Kommentar
09:35 Uhr, 09.03.2026

Wochenausblick: Ölpreisschock zieht Märkte nach unten

Der rasante Anstieg der Öl- und Gaspreise lässt Aktien weiter einknicken. Denn Auswirkungen auf Inflation und Konjunktur werden immer wahrscheinlicher. Alles hänge nun von der Dauer des Iran-Krieges ab.

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9. März 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Nach einem schnellen Ende des Iran-Kriegs sieht es nicht aus, Öl- und Gaspreis steigen weiter und belasten die Aktienmärkte. „Der Krieg in Nahost dürfte auch diese Woche das beherrschende Thema sein“, erklärt Commerzbank-Analyst Alexander Krämer. Entscheidend sei die Frage, wie lange die Straße von Hormus de facto unpassierbar bleibe und wie sich die höheren Energiepreise auf Inflation und Konjunktur auswirkten. „Es wird wohl volatil bleiben“, meint er.

„Die letzte Woche war bereits geprägt vom Nahost-Krieg und infolgedessen von den hohen Energiepreisen und der damit einhergehenden Risikoaversion“, stellt Ralf Umlauf von der Helaba fest. Heute Morgen sei das Thema aufgrund des Ölpreisanstiegs nochmals stärker präsent. Wohl und Wehe der Aktiennotierungen hänge an der Frage, wann und in welchem Umfang Öl- und Gasexporte aus dem Persischen Golf wieder möglich seien. „Je länger die Hochpreisphase dauert, desto größer werden die ‚Schäden‘ an den globalen konjunkturellen Perspektiven.“

Brent-Preis über 100 US-Dollar

Der Preis für ein Barrel Brent ist zuletzt über 100 US-Dollar gestiegen, das ist der höchste Stand seit der Energiekrise 2022. Asiens Börsen sind heute morgen eingebrochen. Der DAX (DE0008469008) steht am Montagmorgen bei 23.013 Punkten nach 23.642 am Freitag zu Handelsschluss. Der Stoxx Europe 600 (EU0009658202) ist unter 600 Punkte gerutscht. Auch die US-Märkte hatten am Freitag mit deutlichen Verlusten geschlossen. Für Gold (<XC0009655157>) geht es weiter seitwärts, der Preis liegt aktuell bei 5.096 US-Dollar.

„Erholung in Deutschland gefährdet“

„Die verhalten optimistischen Aussichten für die deutsche Industrie sind wieder unsicherer geworden“, bemerkt Carsten Brzeski von der ING. Der Krieg im Nahen Osten und vor allem der Anstieg der Ölpreise könnten eine Erholung der Industrie deutlich beeinträchtigen. „Auch wenn wir (noch) nicht im Jahr 2022 sind, ist der Anstieg der Energiepreise – sofern er anhält – ein klares Hindernis für die deutsche Industrie.“ Immerhin machten die energieintensiven Industrien etwa 17 Prozent der industriellen Bruttowertschöpfung aus und beschäftigen knapp eine Million Menschen.

Und jetzt der Black Monday?

Christian Henke von IG befürchtet sogar einen „Black Monday“. „Eine Woche nach dem ersten Luftangriff auf den Iran spitzt sich die Lage an den internationalen Ölmärkten dramatisch zu“, erklärt er. Die Sperrung der Straße von Hormus mache sich zunehmend bemerkbar, einige Golfstaaten hätten ihre Ölförderung zurückgefahren. „Das Ölpreishoch aus dem Jahr 2022 bei 126,34 US-Dollar für WTI-Öl rückt näher.“ Auch an den Aktienmärkten könne es heute ungemütlich werden. „Beim deutschen Leitindex könnte die Unterseite der Handelsspanne bei 23.021 Punkten von Bären auf das Korn genommen werden.“ Die nächste Unterstützung sei das das ehemalige Aufwärts-Gap bei 22.607/22.764 Punkten von Anfang Mai 2025.

„Kurzfristig Schwankungen, langfristig konstruktiv“

Der Weber Bank zufolge bleiben die Rahmenbedingungen für Aktien allerdings fundamental solide. „In den USA verlief die Berichtssaison für das vierte Quartal 2025 sehr positiv. Auch in Europa fielen die Unternehmensgewinne insgesamt solide aus, wenn auch mit geringerer Dynamik“, erklärt Marthel Edouard. Für das laufende Jahr rechne der Konsens global mit weiter steigenden Unternehmensgewinnen. Allerdings seien die Erwartungen der Anleger inzwischen sehr hoch. „Kurzfristig dürfte die Kombination aus geopolitischer Unsicherheit, Zinserwartungen und teilweise ambitionierten Bewertungen für weitere Schwankungen sorgen“, meint Edouard. Zu einer nachhaltigen Beeinträchtigung der Weltwirtschaft und der Aktienmärkte infolge des Nahost-Konflikts werde es aber nicht kommen. Mittelfristig bleibt die Bank für die Aktienmärkte konstruktiv. „Entscheidend bleiben eine breite Diversifikation sowie ein Fokus auf qualitativ hochwertige Unternehmen mit soliden Bilanzen und stabilen Geschäftsmodellen.“

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten

Montag, 9. März

Deutschland: IPO Gabler. Der U-Boot-Ausrüster Gabler Group (DE000A421RZ9) geht an die Börse.

8.00 Uhr. Deutschland: Industrieproduktion Januar.

Dienstag, 10. März

8.00 Uhr. Deutschland: Exporte Januar. Die Helaba prognostiziert einen Rückgang um 1,5 Prozent nach einem Plus von 4 Prozent im Vormonat.

Mittwoch, 11. März

13.30 Uhr. USA: Verbraucherpreise Februar. In den USA sind die Güterpreise in den Monaten Dezember und Januar relativ kräftig gegenüber dem Vormonat angestiegen, wie die DekaBank feststellt. Dabei hätten wohl Zolleffekte eine Hauptrolle gespielt. Die Bank geht davon aus, dass die Zolleffekte nun in den Hintergrund treten. Sie erwartet für die Verbraucherpreise im Februar unauffällige Preisanstiege.

Freitag, 13. März

11.00 Uhr. Eurozone: Industrieproduktion Januar. Am Markt wird mit einem Plus von 0,5 Prozent gegenüber dem Dezember gerechnet, nach einem Minus von 1,4 Prozent im Vormonat.

13.30 Uhr. USA: Preisindex Konsumausgaben ohne Nahrungsmittel und Energie Januar. Die für Januar noch nicht veröffentlichte PCE-Kernrate dürfte der Commerzbank zufolge mindestens bei 3,1 Prozent liegen – deutlich über der Verbraucherpreisentwicklung.

Von Anna-Maria Borse, 9. März 2026, © Deutsche Börse AG

Über die Autorin

Anna-Maria Borse ist Finanz- und Wirtschaftsredakteurin mit den Schwerpunkten Finanzmarkt/Börse und volkswirtschaftliche Themen.

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