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13:29 Uhr, 11.02.2026

Marktstimmung: "Scheinbar Stillstand"

Trotz der Nachrichtenflut bewegen sich deutsche Aktien kaum vom Fleck. Profis reagieren mit dem Versuch, die geringe Handelsspanne auszunutzen. Viele schauen von der Seite aus zu.

Zusammenfassung

Auf die geringen Kursbewegungen deutscher Bluechips der vergangenen Tage reagierten professionelle Investorinnen und Investoren nur an der Oberseite mit Gewinnmitnahmen. 6 Prozent haben Aktien verkauft, 6 Prozent sind short-gegangen. Die übrigen Bären haben sich nicht bewegt und an der Seitenlinie ist es mit 36 Prozent ziemlich voll. Joachim Golberg vermutet, dass die Wechsler versuchen, angesichts des fehlenden Trends die Spanne zu handeln. Der Sentiment-Index dieser Gruppe steht auf der neutralen Null-Linie. Der Verhaltensökonom wertet ihn relativ betrachtet als leicht pessimistisch. Private Anlegerinnen und Anleger haben sich kaum bewegt.

Insgesamt sei die Sentiment-technische Situation des DAX leicht positiv. An der Unterseite erwartet Goldberg Käufe der Bären bei ca. 24.300 Punkten und erneut zwischen 24.100 und 24.150 Punkten. Nach oben stört jetzt weniger Angebot der Bullen.

11. Februar 2026. FRANKFURT (Goldberg & Goldberg). Zwei grundverschiedene Wochenhälften mussten nicht nur die Börsianer hierzulande seit unserer vergangenen Stimmungserhebung durchleben. Zunächst ging es auch mit dem DAX wieder einmal nach unten, nicht zuletzt weil die US-Börsen die Nachwirkungen verarbeiten mussten, die sich aus dem Rückzug der Anleger aus Tech-Aktien ergeben hatten. Dann zu Wochenbeginn frischer Wind, der den DAX erneut nach oben trieb, so dass per heute sogar ein Wochenplus von 0,9 Prozent übrig blieb. Dass die Kursentwicklung mancherorts als hektisch wahrgenommen wurde, mag auch an der Entwicklung von Gold und Silber gelegen haben – vor allem bei Letzterem gab es noch einmal einen heftigen Nachschlag nach unten, bevor später auch dort, beginnend mit einer Erholung zum Wochenschluss, die teils schweren Kursverluste beinahe wieder wettgemacht wurden.

Was jedoch den DAX angeht, stellen wir fast eine deckungsgleiche Breite zum Handelsband der vergangenen Sentiment-Woche fest, und wer nicht dabei war, könnte abschließend fast ein wenig verharmlosend konstatieren, dass es wieder einmal viel Lärm um nichts gegeben habe.

Optimismus vertrieben

Unterdessen hat sich bei den von uns befragten institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont doch etwas getan: Unser Deutsche Börse Sentiment-Index ist nämlich um 12 Punkte auf die neutrale Null-Linie gefallen. Während die Handelsspanne des DAX seit vergangenem Mittwoch mit derjenigen der Vorwoche fast identisch, ja, fast ein wenig enger war, hat sich nur an der Oberseite etwas getan. Das Bullenlager ist nämlich 6 Prozentpunkte gefallen, wobei sich per Saldo die komplette Gruppe der Wechselwilligen auf die Short-Seite bewegt hat; die Positionen wurden also um 180 Grad von bullish auf bearish gedreht. Bei diesen 6 Prozent aller Befragten handelt es sich vermutlich um einen eher kurzfristig orientierten Anteil des institutionellen Panels. Bei den Bären gab es offenbar keinen Drang, die zwischenzeitlichen Gewinne im fallenden Markt mitzunehmen.

Privater Sonderweg

Bei den Privatanlegern ist es zu recht bemerkenswerten Veränderungen gekommen. Auch wenn unser Deutsche Börse Sentiment-Index lediglich um 3 Punkte auf einen neuen Stand von +20 gefallen ist, waren es keineswegs diejenigen Privatanleger, die wir nicht über Social Media befragen, die (im Gegensatz zu den institutionellen Investoren) bullishe Positionen abgebaut haben. Im Gegenteil: Der Sentiment-Index in dieser Untergruppe ist sogar um 9 Punkte auf einen neuen Stand von +13 gestiegen, während diejenigen Privatanleger, die wir über Social Media befragen, gegen den Trend sogar bullishe Engagements abgebaut haben.

Mit der heutigen Befragung ergibt sich also eine deutliche Stimmungskluft zwischen Privatanlegern und institutionellen Investoren. Auch wenn bei Letzteren ein absolut neutraler Indexstand von +/-0 angezeigt ist, ergibt sich in der relativen Betrachtung vor allem auf Sicht von drei Monaten dennoch ein negativer Unterton. Darüber hinaus haben die jüngsten Abgaben der institutionellen Investoren dem DAX nichts anhaben können, so dass die Sentiment-technische Situation des Börsenbarometers am Ende leicht positiv bleibt.

Selbst wenn der DAX noch einmal unter Druck geraten sollte, erwarten wir Nachfrage aus den jüngsten bearishen Engagements kurz oberhalb der bisherigen Zwei-Wochentiefs bei ca. 24.300 Zählern, aber auch zwischen 24.100 und 24.150 Zählern. Die Oberseite ist nach den jüngsten Abgaben etwas durchlässiger, wobei zwischen 25.400 und 25.500 Zählern vermutlich mit frischem Angebot aus der Gruppe der neutral gestimmten Investoren gerechnet werden kann – sie macht mit 36 Prozent aller Befragten die Mehrheit bei den institutionellen Investoren aus.

von Joachim Goldberg

11. Februar 2026, © Goldberg & Goldberg für Deutsche Börse

Videokommentar

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Sentiment-Index institutioneller Anleger*innen

Bullish Bearish Neutral
Total 32% 32% 36%
ggü. letzter Erhebung -6% +6% unv.

DAX (Veränderung zu vergangener Erhebung): 24.930 Punkte (+230 Punkte zur letzten Erhebung)
Deutsche Börse Sentiment-Index institutionell Anlegende: 0 Punkte (-12 Punkte zur letzten Erhebung)

Sentiment-Index privater Anleger*innen

Bullish Bearish Neutral
Total 49% 29% 22%
ggü. letzter Erhebung -4% -1% +5%

DAX (Veränderung zu vergangener Erhebung): 24.930 Punkte (+230 Punkte zur letzten Erhebung)
Deutsche Börse Sentiment-Index privat Anlegende: 20 Punkte (-3 Punkte zur letzten Erhebung)

Über den Deutsche Börse Sentiment-Index

Der Deutsche Börse Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positive in negative Werte markiert die neutrale Linie.