OECD: Nahost-Krieg kostet Wachstum und treibt Inflation
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Von Hans Bentzien
DOW JONES--Der Krieg im Nahen Osten wird das Weltwirtschaftswachstum nach Einschätzung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in den nächsten beiden Jahren bremsen. Wie sie in einem aktualisierten Wirtschaftsausblick mitteilte, rechnet sie zudem mit einem deutlichen Inflationsanstieg. Demnach erwartet sie für 2026 unverändert einen Anstieg des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,9 Prozent und für 2027 ein Wachstum von 3,0 (Dezember-Prognose: 3,1) Prozent. Ohne den Iran-Krieg wäre die BIP-Prognose um 0,3 Prozentpunkte höher ausgefallen.
"Das Ausmaß und die Dauer des Konflikts sind sehr ungewiss. Eine längere Phase höherer Energiepreise wird jedoch die Unternehmenskosten deutlich erhöhen und die Verbraucherpreisinflation anheizen", heißt es in dem Bericht. Dies werde negative Folgen für das Wachstum haben. Die Prognosen beruhen auf einem Brent- und einem TTF-Gaspreis, die um 40 beziehungsweise 60 Prozent höher als im Dezember-Bericht angenommen sind.
Die OECD erwartet, dass das US-BIP 2026 und 2027 um 2,0 (1,7) und 1,7 (1,9) Prozent steigen wird. China werden unveränderte Wachstumsraten von 4,4 und 4,3 Prozent vorhergesagt, Japan unverändert 0,9 und 0,9 Prozent und dem Euroraum 0,8 (1,2) sowie 1,2 (1,4) Prozent. Der deutschen Volkswirtschaft traut die OECD noch 0,8 (1,0) und 1,5 (1,5) Prozent Wachstum zu, Frankreichs 0,8 (1,0) und 1,0 (1,0) Prozent, Italiens 0,4 (0,6) und 0,6 (0,7) Prozent sowie Spaniens 2,1 (2,2) und 1,7 (1,8) Prozent.
Euroraum-Inflation dürfte 2026 auf 2,6 Prozent steigen
Die Inflationsrate des Euroraums sieht die OECD bei 2,6 (1,9) und 2,1 (2,0) Prozent und die der USA bei 4,2 (3,0) und 1,6 (2,3) Prozent. Das Leitzinsniveau in den USA betrachte sie als "nahe an restriktiven Niveaus", das des Euroraums als "nahe an neutralen Niveaus".
Nach Aussage der OECD birgt der Nahost-Krieg Risiken für die globalen Lieferketten, was besonders Düngemittel betrifft. 34 Prozent der weltweiten Harnstoffexporte kamen 2024 aus den Staaten am Persischen Golf. Zudem entfielen auf sie rund 20 Prozent der Exporte von Diammoniumphosphat und wasserfreiem Ammoniak. LNG ist ein wichtiger Ausgangsstoff für stickstoffbasierte Düngemittel. Die Golfstaaten produzieren zudem etwa die Hälfte der weltweiten Schwefelexporte. Diese werden bei der Herstellung von Düngemitteln sowie anderen Industrieprodukten verwendet.
Die Düngemittelpreise sind stark gestiegen. Die Preise für Harnstoff haben sich seit Mitte Februar um über 40 Prozent erhöht. Sollte diese Entwicklung anhalten, würde das 2027 negative Auswirkungen auf die Ernteerträge und die globalen Lebensmittelpreise haben.
Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com
DJG/hab/apo
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