Kommentar
10:17 Uhr, 16.01.2015

USA in ausländischer Hand?

Warren Buffett kritisiert es seit Jahren. Jetzt gewinnt die Debatte wieder etwas an Fahrt, nachdem sie jahrelang ein Schattendasein geführt hat. Es geht um die Vermögenswerte der Amerikaner. Diese besitzen sie immer weniger selbst.

Die Rechnung ist relativ einfach. Warren Buffett wiederholt sie gerne in regelmäßigen Abständen. Ausländische Investoren halten einen ziemlichen hohen Anteil an US Assets. Davon wiederum ist ein nicht allzu kleiner Teil in Form von Schulden (Anleihen) und Aktien. Diese Zahlen Zinsen oder Dividenden. Die USA zahlen damit an die Welt einen erheblichen Teil ihrer Gewinne wieder aus.

Am vergangenen Wochenende wurde das in den Medien seit langem einmal wieder breit diskutiert. Der Grund: noch nie hielten ausländische Investoren so viele US Aktien wie im Moment. Die Gesamtmarktkapitalisierung liegt in den USA bei knapp 25 Billionen USD. Je nach Rechnung werden davon 16 bis 20% von ausländischen Investoren gehalten. Der Einfachheit halber kann man annehmen, dass der Absolutbetrag bei 4,5 Billionen liegt. Zieht man die aktuelle Dividendenrendite des Marktes heran, dann zahlen US Unternehmen im Jahr an die 100 Mrd. USD an ausländische Investoren aus. Dieses Geld wird häufig wieder in den USA investiert. Investoren kaufen quasi mit US Gewinnen immer mehr US Assets.

Bei den Schulden sieht es nicht anders aus. Auch hier gehen an die 100 Mrd. USD jedes Jahr ans Ausland. Buffett kritisiert dabei nicht so sehr, dass in die USA investiert wird. Er investiert ja auch im Ausland. Er sieht die Hintergründe dazu allerdings sehr kritisch. Die USA konsumieren mehr als sie selbst produzieren (können). Dadurch wird mehr importiert. Es entsteht ein Leistungsbilanzdefizit. Das Defizit muss finanziert werden. Dies geschieht über die Investitionen in die USA. Wäre der Handel der USA mit der Welt etwas ausgeglichener, dann könnten Amerikaner sehr viel mehr Vermögen anhäufen, indem sie die Gewinne der Unternehmen behalten, anstatt sie ins Ausland zu überweisen.

Ganz besonders interessant ist der Anteil der Auslandsinvestoren auf dem Aktienmarkt. Hier wurde 2014 der höchste Stand seit Datenaufzeichnung gemessen. Einschränkend muss man sagen, dass bereits 2013 ein Rekordhoch verzeichnet wurde. Ein Auslandsanteil von unter 20% ist allerdings noch nicht beunruhigend. Grafik 1 zeigt den Anteil an ausl. Investoren in US Aktien. Zum Vergleich ist auch der Anteil ausl. Investoren in deutsche Aktien dargestellt. Hier beträgt der Anteil 57%. Davon sind die USA noch Meilenweit entfernt.

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Das wiederum ist durchaus bemerkenswert. Die USA haben ein starkes Leistungsbilanzdefizit, während Deutschland einen hohen Überschuss ausweist. Man kann gut nachvollziehen, weshalb US Vermögen in ausländischer Hand ist. Es ist viel schwieriger nachzuvollziehen, wieso es in Deutschland nicht anders ist – in Anbetracht der enormen Überschüsse. Der Schein trügt natürlich ein wenig, weil Deutsche einfach keine Aktien mögen. Sie kaufen lieber Lebensversicherungen, halten Bausparverträge und halten Bargeld.

Der Debatte um ausländischen Besitz sind interessante Zahlen zu entnehmen. Die US Notenbank veröffentlicht jedes Quartal Zahlen zum ausländischen Besitz. Der Gesamtbesitz ausl. Investoren betrug 29 Billionen USD Ende 2013. Das ist ein enormer Betrag und entspricht in etwa der Hälfte der gesamten US Assets. Einige gehen daher davon aus, dass sich 50% der US Assets in ausländischer Hand befinden. Das ist nicht ganz falsch, allerdings besitzen Amerikaner auch Assets im Ausland. Diese summieren sich auf knapp 24 Billionen auf. Die Nettoposition beträgt also -5 Billionen.

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Seit der Finanzkrise hat sich der Trend beschleunigt. Von einer Nettovermögensposition sind die USA weiter entfernt denn je. Das letzte Mal, dass die Position positiv war, liegt 25 Jahre zurück. In Deutschland ist es genau umgekehrt. Hier steigt die Nettovermögenssituation kontinuierlich an. Die Bundesbank hat diesbezüglich Daten seit 1999 zusammengestellt. Die aktuellsten Daten sind vom dritten Quartal 2014. Demnach halten Deutsche im Ausland 2 Billionen Euro mehr an Vermögen als sie Verpflichtungen gegenüber dem Ausland haben. Gemessen an der Größe Deutschlands ist das sehr viel. Die USA sind in etwa vier Mal so groß wie Deutschland. Würde man die Nettoposition so nach oben skalieren, dann hätte Deutschland eine Nettoposition von 8 Billionen EUR. Das ist deutlich mehr als die USA netto im Negativen liegen.

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Sowohl die US als auch die deutsche Nettoposition sind nicht nachhaltig. Beides hat ein hohes Risiko. Würden Investoren ihr Geld aus den USA abziehen, dann bricht der gesamte Markt (Anleihen und Aktien) zusammen. Für Deutschland besteht das Risiko vor allem darin, dass das Auslandsvermögen weniger wert wird und so hohe Vermögensverluste entstehen.
Man kann weder die USA noch Deutschland dazu zwingen ihre Positionen mit Gewalt zu verändern. Gesund ist beides nicht. Es macht beide Länder gleichermaßen anfällig für externe Schocks.

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Über den Experten

Clemens Schmale
Clemens Schmale
Finanzmarktanalyst

Clemens Schmale hat seinen persönlichen Handelsstil seit den 1990er Jahren an der Börse entwickelt.

Dieser gründet auf zwei Säulen: ein anderer Analyseansatz und andere Basiswerte. Mit anders ist vor allem die Kombination aus Global Makro, fundamentaler Analyse und Chartanalyse sowie Zukunftstrends gemeint. Während Fundamentaldaten und Makrotrends bestimmen, was konkret gehandelt wird, verlässt sich Schmale beim Timing auf die Chartanalyse. Er handelt alle Anlageklassen, wobei er sich größtenteils auf Werte konzentriert, die nicht „Mainstream“ sind. Diese Märkte sind weniger effizient als andere und ermöglichen so hohes Renditepotenzial. Sie sind damit allerdings auch spekulativer als hochliquide Märkte. Die Haltedauer einzelner Positionen variiert nach Anlageklasse, beträgt jedoch meist mehrere Tage, oft auch Wochen oder Monate.

Rohstoffe, Währungen und Volatilität handelt er aktiv, in Aktien und Anleihen investiert er eher langfristig. Die Basiswerte werden direkt – auch über Futures – oder über CFDs gehandelt, in Ausnahmefällen über Optionen und Zertifikate.

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