Kommentar

US-Notenbank erhöht Leitzins um 0,75 Prozentpunkte

Der heutige Zinsschritt sei ungewöhnlich groß ausgefallen und er erwarte nicht, dass solche Zinsschritte künftig üblich sein würden, sagte Fed-Chef Jerome Powell auf der Pressekonferenz. Beim nächsten Zinsentscheid sei eine Erhöhung um 0,5 Prozentpunkte oder 0,75 Prozentpunkte am wahrscheinlichsten.

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  • EUR/USD - WKN: 965275 - ISIN: EU0009652759 - Kurs: 1,03927 $ (FOREX)

Hinweis: Updates von der Pressekonferenz finden Sie gegen Ende des Artikels.

Die US-Notenbank Federal Reserve beschleunigt angesichts der hohen Inflation ihren Kurs der geldpolitischen Straffung. Im Rahmen des Zinsentscheids kündigte die Fed am Mittwochabend an, den Leitzins um 0,75 Prozentpunkte anzuheben. Der Zins, zudem sich Banken kurzfristig refinanzieren können, liegt damit künftig in einer Spanne von 1,50 bis 1,75 Prozent. Seit 28 Jahren hatte es keinen einzelnen Zinsschritt um 0,75 Prozentpunkte mehr gegeben.

Die Entscheidung fiel mit einer Gegenstimme. Kansas-City-Fed-Chefin Esther George stimmte für eine Zinserhöhung um nur 0,5 Prozentpunkte.

Die Fed geht davon aus, dass "fortlaufende Anhebungen" des Leitzinses angemessen sein dürften, heißt es im Statement zum Zinsentscheid. Ihre individuellen Prognosen für die Leitzinsentwicklung hoben die Mitglieder des Offenmarktausschusses deutlich an. Im Median sehen die Mitglieder des Offenmarktausschusses den Leitzins Ende 2022 nun bei 3,4 Prozent (bisher: 1,9 Prozent) und Ende 2023 bei 3,8 Prozent (bisher: 2,8 Prozent). Für Ende 2024 wird ein Leitzins von 3,4 Prozent erwartet und langfristig ein Leitzins von 2,5 Prozent.

Eine Zinserhöhung um 0,75 Prozentpunkte war von den Märkten zuletzt erwartet worden. Eigentlich hatte Fed-Chef Jerome Powell für diesen Zinsentscheid sowie den folgenden im Juli Zinserhöhungen um jeweils 0,50 Prozentpunkte angedeutet. Nachdem in der vergangenen Woche allerdings neue Inflationsdaten gezeigt hatten, dass sich der Inflationsdruck im Mai noch einmal unerwartet erhöht hat, war an den Finanzmärkten zunehmend eine Zinserhöhung um 0,75 Prozentpunkte eingepreist worden.

Die Inflationsrate war von 8,3 Prozent im April auf 8,6 Prozent im Mai gestiegen. Eigentlich strebt die Fed eine Teuerung von zwei Prozent im mittelfristigen Zeitfenster an, wobei sie den sogenannten PCE-Kernpreisindex als Inflationsmaß bevorzugt.

Der Ukraine-Krieg, Russland-Sanktionen und Corona-Lieferkettenprobleme hatten die Inflation zuletzt befeuert. Besonders die Rohöl, andere Rohstoffe und Nahrungsmittel hatten sich zuletzt stark verteuert. Nachdem die US-Notenbank die Inflation lange Zeit für ein vorübergehendes Problem gehalten hatte, muss sie nun umso aggressiver ihre Geldpolitik straffen, um die Kontrolle über die Teuerung nicht zu verlieren.

Ihre Wachstumsprognose für 2022 senkte die Fed deutlich, während sie ihre Inflationsprognose anhob. Die Mitglieder des Fed-Offenmarktausschusses sehen 2022 im Median ein Wachstum von nur noch 1,7 Prozent. Im März ging die Notenbank noch von plus 2,8 Prozent aus. Die PCE-Inflation soll bei 5,2 Prozent liegen (März-Projektion: 4,3 Prozent). Für 2023 wird ein BIP-Wachstum von 1,7 Prozent, für 2024 von 1,9 Prozent und längerfristig von 1,8 Prozent erwartet. Die PCE-Inflationsrate soll 2023 bei 2,6 Prozent, 2024 bei 2,2 Prozent und längerfristig bei 2,0 Prozent liegen.

Der Abbau der Bilanzsumme, der im Juni startete, soll wie angekündigt fortgesetzt werden, so die Fed. Bis August soll die Bilanzsumme um monatlich bis zu 47,5 Milliarden Dollar schrumpfen, ab September soll die Bilanzsumme dann mit einem Tempo von bis zu 95 Milliarden Dollar pro Monat abnehmen, indem Erträge aus fälligen Staatsanleihen im Volumen von bis zu 60 Milliarden Dollar pro Monat sowie aus Hypothekenpapieren im Volumen von bis zu 35 Milliarden Dollar nicht mehr reinvestiert werden.

Updates von der Pressekonferenz: Auf der Pressekonferenz sagte Fed-Präsident Jerome Powell, dass man wisse, welche Schwierigkeiten die hohe Inflation mit sich bringe. Man sei sehr entschlossen, die hohe Inflation zu reduzieren. Die Inflation sei viel zu hoch und man habe die geeigneten Instrumente, um die Inflation zu reduzieren.

Der Ukraine-Krieg habe zu einem dem starken Energiepreisanstieg beigetragen und Lockdowns in China hätten Lieferengpässe verschärft. Der Preisdruck habe sich auf viele Produktgruppen ausgeweitet. Man sei sehr aufmerksam mit Blick auf die Inflationsrisiken.

In den kommenden Monaten werden man nach überzeugenden Anzeichen Ausschau halten, dass die Inflation sinke und sich wieder in Richtung des Ziels von zwei Prozent bewege, so Powell. Man wolle eine Serie von monatlich sinkenden Inflationsraten sehen. Zunächst müsse sich die Inflation stabilisieren und dann sinken.

Der heutige Zinsschritt um 0,75 Prozentpunkte sei ungewöhnlich groß ausgefallen und er erwarte nicht, dass solche Zinsschritte künftig üblich sein würden, sagte Powell. Die künftigen Zinsschritte hingen von den Daten ab. Für den nächsten Zinsentscheid sei aus heutiger Perspektive eine Anhebung um 0,5 Prozentpunkte oder 0,75 Prozentpunkte am wahrscheinlichsten.

Es sei entscheidend, dass die langfristigen Inflationserwartungen bei zwei Prozent verankert blieben. Man hoffe, dass die Nachfrage in der Wirtschaft moderater werde und Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt wieder stärker in Einklang kämen. Die Geldpolitik müsse "restriktiv" werden, um die Inflation einzudämmen.

Man wolle keinen Rezession erzeugen, sondern die Inflation reduzieren und den Arbeitsmarkt stark halten, so Powell.

Marktreaktionen: Die Finanzmärkte präsentierten sich nach der Veröffentlichung des Fed-Zinsentscheids sehr volatil. Nach der Aussage von Fed-Chef Jerome Powell auf der Pressekonferenz, dass der heutige Zinsschritt ungewöhnlich groß ausgefallen sei und er nicht erwarte, dass solche Zinsschritte üblich würden, legten die Aktienmärkte deutlich zu.

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Oliver Baron
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Oliver Baron ist Finanzjournalist und seit 2007 als Experte für stock3 tätig. Er beschäftigt sich intensiv mit Anlagestrategien, der Fundamentalanalyse von Unternehmen und Märkten sowie der langfristigen Geldanlage mit Aktien und ETFs. An der Börse fasziniert Oliver Baron besonders das freie Spiel der Marktkräfte, das dazu führt, dass der Markt niemals vollständig vorhersagbar ist. Der Aktienmarkt ermöglicht es jedem, sich am wirtschaftlichen Erfolg der besten Unternehmen der Welt zu beteiligen und so langfristig Vermögen aufzubauen. In seinen Artikeln geht Oliver Baron u. a. der Frage nach, mit welchen Strategien und Produkten Privatanleger ihren Börsenerfolg langfristig maximieren können.

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