Analyse
07:45 Uhr, 26.06.2026

RHEINMETALL - Entscheidung aus Berlin machte Papperger fassungslos

Armin Papperger hatte auf Rückenwind aus Berlin gesetzt. Doch Anfang der Woche drehte der Wind abrupt, und Rheinmetalls Kurs in Richtung Marinegeschäft geriet schwer in die See.

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  • Rheinmetall AG - WKN: 703000 - ISIN: DE0007030009 - Kurs: 946,800 € (XETRA)

Als in Berlin durchsickerte, dass das Verteidigungsministerium das milliardenschwere F126-Fregattenprogramm stoppen würde, soll der Konzernchef fassungslos reagiert haben. Eine mit ihm vertraute Person beschrieb ihn laut der Financial Times als "erstaunt", ein Rheinmetall-Manager sprach von einem "Desaster" und einem "großen Schock".

Der Beschluss trifft Rheinmetall an einer empfindlichen Stelle. Erst im März hatte der Düsseldorfer Rüstungskonzern für 1,5 Mrd. EUR die Werftengruppe Naval Vessels Lürssen übernommen. Dahinter stand die Erwartung, bei den sechs geplanten F126-Fregatten die Rolle des Hauptauftragnehmers zu übernehmen. Das Projekt hätte nach Rheinmetall-Offerte ein Volumen von 15,2 Mrd. EUR inklusive Mehrwertsteuer erreichen können. Verteidigungsminister Boris Pistorius zog jedoch die Reißleine. Die ursprünglich 2020 mit 10 Mrd. EUR veranschlagten Kosten seien inzwischen auf rund 18 Mrd. EUR gestiegen, davon 2,3 Mrd. EUR bereits ausgegeben. Das sei "schlicht inakzeptabel".

Ein Prestigeprojekt kippt

Statt der F126 will Berlin nun acht kleinere und günstigere Meko-A-200-Fregatten vom deutschen Konkurrenten TKMS beschaffen. Sie sollen schneller verfügbar sein und der Marine rascher helfen, insbesondere bei der Abwehr russischer U-Boote. Für Rheinmetall ist das bitter. Papperger hatte Investoren monatelang vermittelt, die neue Marinesparte könne den Konzern vom Spezialisten für Panzer, Artillerie und Munition zu einem Anbieter "an Land, auf dem Wasser, in der Luft und im Weltraum" machen.


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Die Börse reagierte entsprechend hart. Seit der Ankündigung verlor Rheinmetall fast ein Fünftel seines Werts, im laufenden Jahr summiert sich das Minus auf rund 40 %. Analyst Sash Tusa von Agency Partners sieht ein Glaubwürdigkeitsproblem: Bei hoher Bewertung erwarteten Investoren sehr konstante Leistung. Verpasste Quartalszahlen und eine Übernahme, deren zentrale Annahme nun wegbricht, würden dann nicht verziehen.

Die Wette wird zur Hypothek

Formal hatte Rheinmetall keinen Vertrag für die F126. Doch in der Industrie gilt die Darstellung, Berlin habe keine Erwartungen geweckt, als umstritten. Rheinmetall hatte geprüft, ob NVL das Projekt vom niederländischen Damen-Konzern übernehmen könne. Noch vor wenigen Wochen schien der Kurs gesetzt.

Nun bleibt Papperger eine teure Werft, aber kein Monsterauftrag. TKMS zeigt sich offen, Rheinmetall-Werften einzubinden. Doch das wäre eher Beiboot als Brücke. Für einen Konzernchef, der als Taktgeber der deutschen Rüstungsindustrie gilt, ist das ein empfindlicher Rückschlag.

Fazit: Der Schock sitzt auch bei Rheinmetall und den Investoren weiter tief. Wir müssen jetzt erstmal eine Bodenbildung bei der Aktie abwarten. Die Bewertung wird auf jeden Fall wieder interessanter. Die gestrige Umkehrkerze spricht zunächst für ein lokales Tief bei rund 900 EUR.

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Jahr 2025 2026e* 2027e*
Umsatz in Mrd. EUR 9,94 14,13 18,98
Ergebnis je Aktie in EUR 24,56 37,67 54,53
KGV 38 25 17
Dividende je Aktie in EUR 11,50 15,30 22,50
Dividendenrendite 1,22% 1,63% 2,39%

*e = erwartet, Berechnungen basieren bei
US-Unternehmen auf Non-GAAP-Daten

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