Kommentar
06:48 Uhr, 09.04.2026

Ölpreis steigt wieder - Zweifel an Nahost-Waffenruhe wächst

Die Ölpreise haben am Donnerstag wieder angezogen. Brent verteuerte sich im frühen Handel um rund 2 % auf 96,70 USD je Barrel, die US-Sorte WTI legte um 2,60 USD oder 2,75 % auf 97,00 USD zu.

Damit machten die Notierungen einen Teil ihrer Verluste vom Vortag wett, nachdem beide Referenzsorten zwischenzeitlich unter die Marke von 100 USD je Barrel gefallen waren.

Auslöser sind die wachsenden Zweifel an der Stabilität der zunächst auf zwei Wochen angelegten Waffenruhe im Nahen Osten. Der Markt hatte zuvor darauf gesetzt, dass eine Entspannung der Lage zu einer rascheren Öffnung der Straße von Hormus führen könnte. Diese Hoffnung weicht nun wieder der Sorge, dass die wichtigste Energieroute der Region auf absehbare Zeit nur eingeschränkt nutzbar bleibt.

Risikoaufschlag bleibt im Markt

Analysten verweisen darauf, dass Händler den geopolitischen Risikoaufschlag nur zögerlich aus den Preisen nehmen. Zu unklar sei, wie belastbar die Waffenruhe tatsächlich ist und welche Folgen mögliche Gespräche zwischen den USA und Iran für die Ölexporte der Region haben könnten. Vandana Hari, Gründerin des Analysehauses Vanda Insights, hält eine nennenswerte Wiederöffnung der Straße von Hormus kurzfristig für wenig wahrscheinlich. Entsprechend hoch bleibe die Volatilität am Ölmarkt.

Die Reaktion der Terminmärkte zeigt diese Unsicherheit deutlich. Eigentlich, so argumentieren Marktbeobachter, hätten die Preise nach dem starken Rücksetzer wieder schneller auf das Niveau vor Verkündung der Waffenruhe zurückspringen müssen. Dass dies ausbleibt, deutet auf anhaltende Zweifel an der realen Entspannungslage hin.


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Besonders sensibel reagiert der Markt, weil die Straße von Hormus ein neuralgischer Punkt der globalen Energieversorgung ist. Über die Meerenge laufen üblicherweise rund 20 % des weltweiten Öl- und Gasangebots. Staaten wie Irak, Saudi-Arabien, Kuwait und Katar sind auf die Route angewiesen, um ihre Lieferungen auf die Weltmärkte zu bringen.

Waffenruhe fragil, Schifffahrt zögert

Wie brüchig die Lage ist, zeigt die militärische Entwicklung der vergangenen Tage. Israel setzte seine Angriffe auf den Libanon am Mittwoch fort. Zugleich signalisierte Iran, es sei unter diesen Umständen "unangemessen", Gespräche über eine dauerhafte Friedenslösung voranzutreiben. Für den Ölmarkt ist das ein Warnsignal. Solange keine politische Klarheit herrscht, bleiben auch die Erwartungen an eine Normalisierung der Lieferketten gedämpft.

Hinzu kommt die Zurückhaltung der Reedereien. Schifffahrtsunternehmen fordern mehr Klarheit über die Bedingungen der Waffenruhe, bevor sie den Transit durch die Straße von Hormus wieder umfassend aufnehmen. Iranische Medien berichteten zudem, Teheran habe Karten zur Umfahrung von Minen veröffentlicht und gemeinsam mit den Revolutionsgarden sichere Passagen ausgewiesen. Allein dieser Umstand zeigt, wie weit die Region von einem normalen Betriebszustand entfernt ist.

Auch Standard Chartered rechnet kurzfristig nicht mit einer deutlichen Entlastung. Logistische Probleme, Sicherheitsrisiken, höhere Versicherungsprämien und operative Einschränkungen dürften dazu führen, dass in den kommenden zwei Wochen nur begrenzte zusätzliche Energiemengen über die Route transportiert werden.

Nach Angaben aus Industriekreisen gerieten auch Energieanlagen in Nachbarstaaten erneut unter Druck. Iran soll nach der Waffenruhe Ziele in der Region attackiert haben, darunter eine Pipeline in Saudi-Arabien, die als Ausweichroute zur blockierten Straße von Hormus dient. Auch aus Kuwait, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden Raketen- und Drohnenangriffe gemeldet.

Damit bleibt die Angebotsseite verwundbar, selbst wenn die Passage durch Hormus schrittweise wieder besser nutzbar werden sollte. Der Markt preist deshalb nicht nur das unmittelbare Risiko einer weiter gestörten Schifffahrt ein, sondern auch die Gefahr weiterer Angriffe auf Infrastruktur, die für Produktion und Transport entscheidend ist.

Fazit: Nach der starken Erholung folgt jetzt die erste Ernüchterung. Die Börse hasst Ungewissheit und genau diese liegt momentan vor. Ob sich die zahlreichen Konfliktparteien zusammenreißen können oder nicht, werden dann wohl die kommenden 24 Stunden zeigen. Es dürfte volatil bleiben und der Markt hängt an jeder neuen Nachricht.

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1 Kommentar

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  • masi123
    masi123

    Die Börse eilt der Realität oft weit voraus, wird aber immer wieder von ihr eingeholt. Ich kann die gestrige Euphorie nicht nachvollziehen, da keines der verschiedenen Nahost-Probleme gelöst ist bzw. sich auch nur eine Lösung abzeichnet. Für mich war das reine Markttechnik, die Einigen sehr große Gewinne beschert hat.

    08:39 Uhr, 09.04.