Siemens-Manager schlagen Alarm: Stromnetze unter Druck
- Lesezeichen für Artikel anlegen
- Artikel Url in die Zwischenablage kopieren
- Artikel per Mail weiterleiten
- Artikel auf X teilen
- Artikel auf WhatsApp teilen
- Ausdrucken oder als PDF speichern
Erwähnte Instrumente
- VerkaufenKaufen
Schnell. Sicher. Direkt.Trading über stock3 war noch nie so einfach.
Mehr erfahren Nein, danke
Angriffe auf Stromanlagen erhöhen den Handlungsdruck
Nach Angriffen auf die Strominfrastruktur in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen warnt Siemens-Energy-Chef Christian Bruch vor einer verschärften Bedrohungslage. Deutschland werde bei seiner Energie-Infrastruktur stärker attackiert als andere europäische Länder. Als großes Transitland sei die Bundesrepublik in einem Konfliktfall besonders exponiert.
Anfang September 2026 wurden eine Hochspannungsleitung nahe dem Umspannwerk Turnow-Preilack beim Kraftwerk Jänschwalde und ein Umspannwerk in Bergheim bei Köln angegriffen. Die Vorfälle verursachten Kurzschlüsse, führten aber nicht zu allgemeinen Stromausfällen für die Bevölkerung. Behörden prüfen, ob beide Taten Teil eines koordinierten Angriffs auf die Energieversorgung waren. Ermittelt wird unter anderem wegen des Verdachts auf verfassungsfeindliche oder fremdstaatlich gelenkte Sabotage. In Brandenburg geht es zudem um die mögliche Bildung einer terroristischen Vereinigung. Weitere Hintergründe zu den Vorfällen nennt die Tagesschau.
Wie groß die Folgen eines erfolgreichen Anschlags sein können, zeigte bereits der 9. September 2025. Ein Brandanschlag auf zwei Strommasten in Berlin und Brandenburg traf rund 50.000 Privathaushalte und etwa 2.000 Gewerbebetriebe. Im März 2026 durchsuchten rund 500 Einsatzkräfte Objekte im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen vier Beschuldigte.
Bruch fordert einen Reparaturplan für den Krisenfall
Nach Bruchs Einschätzung hat sich die Bedrohung für die deutsche Energieversorgung in den vergangenen 12 bis 18 Monaten deutlich verschärft. Siemens Energy und seine Kunden verzeichneten eine steigende Zahl von Angriffen. Neben physischer Sabotage nehmen Cyberattacken auf kritische Infrastruktur zu.
Bruch hält einen vollständigen Schutz aller Anlagen für unrealistisch. Strom- und Wassernetze müssten deshalb so organisiert sein, dass Schäden schnell behoben werden können. Er fordert einen zivilen Operationsplan mit kurzen Meldeketten, einer geordneten Lagerung wichtiger Ersatzteile und mobilen Reparaturteams. Der Plan soll auch regeln, wie die Versorgung der Bevölkerung in einer Krise wiederhergestellt wird.
Die Warnung betrifft zunächst Siemens Energy und ist keine neue Gewinnprognose für die Siemens AG. Sie zeigt aber, welche Investitionen bei Netzbetreibern und öffentlichen Stellen an Gewicht gewinnen könnten. IT BOLTWISE leitet aus der Entwicklung höhere Ausfallrisiken und steigende Wartungskosten für Energieversorger ab. Zusätzliche Aufträge für Technik, Netzstabilisierung oder Notfallkonzepte setzen konkrete und finanzierte Programme voraus.
✓
✕
”
Warum Reparaturfähigkeit so wichtig ist
Kritische Infrastruktur lässt sich nicht an jedem Standort vollständig gegen Angriffe absichern. Resilienz bedeutet deshalb auch, beschädigte Anlagen schnell zu erkennen, Ersatzteile bereitzuhalten und Strom- oder Wassernetze innerhalb kurzer Zeit wieder in Betrieb zu nehmen.
KI-Rechenzentren treiben bereits konkrete Aufträge
Während Bruch vor Risiken für die Energieversorgung warnt, profitiert Siemens von hohen Investitionen in Rechenzentren. Im zweiten Geschäftsquartal erzielte der Konzern in diesem Bereich ein Neugeschäft von 1,9 Milliarden Euro. Das Auftragswachstum lag im dreistelligen Prozentbereich und kam vor allem aus den USA.
Siemens investiert 140 Millionen Euro in den Ausbau seiner US-Produktion. Dort sollen Schlüsselprodukte für große Rechenzentren gefertigt werden. Konzernchef Roland Busch erwartet, dass der Boom bei Rechenzentren und KI-Infrastruktur zunächst noch zwei bis drei Jahre anhält.
Auch Siemens Energy bekommt die steigende Nachfrage nach Strom für Rechenzentren zu spüren. Das Unternehmen meldete einen Rekord-Auftragseingang von 17,7 Milliarden Euro. Neben dem Ausbau von Hochspannungsnetzen trug der KI-Boom zu dieser Entwicklung bei, besonders in den USA.
Siemens drängt bei der KI-Regulierung aufs Tempo
Roland Busch sieht zugleich ein Risiko in den langen europäischen Gesetzgebungsverfahren. Nach seiner Darstellung benötigen zentrale Regelwerke wie der AI Act und der Data Act etwa zwei Jahre bis zur Verabschiedung. KI-Modelle entwickelten sich in diesem Zeitraum sechs- bis achtmal weiter. Busch fordert deshalb schnellere Zulassungsprozesse für neue Anwendungen.
Zu langsame oder zu strenge Regeln könnten nach seiner Einschätzung Europas Wettbewerbsfähigkeit schwächen und Innovationen bremsen. Für Siemens treffen damit zwei Entwicklungen aufeinander: Der Konzern verkauft Technik für den Ausbau von KI-Rechenzentren, während deren Wachstum von verfügbaren Stromnetzen und schnellen Genehmigungen abhängt.
Für die Siemens-Aktie ergeben sich daraus zwei klar getrennte Geschäftstreiber. Der Rechenzentrumsboom sorgt bereits für Aufträge und zusätzliche Produktionskapazitäten. Der Schutz deutscher Strom- und Wassernetze kann weitere Nachfrage auslösen, wenn Bund, Länder und Betreiber Bruchs Vorschläge in finanzierte Programme übersetzen. Die jüngsten Angriffe erhöhen den politischen Druck, sind für sich genommen aber noch kein neuer Auftrag und keine veränderte Prognose.
