Kommentar
10:31 Uhr, 08.02.2018

Das Inflationswunder!

„Inflation gibt’s nicht“ war gestern. Insbesondere zeigt sich die Kerninflation in weiten Teilen der Welt stark. Das wird auch an den Notenbanken nicht spurlos vorbeigehen.

In vielen europäischen Ländern schien sich die Inflation in den letzten Monaten wieder nach unten zu bewegen. Die Kerninflation, die weniger stark auf Schwankungen bei Rohstoffpreisen und Wechselkurseffekte reagiert, ist ziemlich solide. In der Slowakei liegt die Kerninflation bei fast 3 %.

In Ungarn, Litauen, Großbritannien, Tschechien, China und Russland liegt sie zwischen 2 % und 2,6 %. Chile, Estland, Australien, die USA, Neuseeland und Belgien haben Kernraten zwischen 1,5 % und 2 %. Damit liegen sie nahe der Zielmarken der Notenbanken.

Die Aufzählung ist nicht abschließend. Sie zeigt lediglich die größten Länder bzw. Länder der Eurozone. Insgesamt erreichen 42 Länder die Zielmarke oder liegen knapp darunter. Damit befinden sich Volkswirtschaften, die über die Hälfte der globalen Wirtschaftsleistung ausmachen, über oder nahe der Zielmarke von 2 %. So düster ist die Lage also gar nicht.

Die Idee, dass die Inflation hoffnungslos zu niedrig ist und nie wieder vom Fleck kommen wird, hält sich beharrlich. Die Fakten sprechen eine andere Sprache. Auch in den USA, wo die Notenbank besonders intensiv auf niedrige Inflation beharrt, zeigt sich inzwischen ein positiver Trend.

Die Kerninflationsrate liegt aktuell bei lediglich 1,6 %. Vergleicht man den Trend mit Kanada, kann man sich ausmalen, dass es nicht so bleiben wird. In Kanada wird die Mitte des Zielbandes von 1-3 % inzwischen erreicht. In den letzten Jahren lief die kanadische Inflation der US-Rate voraus. Man kann sich also denken, dass auch in den USA die Zielmarke in diesem Jahr erreicht wird.

Viel wichtiger als die Frage, ob und wann genau das Ziel erreicht wird, ist aber ein anderer Aspekt. Was werden die Notenbanken tun, wenn sie erreicht haben, wovon sie jahrelang geredet haben? Kommt es dann plötzlich zu einer aggressiveren Zinswende?

Schon jetzt hadern immer mehr Notenbanken mit der ultralockeren Geldpolitik. So langsam scheint die Erkenntnis zu reifen, dass die seit Jahren anhaltende Politik die Assetpreise hat zu stark steigen lassen.

Die EZB hält zwar an ihrer Geldpolitik fest, doch die Beharrlichkeit schwächt sich ab. Einzelne US-Notenbanker können sich eine Beschleunigung der Zinswende vorstellen. Die Bank of Japan ist inzwischen nur noch verbal im QE Modus. Effektiv kauft sie kaum noch Anleihen.

Hohe Assetpreise und Inflationsziele, die zum Greifen nahe sind, dürften meiner Einschätzung nach dazu führen, dass wir eine Beschleunigung der Zinswende sehen werden. Anleger scheinen das so langsam zu begreifen. Nicht umsonst sind die Zinsen in den letzten Wochen rasant gestiegen.

Die Schwierigkeit liegt darin, aus dem Markt Luft abzulassen, ohne ihn gleich komplett einfallen zu lassen. Die nächsten Wochen werden daher kritisch sein. Beruhigt sich der Markt wieder, werden die Notenbanken bei der Straffung der Geldpolitik einen Zahn zulegen.

Clemens Schmale

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20 Kommentare

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  • Zukunft21
    Zukunft21

    und die wird noch viel weiter steigen da ist nämlich das Problem der Notenbanken und dies kann nur in einem Desaster enden.

    16:02 Uhr, 08.02. 2018
  • Zukunft21
    Zukunft21

    Ist doch alles egal wer regelmässig einkaufen geht sieht die Inflation auf seinem Kassenbon wenn er durch die Kassenzone durch ist.

    Also lange rede kurzer Sinn die Inflation liegt weit höher als uns glaubhaft gemacht werden soll.

    16:00 Uhr, 08.02. 2018
    1 Antwort anzeigen
  • einfach
    einfach

    so wie es aussieht, wollen es die meist wohlhabenderen menschen nicht wahrhaben, dass die lazy time des zinskassierens vorbei ist.

    wer geld mit geld verdienen möchte, ist in zukunft zu einem eigenständigen handeln verpflichtet punkt.

    dieses ganze zinsgelabere ist sowas von überflüssig.

    die gesellschaft verschuldet sich bei sich selbtst und tilgt auch für sich selbst ganz ohne zinsen.

    die zentralbanken sind normalerweise in der lage ohne die "sogenannten geschäftsbanken" der gesellschaft in form von regierungsauftrag einen kredit einzuräumen, der dann wieder von der gesellschaft in form von steuereinnahmen getilgt wird.

    14:35 Uhr, 08.02. 2018
  • 1 Antwort anzeigen

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Über den Experten

Clemens Schmale
Clemens Schmale
Finanzmarktanalyst

Clemens Schmale hat seinen persönlichen Handelsstil seit den 1990er Jahren an der Börse entwickelt.

Dieser gründet auf zwei Säulen: ein anderer Analyseansatz und andere Basiswerte. Mit anders ist vor allem die Kombination aus Global Makro, fundamentaler Analyse und Chartanalyse sowie Zukunftstrends gemeint. Während Fundamentaldaten und Makrotrends bestimmen, was konkret gehandelt wird, verlässt sich Schmale beim Timing auf die Chartanalyse. Er handelt alle Anlageklassen, wobei er sich größtenteils auf Werte konzentriert, die nicht „Mainstream“ sind. Diese Märkte sind weniger effizient als andere und ermöglichen so hohes Renditepotenzial. Sie sind damit allerdings auch spekulativer als hochliquide Märkte. Die Haltedauer einzelner Positionen variiert nach Anlageklasse, beträgt jedoch meist mehrere Tage, oft auch Wochen oder Monate.

Rohstoffe, Währungen und Volatilität handelt er aktiv, in Aktien und Anleihen investiert er eher langfristig. Die Basiswerte werden direkt – auch über Futures – oder über CFDs gehandelt, in Ausnahmefällen über Optionen und Zertifikate.

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