Anleihen: „Hohe Ausschläge sind anderswo“
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6. Februar 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Bitcoin-Absturz, Nasdaq-Schwäche, Gold- und Silberpreis-Kapriolen – die Unsicherheit an den Märkten hält an. An den Rentenmärkten bleibt es hingegen ruhig. „Es war extrem viel los diese Woche, die Anleihemärkte haben sich aber kaum verändert“, bemerkt Arthur Brunner von der ICF Bank. „Die zahlreichen Neuemissionen dieser Woche stießen auch auf gute Nachfrage“, ergänzt er mit Blick auf neue Bonds von Ländern wie Österreich, Belgien und Polen oder Unternehmen wie EnBW. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren am Freitagmittag mit 2,82 Prozent nach 2,85 Prozent in der Vorwoche.
EZB hält Füße still
Auslöser für die jüngsten Turbulenzen war die Nominierung von Kevin Warsh als künftiger US-Notenbankpräsident vergangenen Freitag. Dazu bereiten die hohen KI-Investitionen von Tech-Konzernen wie Amazon zunehmend Sorgen. Von der EZB-Sitzung am gestrigen Donnerstag kam hingegen nichts Neues. Die Zinsen blieben unverändert. Auch die Bank of England ließ die Leitzinsen unverändert. „Sollten keine erheblichen äußeren Störungen auftreten, könnte sich für EZB-Präsidentin Christine Lagarde und ihr Direktorium ein vergleichsweise ruhiges Jahr abzeichnen“, meint LBBW-Analyst Andreas da Graca.
Kein Thema ist derzeit die hohe Staatsverschuldung einiger Länder. „Die Renditeaufschläge der meisten europäischen Staatsanleihen haben seit Jahresbeginn neue Tiefstände erreicht“, berichtet Commerzbank-Analyst Hauke Siemßen. Italien steche besonders heraus: Dessen zehnjährige Anleihen rentierten nur noch 60 Basispunkte höher als entsprechende Bundesanleihen.
Unternehmensanleihen: Keine generelle Flucht aus High Yield
Auch im Bereich der Unternehmensanleihen gibt es keine Anzeichen für eine Flucht aus Riskanterem. „Der iTraxx Crossover ist auf den niedrigen Stand seit fünf Jahren gefallen“, erklärt ICF-Händler Brunner. Der iTraxx Crossover zeigt den Renditeaufschlag von High Yield- gegenüber Investment Grade-Anleihen an. Steigende Aufschläge signalisieren Unsicherheiten oder erhöhte Marktvolatilität. „Die hohen Ausschläge sind anderswo“, bemerkt auch Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Er meldet Käufe für Anleihen von Heidelberg Materials mit Fälligkeit 2036 und aktueller Rendite von 3,8 Prozent (<XS3270897575>).
Gregor Daniel
Weiter gut an kommt Brunner zufolge die Fußballclub Gelsenkirchen-Schalke-Anleihe (<DE000A460AT6>), die mittlerweile um 106 Prozent gehandelt wird.
BayWa, Mutares und TPG im Minus
Weiter nach unten ging es allerdings für BayWa (<DE000A351PD9>), wie Daniel erklärt. Das Unternehmen muss sein Sanierungskonzept neu verhandeln, da sich die Verkaufserlöse einer Tochter deutlich verringern könnten. Die unbefristete Anleihe mit 7,75 Prozent-Kupon wird jetzt nur noch zu knapp 30 Prozent gehandelt.
Brunner meldet deutliche Verluste bei regen Umsätzen für Mutares-Anleihen (<NO0012530965>) – ohne Nachrichten aus dem Unternehmen. Allerdings handelt die Anleihe der Beteiligungsgesellschaft immer noch um 100 Prozent. Abermals schwächer präsentiert sich laut Brunner zudem der Bond von The Platform Group (TPG) mit 8,875 Prozent bis 2028 (<NO0013256834>), „Der Kurs liegt jetzt nur noch bei 73,5 Prozent.“
Austral-Dollar-Bonds gesucht
Immer wieder Interesse sieht Daniel außerdem in auf australische Dollar lautende Bonds. „Grund dafür dürfte die Suche nach Diversifizierung sein“, vermutet er. Beispiele: Anleihen der Landeskreditbank Baden-Württemberg mit Laufzeit bis 2031 (<AU3CB0330298>), Vonovia bis 2032 (<AU3CB0325645>) und Deutsche Bahn bis 2027 (<AU3CB0247419>) mit Renditen von 4,83 Prozent, 5,8 Prozent und 4,48 Prozent.
Von Anna-Maria Borse, 6. Februar 2026, © Deutsche Börse AG
Über die Autorin
Anna-Maria Borse ist Finanz- und Wirtschaftsredakteurin mit den Schwerpunkten Finanzmarkt/Börse und volkswirtschaftliche Themen.
Feedback und Fragen an live@deutsche-boerse.com
