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17:30 Uhr, 09.02.2026

Nagel: Aktuelles EZB-Zinsniveau ist angemessen

Von Hans Bentzien

DOW JONES--Die Inflation im Euroraum dürfte in nächster Zeit etwas unter der EZB-Zielrate von 2 Prozent liegen. EZB-Ratsmitglied Joachim Nagel ist aber trotzdem dagegen, den Leitzins weiter zu senken. In einem Geld- & finanzwirtschaftlichen Kolloquium Karlsruher Institut für Technologie (KIT) begründete der Bundesbankpräsident seine Auffassung mit den drei Einflussgrößen der EZB-Geldpolitik: Den Inflationsaussichten, der unterliegenden Inflation und der Stärke der geldpolitischen Transmission. Folgende Punkte machte Nagel:

1. Inflation dürfte 2028 wieder auf 2 Prozent steigen

Die EZB-Stabsprojektionen von Dezember sehen die Inflationsrate 2026 bei 1,9 Prozent. 2027 dürfte sie auf 1,8 Prozent fallen und 2028 wieder auf 2 Prozent steigen. "Die Inflationsrate könnte das Inflationsziel von 2 Prozent in den kommenden beiden Jahren somit leicht unterschreiten. Für die mittlere Frist deuten die Prognosen aber darauf hin, dass das Inflationsziel genau getroffen wird", sagte Nagel laut veröffentlichtem Redetext. In der vergangenen Woche gab es keine aktuellen Projektionen, Nagel zufolge bestätigte eine Fortschreibung der Dezember-Projektionen mithilfe technischer Annahmen zu Ölpreisen, Wechselkursen und Marktzinsen den Ausblick aber.

"Auch die jüngste Euro-Aufwertung gegenüber dem US‑Dollar dürfte diese Einschätzung nicht wesentlich verändern", sagte er. Nagel verwies darauf, dass die Risiken für die Inflation in etwa ausgeglichen und die langfristigen Inflationserwartungen fest beim Inflationsziel von 2 Prozent verankert seien.

2. Kerninflation deutet auf mittelfristig 2 Prozent Inflation

Laut den jüngsten Projektionen dürfte die Kerninflationsrate 2026 auf 2,2 Prozent und 2027 auf 1,9 Prozent fallen, ehe sie 2028 wieder leicht auf 2,0 Prozent steigt, sagte Nagel. "Zusammengenommen ist das mögliche Unterschreiten der 2-Prozent-Marke in den kommenden Quartalen zum einen quantitativ gering und zum anderen insbesondere auf die volatilen Energiepreise zurückzuführen."

3. Geldpolitische Transmission im Rahmen historischer Werte

Die EZB-Geldpolitik wirkt nach Untersuchungen der Bundesbank im Einklang mit historischen Mustern auf die Finanzierungsbedingungen der Unternehmen und Haushalte aus.

Nagel fasste zusammen: "Meines Erachtens sprechen viele Faktoren dafür, dass das jetzige Zinsniveau angemessen ist. Erstens: Die Unterschreitung ist kurzfristig und gering, und in der mittleren Frist liegt die Inflation bei unserem Ziel von 2 Prozent. Zweitens: Die langfristigen Inflationserwartungen sind fest verankert. Drittens: Die Entwicklung der Kerninflationsrate spricht ebenfalls dafür, dass wir in der mittleren Frist Preisstabilität erreichen. Und viertens: Die geldpolitische Transmission verläuft wie erwartet."

Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com

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