Analyse
12:30 Uhr, 25.06.2026

MERCK macht teuren Milliardenzukauf in den USA

Die Darmstädter Merck greift nach einem Unternehmen, das tief in den Laboren der Pharma- und Biotechindustrie verankert ist, aber zuletzt selbst mit einer spürbaren Wachstumsdelle zu kämpfen hatte.

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  • Merck KGaA - WKN: 659990 - ISIN: DE0006599905 - Kurs: 140,050 € (XETRA)
  • Bio-Techne Corp. - WKN: A12ENG - ISIN: US09073M1045 - Kurs: 58,875 $ (Nasdaq)

Die geplante Übernahme von Bio-Techne für 73 USD je Aktie in bar, entsprechend einem Unternehmenswert von rund 11,3 Mrd. USD beziehungsweise 9,9 Mrd. EUR, ist deshalb beides: ein Ausbau des Life-Science-Geschäfts und eine Wette darauf, dass Merck aus einem hochwertigen, aber derzeit unter Druck stehenden Portfolio mehr herausholen kann.

Der Preis liegt 36 % über dem volumengewichteten Ein-Monats-Durchschnittskurs. Das ist ambitioniert, aber nicht völlig losgelöst von den Fundamentaldaten. Bio-Techne erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von rund 1,22 Mrd. USD und ein EBITDA von knapp 430 Mio. USD. Für 2026 erwarten Analysten allerdings einen leichten Umsatzrückgang auf etwa 1,21 Mrd. USD sowie ein EBITDA von rund 426 Mio. USD. Erst danach soll das Wachstum wieder anziehen.

Die Schwäche liegt nicht in der Qualität, sondern im Zyklus

Bio-Techne leidet unter mehreren Problemen, die derzeit viele Anbieter von Life-Science-Werkzeugen treffen. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 sank der Umsatz um 2 % auf 311,4 Mio. USD, organisch ebenfalls um 2 %. Besonders deutlich war der Druck im wichtigen Segment Protein Sciences, wo der organische Umsatz um 4 % zurückging und die operative Marge wegen schwächerer Volumina und eines ungünstigeren Produktmixes fiel.


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Die industrielle Logik der Transaktion ist klar. Bio-Techne bringt spezialisierte Proteine, Antikörper, Immunoassays, Reagenzien, Analyseplattformen und Diagnostiklösungen ein. Merck kann diese Produkte in ein größeres, international stärkeres Vertriebs- und Servicegerüst einbetten. Besonders naheliegend sind Synergien in drei Bereichen: Cross-Selling an Pharma- und Biotechkunden, Bündelung von Forschungsreagenzien mit Mercks bestehenden Labor- und Prozesslösungen sowie eine bessere Skalierung digitaler und regionaler Vertriebskanäle.

Strategisch passt Bio-Techne auch zu Mercks erklärtem Fokus auf komplexe neue Therapien, Zellkulturmedien, Single-Use-Technologien, Filtration und integrierte Workflow-Lösungen. Merck will seine Life-Science-Sparte stärker entlang kompletter Kundenprozesse ausrichten, von der frühen Forschung bis zur Produktion. Bio-Techne ergänzt diesen Ansatz am vorderen Ende der Wertschöpfungskette, dort, wo Forschung, Biomarkeranalyse und translationale Medizin beginnen.

Die größte Frage bleibt der Preis. Bei einem Unternehmenswert von 11,3 Mrd. USD zahlt Merck auf Basis des für 2026 erwarteten EBITDA von rund 426 Mio. USD ein Multiple von etwa 26,5. Das ist hoch und setzt voraus, dass die Wachstumsdelle tatsächlich zeitnah ausgebügelt wird.

Fazit: Merck erwartet sich Synergieeffekte von 140 Mio. EUR pro Jahr. Erst im dritten Jahr wird aber ein positiver Effekt auf das bereinigte Ergebnis pro Aktie erwartet. Das ist noch lange hin. Ich sehe diese Übernahme als strategisch interessant an, aber zu teuer. Der Merck-Aktie wird der Deal wohl erstmal nicht helfen.

Jahr 2025 2026e* 2027e*
Umsatz in Mrd. EUR 21,10 21,04 22,05
Ergebnis je Aktie in EUR 8,34 8,00 8,70
KGV 17 18 16
Dividende je Aktie in EUR 2,20 2,33 2,42
Dividendenrendite 1,57% 1,66% 1,73%

*e = erwartet, Berechnungen basieren bei
US-Unternehmen auf Non-GAAP-Daten

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