Fundamentale Nachricht

China wird die globale Konjunktur nicht wie 2008/2009 retten können

Bestenfalls dürfte laut em-report von Raiffeisen Capital Management eine moderate Wachstumsbeschleunigung erzielbar sein.

Es spricht trotz einer bereits ausgeprägten fundamentalen Überbewertung noch immer einiges für eine anhaltende Stärke der US-Währung. Ein solches Umfeld, gepaart mit weiterer globaler Konjunkturabschwächung und einer weltweit restriktiver werdenden Geldpolitik, bedeutet bis auf weiteres einen Gegenwind und hohe Volatilität für die Aktienmärkte generell – und jene der Schwellenländer im Besonderen.

Der Ausblick für 2022 und 2023 ist keiner, der nachhaltige Entspannung oder Verbesserung verheißt. In etlichen Schwellenländern, aber diesmal auch in entwickelten Nationen, drohen damit früher oder später schwere innenpolitische Turbulenzen, die in weiterer Folge auch geopolitische Auswirkungen haben könnten.

China wird derweil die globale Konjunktur nicht retten können, wie es noch 2008/2009 der Fall war. Bestenfalls dürfte eine moderate Wachstumsbeschleunigung erzielbar sein.


China
: Die Situation am Immobilienmarkt bleibt angespannt, den ausgeweiteten Hilfsmaßnahmen zum Trotz. Für das Jahr 2022 droht China ein sehr schwaches Wirtschaftswachstum, das unter dem angepeilten Wert von 5,5 Prozent liegen dürfte.

Indien: Die Notenbank setzt einen weiteren Zinsschritt nach oben. Es besteht aber eine recht hohe Wahrscheinlichkeit, dass sie demnächst einen sanfteren Kurs fährt. Die Leistungsbilanz verschlechtert sich indes deutlich, während sich die Industrieproduktion weiterhin recht robust zeigt.

Brasilien: Die Industrieproduktion schrumpfte stärker als erwartet und die Einzelhandelsumsätze fielen deutlich schwächer aus. Die Zentralbank zeigt sich zunehmend besorgt über die konjunkturelle Situation, während sie gleichzeitig an der Inflationsfront voll gefordert ist und sowohl Währung als auch die Zinsanhebungen in den USA im Auge behalten muss. Unterdesssen hat Präsident Bolsonaro bei Wahlumfragen gegenüber Ex-Präsident Lula da Silva kräftig aufgeholt. Damit scheint der Ausgang der Präsidentschaftswahlen am 2. Oktober völlig offen.

Russland: Die Wirtschaft dürfte nur relativ moderat schrumpfen, dafür aber wird es auch so bald keine spürbare Erholung geben, vor allem, wenn das ab Dezember geplante Ölembargo der EU tatsächlich zur Anwendung kommt. Unterdessen schreitet die Wiederbelebung und Expansion der Kooperation der BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) voran – ein in den letzten Jahren eher wenig beachteter wirtschaftlicher Kooperationsverbund. Sowohl der Iran als auch Argentinien haben Interesse an einer Mitgliedschaft bekundet, dem Vernehmen nach auch die Türkei, Ägypten und Saudi-Arabien. Die Bewegung auf diesem Gebiet ist zweifellos vor dem Hintergrund einer möglichen Neuordnung der geopolitischen Allianzen und Konstellationen und der von Russland und China angestrebten „multilateralen, gesetzesbasierten Weltordnung“ interessant und potenziell bedeutsam. Dieses Projekt steht und fällt wohl aber damit, ob Russland den militärischen Krieg in der Ukraine und den wirtschaftlichen Krieg mit dem Westen überlebt.

Türkei: Die türkische Wirtschaft wächst der enorm hohen Inflation von über 80 Prozent p.a. zum Trotz weiter. Weil die Notenbank dennoch den Leitzins neuerlich absenkte, stufte die Ratingagentur Moody’s die Bonität der Türkei von B2 auf B3 (somit tief in den „Schrott-Bereich“) weiter herab. Außenpolitisch profiliert sich Präsident Erdogan weiter als Vermittler im Ukraine-Krieg, doch zwischen der Türkei und Griechenland verschärft sich der Ton weiter. Innenpolitisch ist Erdogans AKP inzwischen meilenweit von der einstigen absoluten Stimmenmehrheit entfernt und könnte sogar von der oppositionellen CHP überholt werden.

CE3 (Polen, Tschechien, Ungarn): Die Inflationsproblematik hat sich nicht entspannt. Polen verzeichnete über 16 Prozent Inflation im August – und auch für 2023 sieht es nicht gut aus. Die polnische Regierung rechnet in der Budgetplanung mit knapp 10 % Teuerung im kommenden Jahr und erwartet eine Verdreifachung des Haushaltsdefizits auf rund 4,5 % des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Die Industrie sieht unterdessen eine Abschwächung voraus. In Tschechien bleibt die Inflationsrate ebenfalls hoch, und die Notenbank geht auch für 2023 von deutlich zu hohen Teuerungsraten aus. Innenpolitisch wächst derweil der Druck auf die Regierung. 50.000 bis 70.000 Menschen forderten auf einer Großkundgebung der Opposition in Prag eine neutrale Haltung im Konflikt zwischen Russland und der Ukraine und den Rücktritt der Regierung. In Ungarn dürften die Inflationserwartungen ihren Hochpunkt noch nicht erreicht haben. Die Stimmung bei Unternehmen und Verbrauchern verschlechtert sich unterdessen zusehends und das BIP-Wachstum ging im zweiten Quartal von 8 % auf 6,5 % zurück. Zunehmende Kaufzurückhaltung angesichts der hohen Inflation dürfte im zweiten Halbjahr das Wachstum weiter sinken lassen.

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