Der Buffett-Indikator: Droht eine neue Krise?
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Nach dem starken Kurseinbruch stellen sich viele Anleger die Frage, ob es sich nur um eine vorübergehende Korrektur oder einen neuen Bärenmarkt handelt. Bei einer vorübergehenden Korrektur könnte nun ein guter Zeitpunkt gekommen sein, um in die übergeordnet noch laufende Rally einzusteigen. Ganz anders sähe es natürlich aus, wenn der jüngste Einbruch sich erst als Beginn eines neuen Bärenmarktes erweisen sollte. In diesem Fall wären Anleger denkbar schlecht beraten, jetzt in die Aktienmärkte einzusteigen.
Der Buffett-Indikator
Warren Buffett, der erfolgreichste US-Investor aller Zeiten, nutzt einen ganz einfachen Indikator, um festzustellen, ob die Bewertungen und damit die Kurse am Aktienmarkt aktuell günstig, angemessen oder zu teuer sind. In einem Interview sagte Buffett einmal, der „wohl beste einzelne Indikator“ zur Klärung dieser Frage sei der Quotient aus Marktkapitalisierung und Bruttoinlandsprodukt (BIP).
Die Marktkapitalisierung ist nichts anderes als der aktuelle Marktwert aller börsengehandelten Unternehmen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist nichts anderes als die Summe aller in einer Volkswirtschaft innerhalb eines Jahres produzierten Waren und Dienstleistungen. Das BIP ist also eine Art „Gesamtumsatz“ der Realwirtschaft. Beim Verhältnis aus Marktkapitalisierung und BIP wird also die Marktbewertung der börsennotierten Unternehmen ins Verhältnis zur Bruttowertschöpfung der Unternehmen gesetzt.
Hierbei geht es nicht um die Bewertung einzelner Aktien, sondern um die Frage, ob der Gesamtmarkt insgesamt teuer oder attraktiv bewertet ist. Denn es lässt sich nicht leugnen, dass der Markt mit schöner Regelmäßigkeit zu starken Übertreibungen nach oben und nach unten neigt. Im Zuge der Dotcom-Blase und des Immobilienhypes in den USA stiegen die Kurse 2000 und 2007 zum Beispiel auf abenteuerliche Bewertungen, um danach wieder deutlich einzubrechen.
Boom and Bust
Kommt es in Boom-Zeiten zu Spekulationsblasen, steigen die Bewertungen an den Aktienmärkten deutlich schneller als die reale Wertschöpfung der Unternehmen. Das Verhältnis aus BIP und Marktkapitalisierung nimmt deshalb deutlich zu. Kommt es zu einer Rezession, brechen die Kurse an den Aktienmärkten viel stärker ein als die Wertschöpfung der Unternehmen. Die Bewertungen sinken also viel stärker, als dies fundamental eigentlich gerechtfertigt wäre. Value-Investoren wie Warren Buffett kaufen Aktien vor allem in diesen Krisenzeiten, wenn die Kurse im Verhältnis zur realen Geschäftstätigkeit der Unternehmen übertrieben niedrig sind. Gefragt, wie man mit Aktien Geld verdienen könne, sagte Buffett einmal: „Einen Dollar kaufen, und nur 50 Cent dafür zahlen.“
Aktuelle Situation
Eine gute Näherungsmethode für die US-Marktkapitalisierung ist der Wilshire 5000 Index, der alle börsengehandelten US-Unternehmen umfasst. Es gibt noch andere, umfassendere Statistiken zur US-Marktkapitalisierung (zum Beispiel von der Weltbank). Diese Daten werden allerdings oft nur einmal im Jahr erhoben und sind deshalb weniger geeignet. Die folgende Grafik der regionalen Federal Reserve Bank von St. Louis zeigt das Verhältnis aus der Marktkapitalisierung des Wilshire 5000 und des US-Bruttoinlandsprodukts.
Quelle: Federal Reserve Bank of St. Louis
Ganz deutlich zu erkennen ist, dass es vor den Krisen 2001 und 2008 zu starken Übertreibungen nach oben kam. Das Verhältnis aus Marktkapitalisierung und BIP stieg über den Schwellenwert von 1, der häufig als angemessen betrachtet wird. Der absolute Wert ist allerdings weniger wichtig als das Muster aus spekulativem Anstieg und anschließendem Einbruch. Denn auf lange Sicht sind die Bewertungen am US-Aktienmarkt deutlich angestiegen, wie die Grafik ebenfalls zeigt. Entscheidend ist aber, dass es vor allen großen Rezessionen zu einem Anstieg des Buffett-Indikators über den vorherigen langjährigen Durchschnittswert kam. Dies ist auch aktuell wieder der Fall – die Bewertungen lagen vor der jüngsten Korrektur sogar höher als 2000 und 2007. Aus fundamentaler Value-Perspektive ist damit klar, dass aktuell kein guter Zeitpunkt gekommen ist, um jetzt in die Aktienmärkte einzusteigen. Eine größere Krise, ausgelöst durch das Ende der lockeren US-Geldpolitik und der Schwierigkeiten der Schwellenländer liegt durchaus im Bereich des Möglichen.
Fazit: Aus fundamentaler Value-Perspektive sind Aktien weiterhin mehr als teuer. Abgesehen von einzelnen Werten, die attraktiv bewertet sein können, sind die Bewertungen aktuell höher als vor den Krisen in den Jahren 2001 und 2008. Die jüngste Korrektur dürfte also kein guter Zeitpunkt sein, um jetzt in die Aktienmärkte einzusteigen.
Oliver Baron
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Hat sich Buffet beim Kauf von Heinz (zusammen mit 3G Capital) an diesem Indikator vor einem knappen Jahr gehalten?
Wie begründete er seinen Goldman-Deal?
Worauf ich mit diesen beiden Fragen hinaus will?
Antworten gibt es zu jeder Kursbewegung und jedem Börsenstand reichlich und die "dümmsten" erhalten meist das größte Echo in Form zu Zustimmung.
Bei den Analysten trennt sich die Spreu vom Weizen aber bei der vernünftigen Argumentation.
Und eine Verifizierung mittels Kritik einer aufgestellten Behauptung sollte auf einem einfachen Level schon möglich sein.
Das bedeutet bei einem Value-Ansatz immer auch, dass konkurrierende Investmentvehikel, in diesem Fall zu Aktien, in Augenschein genommen und verglichen werden. Die Zinsen sind derzeit sowohl im kurzfristigen, als auch im langfristigen Bereich wesentlich niedriger als in den Jahren 2000 und 2008 und die Dividendenrenditen sind meist höher als die Zinserträge im langfristigen Bereich - im kurzfristigen erübrigt sich jede Diskussion von selbst. Und falls es im langfristigen Bereich wirklich zu einer nachhaltigen Zinswende in Form steigender Anleihenrenditen kommen sollte: Wie kann man dies durch eine Anlage in diesem Assetbereich rentabel gestalten? Bei sinkenden Zinsen kann man festverzinsliche Wertpapiere als Investmentvehikel gebrauchen, aber nicht umgekehrt. Und ein Hedging über den Terminmarkt bedeutet eine entsprechende Preisänderung auf dem Kassa-Markt.
Niedrige Refinanzierungskosten bei hochkapitalisierten Unternehmen bedeuten in aller Regel eine höhere Gewinnmarge, zumindest ein geringeres "Geschäftsrisiko". In Verbindung mit dem Umstand, dass sich solvente Unternehmen im Vergleich zu Staaten in den letzten Jahren zunehmend günstiger refinanzieren können, weil der Spread gesunken ist, hat auch dieser Umstand einen weiteren Einfluss auf die Unternehmensergebnisse.
Und Unternehmensergebnisse und deren Entwicklung dürften auf den Aktienkurs einen nachhaltigeren Einfluss haben als die Umsätze.
Fazit: Der Buffet-Indikator dürfte unter den jetzigen Vorzeichen ohne externe Belastungen (wie Aufstände und Kriege) in den nächsten Jahren eher steigen als fallen.
Hallo,
bin kein Volkswirt, aber was passiert mit den ausländischen Umsätzen/Gewinnen der US-Unternehmen? Die werden doch in der Unternehmensbewertung berücksichtigt als auch bei der Marktkapitalisierung. Sind diese aber auch Teil der BIP Rechnung der US-Volkswirtschaft, die ausländischen Umsätze (keine Importe oder Exporte)?
Bei der Geldmenge im Umlauf wird es schwierig sein unter 0,8 mit diesem dargestellten Faktor zu fallen.
Ansonsten, sehr interessanter Ansatz. Das einzige was den positiven Trend aufrechterhalten könnte ist eine neue Industrierevolution wie z.B. elektro Autos oder noch mehr Roboter zu Hause.
Viele Grüße
Jupiter
Herr Baron - eine interessante Ausführung! Aber wie erklären sie sich den trendmäßigen Anstieg seit Mitte der 70er? Ich denke sie vernachlässigen bei dieser Betrachtung die Produktivität der Unternehmen. Denn durch technologischen Fortschritt, Bildung etc. steigt diese im Zeitverlauf, was einen höheren Quotienten rechtfertigt (steigende Brutto-/Netto-Marge bei Produktivitätsfortschritt).
Ist egal. Et kütt wie et kütt .... ich steige sowieso immer zum falschen Zeitpunkt ein