Analyse
21:56 Uhr, 15.05.2026

Verrückt: US-Benzinpreis teurer als in Asien und Europa

US-Benzinpreise explodieren: Trotz Energieautarkie zahlen die USA derzeit 15% mehr als die EU. Leere Lager (-5% unterm Median) und Raffinerie-Engpässe treiben den Preis auf 160 $ pro Barrel. Die "Driving Season" startet mit einem Preisschock für US-Fahrer ..

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US-Benzinpreise erleben derzeit eine Entkoppelung vom restlichen Weltmarkt. Obwohl die USA nominell als Selbstversorger bei Öl und Gas gelten, obwohl vor allem Asien und Europa von der Blockade der Straße von Hormuz betroffen sind, zahlen amerikanische Autofahrer derzeit im Großhandel rund 15% mehr als Verbraucher in Europa oder Asien. Völlig verrückt. Dieser Preisaufschlag von etwa 21 $ pro Barrel ist ein deutliches Warnsignal für eine massive lokale Knappheit, die durch drei zentrale Faktoren befeuert wird.

Zunächst befinden sich die US-Lagerbestände in einem freien Fall. Aktuell liegen sie mit 216 Millionen Barrel gut 5% unter dem langjährigen Durchschnitt. Da im Mai die "Driving Season" , die Hauptreisezeit der Amerikaner, beginnt, trifft eine steigende Nachfrage auf gefährlich leere Depots. Dieser Mangel ist so eklatant, dass die Vorräte sogar das untere Ende des normalen Schwankungsbereichs der letzten 10 Jahre durchbrochen haben. Der Markt reagiert darauf mit Nervosität und treibt die Preise in die Höhe, um das knappe Gut zu rationieren.

Dass die USA trotz eigener Förderung teurer sind als das Ausland, liegt am Paradoxon der Energie-Unabhängigkeit. Rohöl ist ein globales Gut, US-Produzenten verkaufen ihr Öl zum Weltmarktpreis, statt es subventioniert im Inland zu lassen. Hinzu kommt das Nadelöhr der Raffinerien: Man kann kein Rohöl direkt in den Tank füllen. Den USA fehlen schlichtweg Kapazitäten, um das eigene Öl schnell genug in Benzin zu verwandeln. Veraltete Anlagen, Umstellungen auf teurere Sommermischungen und hohe Exportquoten führen dazu, dass das Angebot im Inland trotz sprudelnder Quellen künstlich verknappt wird.

Schließlich verhindern logistische Hürden einen Ausgleich. Gesetze wie der "Jones Act" machen den Schiffstransport innerhalb der USA so teuer, dass es oft wirtschaftlicher ist, Benzin nach Übersee zu exportieren, statt es an die eigene West- oder Ostküste zu liefern. Während die Preise in Asien und der EU im Frühjahr 2026 stabil blieben oder sogar sanken, schossen sie in den USA auf rund 160 $ pro Barrel hoch. Für den amerikanischen Verbraucher bedeutet das eine schmerzhafte Realität: Physische Verfügbarkeit von Öl im eigenen Land schützt nicht vor den harten Gesetzen von globalem Angebot und lokaler Nachfrage.

NYMEX RBOB Gasoline Future, also der standardisiertenGroßhandelspreis für Benzin an der New Yorker Börse (NYMEX) anbei. 3,71 $ pro Gallone. Das sind umgerechnet ca. 156 $ pro Barrel.

Meine Stimme aus dem Off: Trump sitzt auf heißen Kohlen. Im November sind die Midterms. Die Midterm-Wahlen finden in den USA alle 4 Jahre genau in der Mitte einer präsidialen Amtszeit statt und dienen als wichtiges politisches Stimmungsbarometer für die amtierende Regierung. Am 3. November 2026 werden dabei alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus sowie etwa ein Drittel der Sitze im Senat (diesmal 33 plus 2 Sonderwahlen) neu vergeben. Das Ergebnis entscheidet darüber, welche Partei die Mehrheit im Kongress hält und wie effektiv der Präsident in den verbleibenden 2 Jahren regieren kann. Hohe Benzin- und Nahrungsmittelpreise kosten Wählerstimmen. Trump braucht möglichst schnell eine Entlastung.

NYMEX Gasoline3
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9 Kommentare

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  • steffihallo
    steffihallo

    hee

    wenn die jungs im ausland mehr geld bekommen fürs öl-werden sie es auch tun ist doch ein freier markt.

    und wenn es der zufall auch will könnte es auch mal kein sprit mehr an der säule geben.

    ist halt die zeit wo die ölfutzies mal richtig kohle scheffeln

    mfg

    12:09 Uhr, 16.05.
    1 Antwort anzeigen
  • angola_murksel
    angola_murksel

    @H. Weygand: Sie hatten schon Anfang April den Gedanken des Shortens des Gasoline-Futures ins Spiel gebracht. Jetzt überlagert sich die Iran-Krise mit der Sommer-Reise-Nachfrage in den USA, die turnusgemäß im August an den Benzinmärkten in den USA ausläuft. Würde demnach der Kauf eines Short-Zertifikates im Juli nach dem Rollen des Juli- in den Augustkontrakt Sinn machen ( in der Hoffnung, daß der Emittent zeitnah Zertifikaten mit entsprechenden Basispreisen auf den Markt wirft ) ? Immer vorausgesetzt, die globale Nachrichtenlage ändert sich nicht gravierend.

    00:56 Uhr, 16.05.
  • Buxtinho
    Buxtinho

    Statt sich mit der komplizierten Weltpolitik zu beschäftigen, wird Donald Trump die Wahlen manipulieren. Schon die letzte Wahl endete mit dem Kapitolsturm... und da war er in einer viel schwächeren Ausgangslage.

    Mir ist nicht ganz klar, warum immer noch alle erwarten, dass die Midterms fair ablaufen.

    @Harald Weygand: Die Wette gilt noch immer...

    22:27 Uhr, 15.05.
  • Schneckenklette
    Schneckenklette

    Wieso fokussieren sich alle auf die Midterm Wahlen? Trump regiert doch mit Dehreten seit Amtsantritt an Kongress und Senat vorbei. Die haben doch eh nichts zu melden. Sollten die Republikaner die Wahlen verlieren ist das doch Trump egal. Fake News, Wahlfälschung etc. ........

    22:14 Uhr, 15.05.
    1 Antwort anzeigen
  • crisis_what_crisis
    crisis_what_crisis

    Na sowas ... Mr. Know All Trump kann doch alles innerhalb von wenigen Stunden und Tagen korrigieren .... Es ist einfach unfassbar, dass er überhaupt noch irgendwelche Follower oder Wähler hat.
    Bisher hat er alle Wahlversprechen nahzeu um 180 Grad ins Gegenteil gedreht ... hoffentlich "danken" ihm das seine Wähler und Anhänger auch bei den Midterms gebühren.

    22:06 Uhr, 15.05.
  • Jeffrey Lebowski
    Jeffrey Lebowski

    Karma is a bitch 😎

    22:06 Uhr, 15.05.
  • Riccardo90
    Riccardo90

    Sollten in den USA in den Midterms nicht die Demokraten haushoch gewinnen... naja dann kann man auch nicht mehr weiterhelfen.

    21:59 Uhr, 15.05.