Kommentar
09:25 Uhr, 09.02.2026

Wochenausblick: „Nervosität groß, Volatilität zum Teil sehr hoch“

Das Misstrauen in die Tech-Bewertungen steigt, Gold und Silber schwanken weiter stark. So mancher hält die Erwartungen an die Unternehmen und speziell die KI-Branche ohnehin für überzogen.

Erwähnte Instrumente

9. Februar 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Alphabet, Meta, Amazon – die Zweifel an den umfangreichen KI-Investitionen der Tech-Unternehmen steigen. Zudem wurden zuletzt neue KI-Systeme präsentiert, die zu einer deutlich günstigeren Produktion von Software-Dienstleistungen führen könnten. „Das KI-Unternehmen Anthropic stellte ein KI-Produktivitätstool für interne Rechtsabteilungen von Unternehmen vor, welches von Experten teilweise als bahnbrechend eingestuft wurde", berichtet Commerzbank-Analyst Andreas Hürkamp.

Zum Wochenschluss hat sich der Nasdaq 100 zwar etwas erholt, unter dem Strich stand aber immer noch ein deutliches Wochenminus. Der Dow Jones ist hingegen über die „magische" Marke von 50.000 Punkten geklettert. „Die Nervosität an den Finanzmärkten ist groß und die Volatilität zum Teil sehr hoch – vor allem bei Edelmetallen, Kryptowährungen und Tech-Aktien“, erklärt Ralf Umlauf von der Helaba.

Der DAX (<DE0008469008>) steht am Montagmorgen bei 24.800 Punkten nach 24.721 am Freitag zu Handelsschluss und 25.508 Zählern im Rekordhoch Mitte Januar. Der Stoxx Europe 600 (<EU0009658202>) notiert weiter knapp unter seinem Allzeithoch. Der Goldpreis liegt am Montagmorgen bei 5.010 US-Dollar nach Schwankungen zwischen 4.330 und 5.570 US-Dollar dieses Jahr, der Silberpreis bei 81 US-Dollar nach Schwankungen zwischen 72 und 122 US-Dollar. Leicht erholt, aber immer noch schwach zeigt sich der Bitcoin mit aktuell gut 70.000 US-Dollar.

„Nur Phase erhöhter Selektivität“

Martin Zurek von der Weberbank sieht es als gutes Zeichen, dass die Kursrückgänge bei einigen Tech-Unternehmen mit festeren Kursen in anderen Segmenten einhergingen. „Eine generelle Risikoscheu blieb aus.“ Die jüngste Schwäche im Tech-Sektor sei nicht das Ende des strukturellen KI-Trends, sondern eine Phase erhöhter Selektivität.

Laut Markus Reinwand von der Helaba waren die Erwartungen allerdings zu hoch. Ihm zufolge haben bislang 57 Prozent der S&P 500-Unternehmen ihre Zahlen vorgelegt, rund 79 Prozent hätten die Konsensschätzungen übertroffen. Aus dem Tech-Sektor seien es 55 Prozent, davon hätten sogar 97 Prozent die Gewinnschätzungen übertroffen. „Dass die Anleger damit dennoch nicht zufrieden sind und umschichten, zeigt, wie hoch die tatsächlichen Erwartungen waren“, betont er. „Gut ist nicht mehr genug – es muss schon deutlich besser kommen.“ Wahrscheinlicher als eine Fortsetzung der Rekordjagd sei nun ein Konsolidierungskurs. Den DAX sieht die Bank zum Jahresende bei 25.000 Punkten.

Schwellenländer als Alternative?

Ulrich Stephan von der Deutschen Bank verweist auf das in diesem Jahr stark gestiegene Interesse an Schwellenländeraktien. „Getrieben von der US-Dollar-Schwäche und der Suche nach Alternativen zu US-Vermögenswerten haben Anleger bereits über 39 Milliarden US-Dollar in Schwellenländeraktienfonds gelenkt – die stärksten Nettomittelzuflüsse seit über 20 Jahren", stellt er fest. Besonders die günstig bewerteten lateinamerikanischen Aktienmärkte hätten profitiert, in Asien vor allem Südkorea und Taiwan. „Für die im MSCI Emerging Markets Index gelisteten Unternehmen haben Analysten ihre Gewinnerwartungen für 2026 in den vergangenen drei Monaten um rund 8 Prozent angehoben – insgesamt liegen die Gewinnwachstumserwartungen nun bei 22 Prozent“, erklärt Stephan.

Aufgrund der kurzzeitigen Schließung von US-Regierungsbehörden werden einige für die vergangene Woche erwarteten US-Zahlen erst diese Woche veröffentlicht. Außerdem geht die Berichtssaison weiter. In Deutschland legen unter anderem Siemens, Siemens Energy, Commerzbank, Deutsche Börse und Mercedes-Benz die Bücher offen. In den USA hat im Technologiesektor mittlerweile ein Großteil der Schwergewichte Quartalsberichte vorgelegt.

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten

Mittwoch, 11. Februar

14.30 Uhr. USA: Arbeitsmarktzahlen Januar. Der Arbeitsmarkt dürfte trotz des kräftigen Wirtschaftswachstums auf der Stelle treten, meint die Commerzbank. Sie erwartet ein Stellenplus von 80.000 und eine Arbeitslosenquote von 4,4 Prozent.

Donnerstag, 12. Februar

8.00 Uhr. Großbritannien: BIP viertes Quartal. Die DekaBank rechnet mit einem moderaten Plus von 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Auf Jahressicht liege das BIP-Wachstum 2025 wohl bei 1,4 Prozent – ähnlich wie in der Eurozone.

Freitag, 13. Februar

14.30 Uhr. USA: Verbraucherpreise Januar. Der Rückgang der Inflation dürfte sich der Deutschen Bank zufolge fortgesetzt haben. Erwartet werde im Konsens ein Rückgang der jährlichen Teuerungsrate von 2,7 auf 2,5 Prozent. Sinke zugleich die jährliche Kernrate wie erwartet von 2,6 auf 2,5 Prozent, sei dies der niedrigste Stand seit fast fünf Jahren.

Von Anna-Maria Borse, 9. Februar 2026, © Deutsche Börse AG

Über die Autorin

Anna-Maria Borse ist Finanz- und Wirtschaftsredakteurin mit den Schwerpunkten Finanzmarkt/Börse und volkswirtschaftliche Themen.

Feedback und Fragen an live@deutsche-boerse.com