Sartorius setzt auf rein organisches Wachstum
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DJ INTERVIEW/Sartorius setzt auf rein organisches Wachstum
Von Stefanie Haxel
DOW JONES--Der Labor- und Pharmaausrüster Sartorius will seine mittelfristigen Wachstumsambitionen mit Kunden aus der Biopharmabranche anders als in vergangenen Jahren nicht mit weiteren Akquisitionen erreichen. "Wir sind jetzt an dem Punkt, wo wir sagen, wir haben eigentlich ein vollständiges Portfolio", sagte Konzernchef Michael Grosse im Gespräch mit Dow Jones Newswires. Die Produkte des Konzerns decken die Bedürfnisse der Kunden von der Forschung und Entwicklung neuer Arzneimittel über die Prozessentwicklung bis hin zur Produktion von Medikamenten zunächst für die klinische Forschung und später für den kommerziellen Verkauf in der Apotheke ab.
Während die bisherige Mittelfristprognose davon ausging, dass Zukäufe rund ein Fünftel des Umsatzwachstums von angepeilten mehr als 10 Prozent pro Jahr ausmachten, so peilt Sartorius unter Grosse nun für die nächsten Jahre ein rein organisches Umsatzwachstum auf wechselkursbereinigter Basis von 8 bis 11 Prozent im Jahr an. Der neue Konzernchef hat dieses Ziel vergangene Woche beim Kapitalmarkttag des Göttinger MDAX-Konzerns ausgegeben.
Zukäufe schließt er nicht aus, sie werden eher Ergänzungen sein. "Es wird immer mal wieder Möglichkeiten geben, den Fokus noch tiefer zu setzen", so Grosse. "Vielleicht gibt es eine Einzeltechnologie, die in einem spezifischen Arbeitsprozess unserer Kunden nochmal eine Verbesserung schafft."
Auch Innovationen im Bereich der Zell- und Gentherapie wären für Grosse ein Ziel. Hier sei das Wachstum doppelt so stark wie im gesamten Biopharma-Markt und damit auch ein starker Wachstumsfaktor für Sartorius, sagte er.
Mit der weiteren Konzentration auf die Biopharmabranche setzt der Konzern eine Entwicklung fort, die in den späten 1990er Jahren mit dem Angebot von Produktionsanlagen für die noch junge Biotechnologie begann. Ein großer Schritt zum breit aufgestellten Biopharma-Technologieanbieter folgte 2007 mit der Übernahme der französischen Stedim Biosystems, die bei Einwegbeutel-Systemen für die Herstellung von Medikamenten führend war.
Sogenannte "Single-Use-Technologien", zu denen heute auch Bioreaktoren und Filtrationssysteme gehören, bieten in der Biologika-Produktion erhebliche Vorteile. Da sie nicht zwischendurch gereinigt werden müssen, sinkt das Risiko von Verunreinigungen. Anlagen sind damit schneller wieder für die Produktion neuer Chargen verfügbar.
Aus der Fusion von Stedim mit der eigenen Biotechnologiesparte entstand der heute an der Pariser Börse teilnotierte Teilkonzern Sartorius Stedim Biotech, in dem heute das Bioprozessgeschäft geführt wird und der im vergangenen Jahr rund 81 Prozent zum Konzernumsatz beitrug.
Alle Akquisitionen von Sartorius seit 2007 lagen im Bereich Life Science, der weit überwiegende Teil davon im Bereich Biopharma.
Im Jahr 2014 veräußerte der Konzern das Geschäft mit industrieller Wäge- und Kontrolltechnik, sein ursprüngliches Kerngeschäft, an den japanischen Minebea-Konzern.
2016 folgte der Einstieg in die Bioanalytik mit Übernahmen in den USA. Die größte Akquisition der vergangenen Jahre war die milliardenschwere Übernahme der französischen Polyplus, mit der Sartorius sein Angebot im Bereich Zell- und Gentherapien verstärkt hat.
Die Entscheidung, den Biopharma-Fokus nun noch weiter zu schärfen, ist das Ergebnis einer strategischen Überprüfung, die der MDAX-Konzern im vergangenen September gestartet hat, gut zwei Monate nach Grosses Amtsantritt als CEO.
Der Konzern habe mit seinem Portfolio viele Möglichkeiten, beschreibt Grosse die Situation zum Amtsantritt. Theoretisch denkbar gewesen wäre beispielsweise ein Einstieg in die Medikamentenproduktion, sagte Grosse. Sartorius habe sich aber angesichts seiner starken Marktposition für einen Fokus auf den stark wachsenden Biopharmamarkt entschieden. Dort will das Unternehmen nachhaltig und profitabel stärker wachsen als der Markt. Die relevanten Märkte sollen jährlich um etwa 100 bis 200 Basispunkte übertroffen werden.
Die Zuversicht, dass dies gelingen werde, nimmt Grosse aus dem Vertrauen in das Portfolio.
"Wir haben strategische Klarheit darüber, welche Teile unseres aktuellen Portfolios den Unterschied machen und überdurchschnittlich wachsen", sagte Grosse mit Blick auf die Marktführerschaft bei den Single-Use-Technologien. "Darüber hinaus haben wir definiert welche neuen und attraktiven Geschäftsfelder wir für zukünftiges Wachstum erschließen wollen." Dazu gehören das breite Angebot für fortschrittliche Zell- und Gentherapien, fortschrittliche Zellmodelle, Prozessanalytik sowie Plattformen für analytische Charakterisierung und Qualitätskontrolle.
Sartorius investiert jährlich etwa 5 Prozent seines Umsatzes in Forschung und Entwicklung, zum Teil im Rahmen von Partnerschaften mit Startups- oder Forschungsprojekten an Universitäten. "Partnerschaften sind für uns ganz oft der Startpunkt für eine neue Idee oder eine Technologie in der frühen Phase", sagt Grosse. "Solche Ideen mitzubegleiten und später möglicherweise in das Sartorius-Portfolio zu integrieren, ist für uns ein wesentlicher Teil unsere Innovationsstrategie."
Das Wachstumspotenzial ist aus seiner Sicht enorm, denn der Anteil von Biologika bei neuen Zulassungen, Entwicklungspipelines und Produktionsvolumina steigt. Wie aus einer Konzernpräsentation zum Kapitalmarkttag hervorgeht, überstiegen die globalen Biologika-Umsätze der Branche im vergangenen Jahr erstmals die Umsätze traditioneller Therapien. 2030 dürften sie rund 57 Prozent der Pharmaumsätze weltweit ausmachen.
Die Zulassungszahlen von Biopharma-Arzneien haben sich in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt: Im Zeitraum 2020 bis 2025 wurden nach Konzernangaben weltweit ca. 890 Biologika zugelassen, gegenüber rund 440 in den Jahren 2015 bis 2020.
Und die Zulassungen in der Branche dürften noch weiter steigen - auch mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz. Diese beschleunigt die Entdeckung und Entwicklung potenzieller Wirkstoffe auf der Kundenseite. Etwa 26.000 Moleküle sind laut der Unternehmenspräsentation für den Kapitalmarkttag am 17. März derzeit in der Entwicklung.
Kontakt zur Autorin: stefanie.Haxel@wsj.com
DJG/DJN/sha/rio
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