US-Notenbank deutet mögliche Zinserhöhung an
- Lesezeichen für Artikel anlegen
- Artikel Url in die Zwischenablage kopieren
- Artikel per Mail weiterleiten
- Artikel auf X teilen
- Artikel auf WhatsApp teilen
- Ausdrucken oder als PDF speichern
Erwähnte Instrumente
- S&P 500 - WKN: A0AET0 - ISIN: US78378X1072 - Kurs: 7.514,49 Pkt (Cboe)
- Nasdaq-100 - WKN: A0AE1X - ISIN: US6311011026 - Kurs: 30.125,69 Pkt (Nasdaq)
- Gold - WKN: 965515 - ISIN: XC0009655157 - Kurs: 4.295,28 $/oz. (GBE brokers)
- EUR/USD - WKN: 965275 - ISIN: EU0009652759 - Kurs: 1,15454 $ (FOREX)
- Dow Jones - WKN: 969420 - ISIN: US2605661048 - Kurs: 52.175,17 Pkt (NYSE)
Hinweis: Updates von der laufenden Pressekonferenz mit Fed-Chef Kevin Warsh gibt es weiter unten im Artikel.
Die US-Notenbank Fed hat im Rahmen ihres Zinsentscheids am Mittwoch wie erwartet die Zinsen unverändert belassen. Das Zielband für die Fed Funds Rate bleibt bei 3,50 % bis 3,75 % , wie der Offenmarktausschuss (FOMC) der US-Notenbank Fed mitteilte.
Es handelt sich um den ersten Zinsentscheid unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh. Der Beschluss fiel einstimmig mit 12:0 Stimmen. Beim vorherigen Zinsentscheid hatte es ungewöhnlich viele Gegenstimmen gegeben.
In Bezug auf die Bilanzpolitik soll es vorerst offenbar keine Änderungen geben. "Der Ausschuss bekräftigte seine Politik, reichlich Reserven im Bankensystem aufrechtzuerhalten", heißt es im Statement zum Zinsentscheid.
Bemerkenswert ist die deutlich überarbeitete Kommunikation. Das neue Statement fällt kürzer aus und enthält keine Forward Guidance mehr, also keine Angaben zu möglichen künftigen Zinsänderungen. Die bisherige Tendenz zu möglichen Zinssenkungen wurde aus dem deutlich kürzeren Statement gestrichen. Kevin Warsh hatte sich in der Vergangenheit bereits kritisch zur Forward Guidance geäußert.
Dot Plot zeigt restriktivere Tendenz
Die neuen Projektionen deuten auf eine klar vorsichtigere Haltung im Offenmarktausschuss hin. 9 FOMC-Mitglieder erwarten für dieses Jahr mindestens eine Zinserhöhung. 8 Mitglieder rechnen mit unveränderten Zinsen. Nur ein Mitglied sieht 2026 noch eine Zinssenkung um 0,25 Prozentpunkte.
18 von 19 FOMC-Mitgliedern reichten Zinsprojektionen für 2026 ein. Der Median der Fed Funds Rate liegt nun bei 3,8 % für 2026, bei 3,6 % für 2027, bei 3,4 % für 2028 und bei 3,1 % für den längeren Zeitraum.
Damit ist die Botschaft für die Märkte eindeutig restriktiver als zuvor. Zinssenkungen sind nicht mehr das Basisszenario der Fed. Stattdessen rückt die Möglichkeit einer Straffung stärker in den Fokus, falls die Inflation hartnäckig erhöht bleibt.
"Die Wirtschaftstätigkeit expandiert trotz erhöhter Unsicherheit, die teilweise auf den Konflikt im Nahen Osten zurückzuführen ist, in solidem Tempo", heißt es im Statement zum Zinsentscheid. "Das Produktivitätswachstum und die Kapitalinvestitionen sind stark. Die Beschäftigungszuwächse haben mit dem Arbeitskräfteangebot Schritt gehalten, und die Arbeitslosenquote hat sich kaum verändert."
"Die Inflation bleibt im Verhältnis zum 2-%-Ziel des Ausschusses erhöht, was teilweise auf Angebotsschocks zurückzuführen ist, die in bestimmten Sektoren, darunter Energie, Preissteigerungen ausgelöst haben. Der Ausschuss wird Preisstabilität gewährleisten", heißt es weiter. Bemerkenswert ist beim letzten Satz auch, dass das Ziel der Vollbeschäftigung nicht erwähnt wird.
Für das laufende Jahr rechnen die Mitglieder des Offenmarktausschusses laut Dot Plot mit einer deutlich erhöhten Inflation von im Mittel jetzt 3,6 %, nachdem im März nur 2,7 % erwartet wurden. Das Wachstum wird bei 2,2 % erwartet, nach zuvor 2,4 %.
Kevin Warsh sorgt für frischen Wind
In seiner ersten Pressekonferenz als Fed-Chef stellte Kevin Warsh die Rückkehr zur Preisstabilität klar in den Mittelpunkt. Die Inflation liege seit mehr als fünf Jahren über dem 2%-Ziel und belaste die privaten Haushalte. Zugleich betonte Warsh, dass die jüngere Inflationsentwicklung nicht zwangsläufig fortgeschrieben werden müsse. Das FOMC sei einstimmig entschlossen, Preisstabilität zu gewährleisten.
Gleichzeitig verzichtete Warsh bewusst auf Forward Guidance für die nächsten Zinsschritte. Er erklärte, keine konkrete Orientierung für die nächste Entscheidung geben zu wollen. Damit unterstreicht die Fed den Kurswechsel im Statement, das keine Zinssignale mehr enthält.
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte Warshs Ankündigung mehrerer Task Forces. Diese sollen sich unter anderem mit der Fed-Kommunikation, der Bilanzpolitik, Datenquellen, Produktivität und Beschäftigung in einer Phase wirtschaftlicher Transformation sowie dem Inflationsrahmen der Notenbank befassen. Auch die Politik reichlicher Reserven und die Zusammensetzung der Fed-Bilanz sollen überprüft werden.
Am 2%-Inflationsziel rüttelte Warsh allerdings nicht. Solange dieses Ziel nicht erreicht sei, stehe es nicht zur Disposition. Kritischer äußerte er sich dagegen zur bisherigen Kommunikationspraxis. Bis zum Jahresende dürfte eine umfassende Überprüfung der Fed-Kommunikation folgen, die auch den Dot Plot und die regelmäßigen Pressekonferenzen einschließen kann.
Warsh selbst reichte für den aktuellen Dot Plot keine Zinsprognose ein, obwohl er seine Kollegen dazu ermutigt habe. Damit setzt der neue Fed-Chef früh eigene Akzente: weniger konkrete Zinsführung, stärkere Betonung des Inflationsziels und eine mögliche Neuordnung zentraler Elemente der Fed-Kommunikation.
Updates von der Pressekonferenz (sinngemäße Aussagen von Fed-Chef Kevin Warsh)
- Es ist eine Ehre, zurück bei der Fed zu sein und dieses Amt in einer Zeit solcher Wichtigkeit anzutreten.
- Es geht darum, die Geldpolitik richtig hinzubekommen, oder so gut es geht. Wir sind hier, um unser Mandat zu erfüllen, Preisstabilität und Vollbeschäftigung.
- Die Wirtschaftstätigkeit expandiert trotz erhöhter Unsicherheit, die teilweise auf den Konflikt im Nahen Osten zurückzuführen ist, in solidem Tempo. Das Produktivitätswachstum und die Kapitalinvestitionen sind stark. Die Beschäftigungszuwächse haben mit dem Arbeitskräfteangebot Schritt gehalten, und die Arbeitslosenquote hat sich kaum verändert.
- Die Inflation bleibt im Verhältnis zum 2-%-Ziel des Ausschusses deutlich erhöht, was seit mehr als fünf Jahren der Fall ist.
- Erhöhte Preise sind eine Bürde für das amerikanische Volk. Die jüngste Vergangenheit in Bezug auf die Inflation muss sich aber nicht fortsetzen.
- Die FOMC-Mitglieder sind eindeutig und einstimmig. Dieses Komitee wird Preisstabilität gewährleisten.
- Ich habe Kollegen weiterhin ermutigt, Prognosen für den Dot Plot einzureichen, ich habe mich aber gemäß meiner Überzeugungen enthalten und keine Prognose eingereicht.
- Warsh: Ich habe Task Forces ernannt, die sich mit den Themen Fed-Kommunikation, Bilanz, Datenquellen, Produktivität und Jobs in einem Zeitalter der Transformation, und fünftens Inflations-Framework der Fed beschäftigen werden.
- Die Task Forces enthalten sowohl Mitglieder von innerhalb als auch von außerhalb der Fed.
- Task Force wird sich mit der Politik der reichlichen Reserven und der Zusammensetzung der Bilanz zusammensetzen.
- Inflationsziel von 2 % ist das langjährige Ziel der Fed. Solange wir es nicht erreicht haben, steht es nicht zur Disposition.
- Wir haben die Fähigkeit und die Entschlossenheit, das Inflationsziel von 2 % zu erreichen. Das ist genau das, was wir tun werden.
- Ich werde keine Forward Guidance abgeben, was wir als nächstes (in Bezug auf die Zinsen) tun werden.
- Zum Jahresende wird es vermutlich eine Überprüfung der Fed-Kommunikation insgesamt geben. Ich will den Ergebnissen nicht vorgreifen, aber das schließt Dot Plots und Pressekonferenzen mit ein.
- Pressekonferenzen können sehr nützlich sein, aber man sollte auch etwas Wichtiges zu sagen haben. Wir haben heute etwas Wichtiges zu sagen, über unsere Festlegung auf das Ziel der Preisstabilität und unser Ziel, die Fed vorwärts zu bewegen.
- Wir haben heute Veränderungen vorgenommen und es wird weitere geben und es dürfte sinnvoll sein, das auf Pressekonferenzen zu erläutern.
- Meiste Daten, die wir nutzen, wie die monatlichen Arbeitsmarktdaten, basieren auf veralteten Erhebungsmethoden und werden häufig revidiert. Es gibt neue Daten und Methoden, für unseren Zweck, Entscheidungen in Echtzeit zu treffen.
- Warsh (gefragt nach möglichen Diskussonen über Zinssenkungen): Es gab einen alternativen Vorschlag heute, über den wir geredet haben. Die Entscheidung war einstimmig.
- Werde nicht die Entwicklung an den Märkten der letzten 30 oder 60 Minuten kommentieren. Was wir den Märkten geben, ist ein neues Kapitel in der Geschichte der Fed. Wir stehen zum Ziel der Preisstabilität.
- Wir können nicht den Preis von Öl oder von Eiern bestimmen, aber wir können dafür sorgen, dass sich Preissteigerungen nicht auf andere Bereiche ausdehnen.
- Die Geldpolitik ist unabhängig, aber das heißt nicht, dass uns nicht interessiert, was die Regierung fiskalisch macht oder was im Nahen Osten passiert.
- KI ist vielleicht die wichtigste wirtschaftliche Entwicklung in der Zeit meines Daseins als Erwachsener. Es gibt sowohl Chancen als auch Risiken. Es ist ein Ausdruck des amerikanischen Erfindungsgeistes und Amerika wird von der Entwicklung profitieren.
- Ich glaube nicht, dass wir eine harte Wahl haben zwischen Preisstabilität und Vollbeschäftigung. Ich glaube daran, dass wenn wir unseren Job machen, starkes Wachstum, starke Beschäftigung und stabile Preise miteinander kompatibel sind.
- Unser Ziel ist nicht, die Datenbasis der gesamten Regierung umzustellen. Aber wenn wir Ideen haben, wie die Statistik verbessert werden kann, werden wir das vorschlagen. Es gibt neue Tools und Methoden aus dem privaten Sektor, um Daten zu bekommen, die die aktuelle Entwicklung in Echtzeit besser abbilden.
- Unsere Glaubwürdigkeit kommt davon, dass wir tun, was wir sagen. Wenn wir unser Preisstabilitätsziel einhalten, was wir tun werden, werden die Amerikaner sehen, dass die Inflationssorgen der letzten fünf Jahre der Vergangenheit angehören.
- Trends sind wichtiger als einzelne Datenpunkte. Der Arbeitsmarkt hat sich zuletzt in die richtige Richtung entwickelt. Starkes produktivitätsgetriebenes Wachstum ist nichts, was wir fürchten, sondern was wir anstreben.
Um 20:30 Uhr beginnt die Pressekonferenz mit Fed-Chef Kevin Warsh, die mit großer Spannung erwartet wird. Updates von der Pressekonferenz gibt es dann an dieser Stelle.

Passende Produkte
| WKN | Long/Short | KO | Hebel | Laufzeit | Bid | Ask |
|---|

Keine Kommentare
Die Kommentarfunktion auf stock3 ist Nutzerinnen und Nutzern mit einem unserer Abonnements vorbehalten.