Mercedes: China-Offensive trifft auf Tarifrunde
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Die Aktie der Mercedes-Benz Group notiert am 28. August 2026 bei 46,25 Euro und liegt damit 1,95 Prozent im Plus. Im Mittelpunkt stehen derzeit zwei unterschiedliche Themen: die geplante Produktoffensive in China und die Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie in Deutschland. Beide Felder betreffen die künftige Ausrichtung des Konzerns, lassen sich aber noch nicht in konkrete Folgen für Absatz, Kosten oder Ergebnis übersetzen.
China zählt für Mercedes-Benz zu den größten Absatzmärkten und zugleich zu den wichtigsten Technologie- und Innovationsstandorten. Der Konzern setzt dort auf eine stärkere Lokalisierung von Entwicklung, Partnerschaften und Wertschöpfung. Details dazu beschreibt Mercedes-Benz auf seiner Auto-China-Seite.
Mehr lokale Modelle für den chinesischen Markt
Mercedes-Benz will die Zahl der lokal produzierten Modelle in China bis 2027 auf 20 erhöhen. Dazu sollen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ebenso gehören wie vollelektrische Modelle. Für 2026 ist in China eine breite Produktoffensive mit mehr als 15 neuen oder überarbeiteten Modellen angekündigt.
Ein wichtiges Fahrzeug dieser Strategie ist ein lokal produzierter elektrischer GLC SUV auf der Plattform Mercedes-Benz Electric Architecture, kurz MB.EA. Für China ist eine Version mit langem Radstand vorgesehen. In Peking stellte Mercedes-Benz 2026 zudem Konfigurationen des elektrischen GLC L mit fünf und sechs Sitzen vor. Weitere angekündigte Modelle sind eine neue S-Class, eine langradständige GLE-Variante sowie die elektrische CLA L.
Mercedes-Benz und chinesische Partner wollen zusätzlich 14 Milliarden Yuan in den chinesischen Markt investieren, um das Produktportfolio auszubauen. Unternehmensangaben stellen China als Kernmarkt und Technologiehub dar. Externe Branchenberichte bewerten die Lage zurückhaltender und beschreiben die Elektrostrategie dort als unter Druck stehend. Diese Einschätzungen sind keine bestätigte Aussage des Unternehmens und erlauben noch keine verlässliche Prognose über den Erfolg der neuen Modelle.
Für Anleger ist entscheidend, ob die lokale Modellpalette im chinesischen Premiumsegment tatsächlich auf Nachfrage trifft. Offen ist insbesondere, wie sich die angekündigten Fahrzeuge im Wettbewerb behaupten und ob sie einen möglichen Absatzrückgang ausgleichen können.
EQS erhält 800-Volt-Technik und neues Lenksystem
Neben den China-Modellen arbeitet Mercedes-Benz an der technischen Überarbeitung des EQS für das Modelljahr 2026. Die Baureihe soll von einer 400-Volt- auf eine 800-Volt-Architektur umgestellt werden. Für den EQS 450+ wird eine Batterie mit rund 122 kWh genannt. Die WLTP-Reichweite soll bei 926 Kilometern liegen.
Nach der vorliegenden Berichterstattung ermöglicht das neue Hochvoltsystem Gleichstromladen mit bis zu 350 kW. Unter Idealbedingungen sollen in etwa zehn Minuten bis zu 320 Kilometer WLTP-Reichweite nachgeladen werden können. Wie sich diese Werte im Alltag unter verschiedenen Temperaturen, Ladebedingungen und Fahrprofilen darstellen, ist damit allerdings noch nicht abschließend geklärt.
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Was die 800-Volt-Architektur verändert
Ein 800-Volt-System kann höhere Ladeleistungen ermöglichen als ein 400-Volt-System. Die tatsächliche Ladezeit hängt dennoch unter anderem von Ladesäule, Batterietemperatur und Ladezustand ab.
Der überarbeitete EQS soll außerdem Steer-by-Wire erhalten. Dabei werden Lenkbefehle elektronisch übertragen; eine durchgehende mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und Vorderrädern besteht nicht. Laut Bericht soll die Funktion nicht direkt zum Marktstart vollständig verfügbar sein, sondern kurz danach folgen. Mit MB.OS erhält das Fahrzeug zudem eine neue Infotainment- und Fahrzeugmanagement-Architektur.
Diese technischen Schritte passen zur Produktstrategie des Konzerns, die neben neuen Plattformen auch künstliche Intelligenz, digitale Dienste und automatisiertes Fahren umfasst. Ob und wann einzelne Technologien über den EQS hinaus in weiteren Baureihen eingesetzt werden, ist in den verfügbaren Angaben nicht näher beschrieben.
Tarifrunde und Aktionstag rücken näher
Parallel zur Produktplanung läuft in Deutschland die Vorbereitung auf die Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie. Sie betrifft rund 3,7 Millionen Beschäftigte. Die Verhandlungen über die Entgelttarifverträge sollen im Oktober 2026 beginnen. Die IG Metall befragt Beschäftigte derzeit zu möglichen Forderungen und stellt sich nach eigenen Angaben auf eine harte Tarifrunde ein.
Für den 21. September 2026 hat die Gewerkschaft einen bundesweiten Aktionstag zur Lage der Automobil- und Zulieferindustrie angekündigt. Geplant sind ganztägige Aktionen und Proteste an deutschen Automobilstandorten. Die IG Metall will damit auf Sparprogramme, Stellenabbau und Werkschließungen aufmerksam machen und Beschäftigte mobilisieren. Informationen zur Kampagne stehen auf der Seite der IG Metall zum Aktionstag.
Welche Forderungen die Gewerkschaft am Ende beschließt und welche Auswirkungen ein Tarifabschluss auf die Kostenstruktur von Mercedes-Benz haben könnte, ist offen. Ebenso lässt sich derzeit nicht beurteilen, ob es im weiteren Verlauf zu Warnstreiks oder zu Beeinträchtigungen in der Produktion kommt. Für Mercedes-Benz treffen damit in den kommenden Wochen eine große Modellagenda in China und offene arbeitsmarktpolitische Fragen in Deutschland zusammen.
