Stockers Börsencheck – KI: Technologischer Erfolg garantiert keinen Anlageerfolg
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Künstliche Intelligenz (KI) hat das Potenzial, Wirtschaft und Gesellschaft grundlegend zu verändern. Für Investorinnen und Investoren ist jedoch weniger die Frage entscheidend, ob sich KI durchsetzt, sondern ob die heutigen Investitionen attraktive Renditen für Aktionärinnen und Aktionäre generieren.
Die erste Phase des KI-Booms war von der Begeisterung für die technologischen Möglichkeiten geprägt. Unternehmen investierten Milliarden in Rechenzentren, Chips, Energieversorgung und immer leistungsfähigere Modelle. Die Nutzung von KI wächst rasant, doch für Anlegerinnen und Anleger reicht steigende Nachfrage allein nicht aus. Zunehmend steht die Frage im Vordergrund, ob sich diese Investitionen in nachhaltige Gewinne, steigende freie Cashflows und attraktive Kapitalrenditen übersetzen lassen.
Ein wesentliches Risiko besteht darin, dass die Kosten für Aufbau und Betrieb von KI deutlich höher sind als bei klassischen Softwaremodellen. Viele Anwendungen verursachen bei jeder Nutzung laufende Rechen- und Energiekosten. Gleichzeitig wachsen die Investitionsausgaben großer Technologiekonzerne derzeit schneller als Gewinne oder Cashflows. Ein erheblicher Teil der Investmentthese basiert daher auf der Annahme, dass die Monetarisierung künftig deutlich zunimmt.
Historische Erfahrungen mahnen zur Vorsicht. Technologische Revolutionen wie Eisenbahnen, Elektrizität, Telekommunikation oder das Internet haben die Welt nachhaltig verändert. Dennoch erzielten viele Unternehmen, die die frühen Investitionsbooms anführten, für ihre Aktionärinnen und Aktionäre nur begrenzte Renditen. Überinvestitionen, intensiver Wettbewerb und sinkende Margen führten häufig dazu, dass der gesellschaftliche Nutzen größer war als der Wertzuwachs für Anteilseignerinnen und -eigner.
Ein ähnliches Muster könnte sich bei KI wiederholen. Die Branche investiert derzeit mit außergewöhnlichem Tempo in neue Kapazitäten. Entwickeln sich Nachfrage, Produktivitätsgewinne oder Monetarisierung langsamer als erwartet, könnten Überkapazitäten entstehen. Zugleich könnten technologische Fortschritte den Bedarf an Rechenleistung schneller reduzieren als angenommen und damit bestehende Infrastrukturinvestitionen entwerten.
Hinzu kommt das Risiko einer zunehmenden Kommoditisierung. Leistungsfähige Open-Source-Modelle und neue Wettbewerber, insbesondere aus China, erhöhen den Preisdruck und könnten die Unterschiede zwischen Anbietern verringern. Bei diesem Szenario würde ein größerer Teil der Wertschöpfung an Kund:innen und Nutzer:innen fließen, während es Anbietern schwerfiele, dauerhaft hohe Margen zu sichern.
Auch die erhofften Produktivitätsgewinne sind bislang nicht eindeutig belegt. Zwar verbessert KI in vielen Bereichen Effizienz und Entscheidungsfindung, doch der Übergang von technologischem Fortschritt zu messbaren Gewinnsteigerungen verläuft oft langsamer als vermutet. Frühere Technologiezyklen zeigen, dass es Jahre dauern kann, bis Produktivitätsvorteile auf gesamtwirtschaftlicher Ebene sichtbar werden.
Fazit: KI dürfte zu den prägendsten Technologien des 21. Jahrhunderts gehören. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass Investitionen in KI-Aktien gleichermaßen erfolgreich sein werden. Anlegerinnen und Anleger können mit ihrer Einschätzung richtig liegen, dass KI die Wirtschaft verändert, und dennoch enttäuschende Renditen erzielen. Das größte Risiko besteht nicht darin, dass KI scheitert, sondern dass ihr wirtschaftlicher Erfolg vor allem Kund:innen, Nutzer:innen und der Gesamtwirtschaft zugutekommt, während die Aktionärserträge hinter den hohen Erwartungen zurückbleiben. Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr, ob KI funktioniert, sondern wer auf die heute investierten Billionen letztlich eine angemessene Rendite erwirtschaften wird.
