AIRBUS erwartet wieder mehr Schub im zweiten Quartal
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- Airbus SE - WKN: 938914 - ISIN: NL0000235190 - Kurs: 170,360 € (XETRA)
Der weltgrößte Flugzeugbauer sitzt auf einem Auftragsbestand von mehr als 9000 Maschinen. Doch fehlende Triebwerke, Nacharbeiten an Bauteilen und verzögerte Übergaben nach China haben den Jahresauftakt deutlich belastet. Ausgerechnet in einer Phase, in der Boeing unter CEO Kelly Ortberg wieder Tritt fasst, verliert Airbus operativ an Tempo.
Schwacher Jahresauftakt trotz voller Bücher
Im ersten Quartal sank das bereinigte operative Ergebnis um 52 % auf 300 Mio. EUR. Der Umsatz ging um 7 % auf 12,65 Mrd. EUR zurück. Damit verfehlte Airbus die Erwartungen beim Gewinn klar. Analysten hatten im Schnitt mit 348 Mio. EUR bereinigtem operativem Ergebnis gerechnet, beim Umsatz lagen die Schätzungen mit 12,39 Mrd. EUR sogar etwas niedriger.
Der Rückgang ist vor allem auf die schwachen Auslieferungen in der Verkehrsflugzeugsparte zurückzuführen. Airbus übergab in den ersten drei Monaten nur 114 Verkehrsflugzeuge an Kunden, nach 136 Maschinen im Vorjahresquartal. Boeing lieferte im selben Zeitraum 143 Jets aus und nutzte damit die Engpässe des europäischen Rivalen, um verlorenen Boden gutzumachen.
Konzernchef Guillaume Faury sprach im Analystencall von einem niedrigen Auslieferungsniveau, betonte aber, dass die Produktion weiter hochgefahren werde. "Wir fahren die Produktion im Einklang mit unserem Plan für 2026 hoch, während wir einen Mangel an Pratt & Whitney-Triebwerken bewältigen", sagte Faury. Dieser Engpass schlage sich unmittelbar in den Ergebnissen nieder.
Pratt & Whitney bleibt der Engpass
Das zentrale Problem bleibt der US-Triebwerkshersteller Pratt & Whitney. Die verspäteten Lieferungen bremsen vor allem die A320-Familie, das wichtigste Programm von Airbus. Faury machte deutlich, dass der Konflikt noch nicht gelöst ist. "Wir sind noch nicht an dem Punkt, an dem wir eine Vereinbarung haben", sagte er. Airbus arbeite parallel an zwei Wegen: an der Durchsetzung vertraglicher Ansprüche und an einer einvernehmlichen Lösung.
Gleichzeitig versuchte das Management, die Unsicherheit für 2026 zu begrenzen. Die Zahl der für dieses Jahr erwarteten Pratt & Whitney-Triebwerke sei inzwischen stabil. "Die Anzahl der Triebwerke, die Pratt in diesem Jahr an Airbus liefern soll, ist eingefroren und stabil", sagte Faury. Deshalb gebe es derzeit keinen Grund, die Auslieferungsprognose für 2026 infrage zu stellen.
Die größere Sorge reicht jedoch über das laufende Jahr hinaus. Faury bezeichnete Pratt & Whitney als "den wichtigsten Taktgeber" für den Hochlauf der A320-Produktion und der Auslieferungen in den Jahren 2026 und 2027. Airbus will bis Ende 2027 eine monatliche Rate von 70 bis 75 Maschinen der A320-Familie erreichen und anschließend bei 75 Flugzeugen stabilisieren.
China-Verzögerung belastet Lager und Cashflow
Neben den Triebwerken belastete eine administrative Verzögerung bei fast 20 Flugzeugen für chinesische Kunden. Diese Maschinen waren weitgehend fertig, konnten im ersten Quartal aber nicht ausgeliefert werden. Airbus erklärte, das Problem sei inzwischen behoben, die Auslieferungen seien wieder angelaufen.
Die Verzögerung hinterließ deutliche Spuren in der Bilanz. Der freie Cashflow vor Kundenfinanzierungen lag im ersten Quartal bei minus 2,5 Mrd. EUR. Finanzchef Thomas Toepfer verwies auf einen ungewöhnlich starken Lageraufbau von rund 5 Mrd. EUR. Dieser sei "signifikant höher" als im Vorjahr und erkläre die schwache Cashflow-Entwicklung. Haupttreiber seien die fast 20 China-Flugzeuge gewesen, die zwar gebaut, aber nicht übergeben werden konnten.
Für das zweite Quartal stellte Toepfer eine Entlastung in Aussicht. "In Q2 können Sie eine Umkehr erwarten, und der Cashflow sollte positiv sein", sagte der CFO. Der Lageraufbau sei eine Frage der zeitlichen Verschiebung, nicht der strukturellen Nachfrage.
Auftragslage bleibt außergewöhnlich stark
Während die operative Umsetzung hakt, bleibt das Marktumfeld für Airbus robust. Im ersten Quartal verbuchte der Konzern 408 Bruttoaufträge und 398 Nettoaufträge. Der gesamte Auftragsbestand stieg Ende März auf 9037 Flugzeuge. Allein bei der A320-Familie lag der Bestand bei 7418 Maschinen, davon rund 75 % für den A321.
Auch im Großraumsegment gab es wichtige Erfolge. Airbus meldete 35 Bruttoaufträge für den A350, darunter den bislang größten Auftrag für die Frachtversion. Atlas Air Worldwide bestellte 20 A350-Frachter und wurde damit größter Kunde dieses Programms sowie erster US-Kunde. Der Auftragsbestand für den A350-Frachter liegt nun bei mehr als 100 Maschinen.
Im Servicegeschäft bündelt Airbus zudem seine digitalen Aktivitäten. Die Tochter Navblue wird mit den Skywise-Aktivitäten zusammengelegt. Damit will Airbus digitale Lösungen für Fluggesellschaften aus einer Hand anbieten.
Defence & Space stützt das Ergebnis
Neben der Verkehrsflugzeugsparte entwickelte sich das Verteidigungs- und Raumfahrtgeschäft solide. Defence & Space erzielte im Quartal einen Auftragseingang von 5 Mrd. EUR, vor allem im Bereich militärischer Luftfahrzeuge und Dienstleistungen. Der Umsatz der Sparte stieg um 7 % auf 2,8 Mrd. EUR, getragen von höheren Volumina im Air-Power-Geschäft. Dazu gehörten zwei A400M-Auslieferungen, darunter eine Exportmaschine für Indonesien.
Das bereinigte operative Ergebnis der Sparte stieg auf 130 Mio. EUR nach 77 Mio. EUR im Vorjahr. Toepfer betonte, der Ergebnisanstieg sei organisch und nicht wesentlich durch die Beteiligung an MBDA getrieben. Airbus arbeitet zudem an Drohnen- und Anti-Drohnen-Systemen sowie an europäischen Kampf- und Cyberfähigkeiten.
Auch die Hubschraubersparte blieb stabil. Airbus Helicopters lieferte 56 Maschinen aus, fünf mehr als im Vorjahresquartal. Der Umsatz lag unverändert bei 1,6 Mrd. EUR, das bereinigte operative Ergebnis erreichte 65 Mio. EUR. Höhere Forschungs- und Entwicklungsausgaben dämpften das Ergebnis.
Prognose steht, Risiken bleiben
Trotz des schwachen Starts bestätigte Airbus die Jahresziele. Der Konzern peilt für 2026 rund 870 Verkehrsflugzeugauslieferungen an. Das bereinigte operative Ergebnis soll etwa 7,5 Mrd. EUR erreichen, der freie Cashflow vor Kundenfinanzierungen rund 4,5 Mrd. EUR.
Diese Ziele stehen allerdings unter Vorbehalt. Airbus geht davon aus, dass es keine zusätzlichen Störungen im Welthandel, in der Lieferkette, im Luftverkehr oder in den eigenen Abläufen gibt. Faury verwies ausdrücklich auf die Lage im Nahen Osten. Direkte Auswirkungen auf Auslieferungen gebe es bislang nicht, Airbus beobachte aber mögliche Folgen für Luftverkehr, Ölpreise und Weltwirtschaft.
Auch abseits der Triebwerke bleibt die Lieferkette angespannt. Faury nannte Innenausstattung, Sitze und Aerostrukturen als Bereiche, die Airbus weiter beobachtet. Allerdings sei die Intensität der Probleme geringer als in früheren Phasen. Beim früheren Spirit-AeroSystems-Geschäft, dessen Arbeitspakete Airbus integriert, sieht der Konzern bislang keine negativen Überraschungen. Toepfer bestätigte die bisherige finanzielle Einschätzung: niedrige dreistellige Mio.-Belastung beim operativen Ergebnis und bis zu hohe dreistellige Mio.-Belastung beim freien Cashflow.
Fazit: Airbus bleibt ein Konzern mit glänzender Nachfrage. Der Auftragsbestand ist gewaltig, die Marktposition stark, das Verteidigungsgeschäft gewinnt an Bedeutung. Doch die Zahlen des ersten Quartals zeigen, wie abhängig der Konzern von wenigen kritischen Zulieferern ist. Die Prognose überzeugt nur, wenn Airbus den Rückstand bei den Auslieferungen in den kommenden Quartalen tatsächlich aufholt. Nach der jüngsten Kurskorrektur ist die Airbus-Aktie in meinen Augen wieder ein spannendes Investment. Das Unternehmen ist auf Jahre gut ausgelastet und verfügt damit über (eigentlich) gut planbare Cashflows und Ergebnisse.
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| Jahr | 2025 | 2026e* | 2027e* |
| Umsatz in Mrd. EUR | 73,42 | 80,46 | 89,61 |
| Ergebnis je Aktie in EUR | 6,89 | 7,17 | 8,54 |
| KGV | 25 | 24 | 20 |
| Dividende je Aktie in EUR | 3,20 | 3,36 | 3,94 |
| Dividendenrendite | 1,89% | 1,99% | 2,33% |
|
*e = erwartet, Berechnungen basieren bei |

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