen: viele “langweilige, defensive Dividendentitel” wie Danone, BAT, Allianz, Waste Management, Johnson & Johnson, Procter & Gamble und viele weitere konnten kurstechnisch zulegen.
Vielen Dank für’s Lesen! Wir sehen uns entweder nächste Woche hier oder auf X – eure Lara / eure @peppershares