Analyse
17:40 Uhr, 23.02.2026

Virales KI-Amageddon-Gedanken-Experiment schickt Aktien auf Talfahrt

Ein viraler Substack-Post in Form eines Gedankenexperiments von Citrini bringt die Märkte ordentlich in Bewegung. An Trump denkt aktuell keiner mehr. KI hebt erst Margen, dann frisst der Jobabbau die Nachfrage. Am Ende kippen Softwarepreise, Kreditmodelle und Konsum. Plausibel erzählt. Offen bleibt: Cui bono?

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  • Nasdaq-100
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Dieser virale Substack-Artikel (Citrini mit über 105.000 zahlenden Abonnenten) hat für eine Börsenbeben gesorgt. Was man dem Autoren-Team eingestehen muss: Sie haben ein extrem überzeugend klingendes Stück Text geschaffen. Ob der als Gedankenexperiment abgetane Substack-Artikel zur Realität wird, ist die Frage. Was er schafft? Das derzeitige Narrativ füttern und Öl ins Feuer gießen. Ob da finanzielle Eigeninteressen wie Aufmerksamkeit auf den Substack oder ähnliches eine Rolle spielen? Gut möglich! Einige Milliarden an Marketcap hat er definitiv versenkt. Offengelegt, ob sie long oder short in den genannten Titeln sind, haben sie nicht.

Auf den ersten Blick ist der Beitrag von Citrini vergleichbar mit den damaligen Schwarzmaler-Deepseek-Analysen. Das Gedankenexperiment skizziert eine Krisenmechanik, in der steigende KI-Fähigkeiten zunächst Unternehmensgewinne stützen, dann aber über Arbeitsmarkt, Konsum und Kredit in selbstverstärkende Abwärtsschleifen kippen. Die Kernaussage: Selbst wenn KI die Produktivität hebt, kann der Verteilungskanal so stark zugunsten von Kapital und zulasten von Arbeit verschoben werden, dass die Nachfragebasis der Wirtschaft und damit zentrale Kreditannahmen erodieren.

Von "Margin-Story" zu Nachfrageproblem: die reale Rückkopplung

Das Szenario beginnt mit einer marktfreundlichen Phase. Erste Entlassungswellen durch "menschliche Obsoleszenz" setzen laut Text Anfang 2026 ein. Kurzfristig wirkt das wie klassische Effizienz. Personalkosten sinken, Margen steigen, Gewinne übertreffen Erwartungen, Aktienkurse ziehen an. Unternehmen lenken einen wachsenden Teil der Mittel in KI-Rechenleistung und Automatisierung.

Die Mechanik dreht, sobald Einkommensverluste den Konsum bremsen. KI-Fortschritt reduziert Beschäftigung, schwächt Ausgaben, setzt Margen unter Druck, was wiederum Investitionen in KI beschleunigt, die weitere Jobs ersetzt. Dieser Prozess hat keinen natürlichen Stabilisator, weil er nicht durch restriktive Finanzbedingungen getrieben ist, sondern durch sinkende Knappheit menschlicher Arbeit. Geldpolitik könne Finanzspannungen lindern, aber nicht die Einkommensbasis reparieren.


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Software als erster Riss. Preisdruck, "Build statt Buy"

Die Frühphase der Marktanpassung läuft über Software und SaaS. Mit agentischen Coding-Tools ab Ende 2025 könnten Entwickler Kernfunktionen eines mittelgroßen SaaS-Produkts in Wochen nachbauen. Das verschiebt Verhandlungsmacht.

Besonders stark betroffen ist der "Long Tail" (genannt werden u. a. Monday.com, Zapier, Asana). Entscheidend ist jedoch, dass nicht nur Randlösungen, auch zentrale "Systems of Record" geraten unter Druck geraten sollen. Als Signalpunkt nennt das Paper ServiceNows Q3 2026: Netto-Neu-ACV-Wachstum verlangsamt sich auf 14 % nach 23 %, begleitet von 15 % Personalabbau.

Private Credit als Verstärker

Der Hebel wirkt über die Struktur des Kreditbooms. Private Credit wuchs von unter 1 Billion USD (2015) auf über 2,5 Billionen USD bis 2026. Ein relevanter Anteil ist in Software- und Tech-Deals geflossen.

Wenn SaaS-Erlösmodelle unter Druck geraten, wird daraus kein reines Aktienproblem, sondern ein Kreditproblem. Moody’s wird in dem fiktiven Fiebertraum im April 2027 18 Milliarden USD PE-finanzierter Software-Schulden bei 14 Emittenten herabstufen und dies mit "säkularen Gegenwinden" durch KI-getriebene Konkurrenz begründen.

Die Kreditlogik basierte explizit darauf, dass jährlich wiederkehrende Umsätze tatsächlich wiederkehrend bleiben. Im Szenario bricht genau diese Annahme, weil KI-Agenten Kundenservice autonom lösen und das Ticketing-Modell verdrängen. Aus "Recurring Revenue" wird "Umsatz, der nur noch nicht weg ist". Dies wird demnach zu einem Rekordfall für Private-Credit-Software-Defaults.

Vom Arbeitsmarkt in die Hypotheken

Die Übertragung in die Breite erfolgt über Haushalte und Immobilien. Der Substack-Report beziffert den US-Hypothekenmarkt auf 13 Billionen Dollar und argumentiert, dass die Einkommensannahmen dahinter strukturell beschädigt werden könnten. Citrini skizziert als Orientierung einen möglichen Aktiendrawdown in Größenordnung der Finanzkrise 2008/09. In dieser Logik läge der S&P 500 bei etwa 3.500 Punkten.

Die Stressanzeichen tauchen regional zuerst dort auf, wo Tech- und Finanzbeschäftigung dominiert wie San Francisco, Seattle, Manhattan, Austin. Im Juni 2028, so das Gedankenexperiment, zeigt der Zillow Home Value Index Rückgänge der Immobilienpreise von 11 % (San Francisco), 9 % (Seattle) und 8 % (Austin) gegenüber Vorjahr.

Intermediation unter Druck

Neben Arbeit und Software geraten Geschäftsmodelle ins Visier, die Intermediation monetarisieren. Consumer Agents übernehmen Preisvergleiche und Verhandlungen, drücken Abo-Laufzeiten, senken Kundenlebenszeitwerte. Im Zahlungsverkehr (Mastercard, Visa, American Express): Wenn Agenten Transaktionen steuern, suchen sie nach günstigeren Schienen als Karten, weil 2 bis 3 % Interchange ein offensichtliches Ziel sind. Als Alternative nennt der Text Stablecoins über Solana oder Ethereum-L2, mit nahezu sofortiger Abwicklung und Gebühren im Bruchteil eines Cents.

Bei Mastercard wächst der Nettoumsatz im fiktiven Szenario in Q1 2027 um 6 %, das Einkaufsvolumenwachstum verlangsamt sich jedoch auf 3,4 % nach 5,9 % im Vorquartal. Das Management verweist auf agentengetriebene Preisoptimierung und Druck in diskretionären Kategorien.

Fiskalische Nebenwirkung. Produktivität steigt, Steuereinnahmen fallen

Als oft unterschätzten Punkt nennt Citrini den Staatshaushalt. Die US-Einnahmebasis agiert als "Steuer auf menschliche Zeit". Arbeitseinkommen und Lohn bilden die Wirbelsäule der Einnahmen. Im Szenario liegen die Bundessteuereinnahmen bis Q1 um 12 % unter den Projektionen, weil weniger Menschen zu früheren Vergütungsniveaus arbeiten und Einkommen strukturell sinken. Gleichzeitig fließen Produktivitätsgewinne an Kapital und Rechenleistung statt an Arbeit.

Politisch leitet der Text daraus Transfer- und Abgabenmodelle ab, etwa einen "Transition Economy Act" für direkte Transfers an Verdrängte, finanziert über Defizite und eine vorgeschlagene Steuer auf KI-Inferenz-Rechenleistung. Ein weitergehender Vorschlag, "Shared AI Prosperity Act", würde eine öffentliche Beteiligung an Erträgen der "Intelligenzinfrastruktur" etablieren, ähnlich einer Mischung aus Staatsfonds und Lizenzabgabe.

Fazit

Der Artikel hat es geschafft, Panik zu kreieren. Selbst Bloomberg zitiert den Substack. Was für eine Zeit, in der wir leben, dass "Normalos" Märkte bewegen können. Das Paper liefert keine Prognose, sondern ein Stress-Szenario mit Kausalkette.

KI erhöht Produktivität und Unternehmensgewinne kurzfristig, schwächt aber über Arbeitsmarkteffekte die Konsumnachfrage. Daraus folgen Druck auf SaaS-Preissetzung, Bewertungsbrüche in Private Equity, Ausfälle im Private Credit und schließlich ein Test der Hypotheken- und Fiskalarchitektur.

Was bleibt? Ein Gedankenexperiment, das viele Aktien implodieren lässt und Trump die Show stiehlt. Über ihn spricht aktuell kaum jemand.

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9 Kommentare

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  • masi123
    masi123

    Ich halte die Gedanken von Citrini für absolut nachvollziehbar.

    Mein Kommentar vom 17.02. zum Thema bei Daniel Kühn:

    Bei KI halte ich schon den Namen für Marketing, der einen Hype ausgelöst hat. Sicher wird KI in vielen Bereichen die Produktivität erhöhen und Arbeitsplätze ersetzen, aber genau das bringt Probleme für andere Unternehmen (z. B. Konsum), den Staat (z. B. Steuerausfälle -> Staatsverschuldung -> Inflation) und natürlich die freigesetzten Arbeitskräfte. Wird sich zeigen, welche Auswirkungen langfristig überwiegen.

    Antworten

    18:26 Uhr, 23.02.
  • 928-AMG
    928-AMG

    Der angerichtete charttechnische Schaden erinnert zunehmend an eine Fernsehserie aus den 2010er Jahren : Aufgebaut in Jahren - zerstört in Sekunden (oder so ähnlich)

    17:53 Uhr, 23.02.
    1 Antwort anzeigen
  • edo ergo ego sum
    edo ergo ego sum

    cui malo

    17:47 Uhr, 23.02.
    1 Antwort anzeigen
  • AnJay
    AnJay

    Ist nichts was man sich schon früher ausdenken könnte. Ohne KI-Tariffs wird es nicht gehen und Trump kann alleine Trade und Modelle durch Tariffs kaputtmachen.

    17:46 Uhr, 23.02.
  • medusa
    medusa

    Der Untergang der Menschheit. Hunderte Male prophezeit und wir sind immer noch hier. Der Clou wäre noch, wenn der Artikel KI-geniert gewesen wäre...

    17:42 Uhr, 23.02.
    2 Antworten anzeigen