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15:00 Uhr, 13.05.2026

Marktstimmung: "Ernüchterung nach kurzer Euphorie"

Die Hoffnung auf neue Dynamik am deutschen Aktienmarkt hat sich vorerst zerschlagen: Die zuvor klare Lagerbildung unter institutionellen Investoren ist nahezu verschwunden. Laut Joachim Goldberg fehlen dem DAX ohne stärkeres internationales Interesse weiterhin tragfähige Aufwärtstrends.

Zusammenfassung

Die „Hoffnungspositionen“ der vergangenen Woche haben sich quasi in nichts aufgelöst. Ließ sich am vergangenen Mittwoch bei den institutionellen Investoren noch eine starke Polarisierung zwischen Bullen und Bären beobachten (mit leichtem Vorteil für die Bullen), so sind diese deutlichen Positionierungen fast vollumfänglich wieder verschwunden. Am Ende bleibt zwar ein leicht gestiegener Optimismus, der laut Ansicht von Joachim Goldberg den DAX allerdings nicht vor größere Probleme stellen sollte. Denn in der Betrachtung auf Sicht von mehreren Monaten sehen die absoluten Sentiment-Werte sowohl bei den institutionellen als auch bei den Privatanlegern deutlich schlechter aus. Solange sich die internationalen Investoren jedoch nicht wieder stärker für europäische Werte erwärmen können, bleiben nachhaltige Trends beim DAX Mangelware.

13. Mai 2026. FRANKFURT (Goldberg & Goldberg). Es dürfte in der vergangenen Woche nicht wenige Akteure gegeben haben, die dem Sprung des DAX über die 25.000er Hürde misstraut haben. Mittlerweile ist der diesem Sprung zugerechnete neue Optimismus, dass sich die Lage im Iran-Krieg tatsächlich zum positiven ändern könnte, längst verpufft. Dies hat sich natürlich auch in der Entwicklung des DAX niedergeschlagen, denn am vergangenen Freitag machte das Börsenbarometer wieder einen Sprung nach unten. Betrachtet man das Ganze auf einer Chart, sehen die Kursausschläge des vergangenen Mittwoch und Donnerstag aus wie eine vom übrigen Geschehen abgetrennte Insel. Statt eines Versuchs, womöglich das nicht mehr allzu weit entfernte Rekordhoch des DAX zu testen, gab es also eine „Rückkehr zum Tagesgeschäft“, nachdem der DAX zuvor von der Spitze seit unserer vergangenen Stimmungserhebung gerechnet fast 5 Prozent an Wert verloren hatte.

Nun hat sich vordergründig betrachtet an der Stimmung der von uns befragten institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont erneut gar nicht viel geändert. Denn unser Deutsche Börse Sentiment-Index steigt gerade einmal um 3 Punkte auf einen neuen Stand von +18.

Rückzug an die Seitenlinie

Bei genauem Hinsehen zeigt sich allerdings, dass die starke Polarisierung zwischen Bullen und Bären aus der Vorwoche fast vollumfänglich zurückgegangen ist. So fällt die Gruppe der Optimisten um 4 Prozentpunkte, nachdem sie vor Wochenfrist noch um 6 Prozentpunkte gestiegen war – das am vergangenen Mittwoch noch um 8 Prozentpunkte gewachsene Bärenlager hat sich fast komplett reduziert. Und somit registrieren wir bei denjenigen, die nun von einem unveränderten DAX ausgehen, einen Zuwachs von 11 Prozentpunkten. Hinter dem Rückgang der Polarisierung dürften zumindest teilweise Gewinnmitnahmen von Bullen und Bären gleichermaßen stehen; per Saldo bedeutet diese Veränderung jedoch eine gewisse Ernüchterung der Börsianer.

Bei den Privatanlegern hat sich der Deutsche Börse Sentiment-Index gegenüber der Vorwoche um 4 Punkte auf einen neuen Stand von +2 zurückgebildet. Hier ist es zu Gewinnmitnahmen aus bullishen Engagements gekommen – unter dem Strich hat man sich in diesem Panel allerdings nicht auf die Short-Seite getraut. Klammert man jedoch diejenigen Anlegenden aus, die wir nicht über Social Media befragt haben, wird deutlich, dass es zumindest einen Teil der vormals bullishen Anlegenden auf die Short-Seite getrieben hat. Allerdings in überschaubarem Ausmaß. Der Sentiment-Index in dieser Untergruppe fällt daher um 6 Punkte auf einen neuen Stand von -9. Die über Social Media befragten Privatanleger sind dagegen naturgemäß viel bullisher als die übrigen Teilnehmer des Panels.

Am Ende hat sich die Stimmungskluft zwischen Privatanlegern und institutionellen Investoren gegenüber der Vorwoche noch einmal etwas vergrößert. Bei den institutionellen Investoren bleibt dabei eine bullishe Mehrheit von 46 Prozent aller Befragten, die durchaus eine gewisse Belastung für den DAX darstellen dürfte. Allerdings wirkt der absolute Indexstand von +18 nicht wirklich bedrohlich, zumal sich dieser in der maßgeblicheren relativen Sicht auf drei und sechs Monate praktisch auf ein neutrales Niveau reduziert. Bei den Privatanlegern müssen wir bei dieser Betrachtungsweise sogar von einem relativen Pessimismus derjenigen sprechen, die wir nicht über Social Media befragen und bei denen wir häufig ähnliche Verhaltensweisen wie bei den institutionellen Investoren feststellen.

Dem DAX hilft diese neue Positionierung insgesamt allerdings nicht wirklich. An der Oberseite ist eine gewisse Bremse aus möglichen Gewinnmitnahmen der Optimisten sichtbar, während die Unterseite nicht ausreichend geschützt ist. Wie bereits schon in der vergangenen Woche erwähnt, ist der DAX für einen nachhaltigen Anstieg auf die Hilfe langfristiger Kapitalzuflüsse angewiesen, am besten aus dem Ausland. Allerdings bleibt fraglich, ob internationale Investoren bei der derzeitigen geopolitischen Lage europäischen Aktien gegenüber anderen tatsächlich den Vorzug geben werden.

von Joachim Goldberg

13. Mai 2026, © Goldberg & Goldberg für Deutsche Börse

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Sentiment-Index institutioneller Anleger*innen

Bullish Bearish Neutral
Total 46% 28% 26%
ggü. letzter Erhebung -4% -7% +11%

DAX (Veränderung zu vergangener Erhebung): 24.170 Punkte (-580 Punkte zur letzten Erhebung)
Deutsche Börse Sentiment-Index institutionell Anlegende: 18 Punkte (+3 Punkte zur letzten Erhebung)

Sentiment-Index privater Anleger*innen

Bullish Bearish Neutral
Total 40% 38% 22%
ggü. letzter Erhebung -4% +0% +4%

DAX (Veränderung zu vergangener Erhebung): 24.170 Punkte (-580 Punkte zur letzten Erhebung)
Deutsche Börse Sentiment-Index privat Anlegende: 2 Punkte (-4 Punkte zur letzten Erhebung)

Über den Deutsche Börse Sentiment-Index

Der Deutsche Börse Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positive in negative Werte markiert die neutrale Linie.