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Kommentar
14:30 Uhr, 12.05.2026

Aus dem ETF Magazin: "Krisengewinner"

Die rasant gestiegenen Öl- und Gaspreise geben den Aktien der Produzenten mächtig Rückenwind. Einige ETFs ermöglichen ein diversifiziertes Investment in den Energiesektor. Das ETF Magazin nennt sie.

Die rasant gestiegenen Öl- und Gaspreise geben den Aktien der Produzenten mächtig Rückenwind. Einige ETFs ermöglichen ein diversifiziertes Investment in den Energiesektor.

12. Mai 2026. MÜNCHEN (ETF Magazin). Der Iran-Krieg hat die Energiemärkte abrupt in Bewegung versetzt. Innerhalb weniger Tage stieg der Ölpreis um 50 Prozent. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ist faktisch unterbrochen. Immer mehr Ölfelder und Raffinerien am Persischen Golf stellen den Betrieb ein. Plötzlich ist das Angebot auf dem Öl- und Gasmarkt beängstigend knapp. Durch die Meerenge an der iranischen Küste fließt ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gasexporte. Doch nicht nur die Preise der Energieträger ziehen an, auch viele Aktien der Öl- und Gasbranche legen zu – und mit ihnen die Kurse entsprechender Branchen-ETFs. Die Logik hinter der Rally ist simpel: Der Preisschock hebelt die Gewinne der Produzenten nach oben. „Energiewerte profitieren von höheren Ölfördermargen“, erklärt Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank.

Für die Öl- und Gasindustrie kommt der Anstieg der Energiepreise zu einem günstigen Zeitpunkt. Nach den außergewöhnlich hohen Gewinnen der Jahre 2022 und 2023 hatten sich Ölpreise und Aktienkurse zuletzt deutlich normalisiert. Viele Konzerne reagierten darauf mit strenger Kostenkontrolle und einer deutlich vorsichtigeren Investitionspolitik.

Gleichzeitig wachsen seit einiger Zeit die Fördermengen langsamer als in früheren Zyklen. „Investoren verlangen heute Kapitaldisziplin statt Produktionswachstum“, berichtet ein Energieanalyst von TD Cowen. Viele Unternehmen hätten aus früheren Ölpreiszyklen gelernt und investierten deutlich selektiver. Die niedrigere Kostenbasis zahlt sich nun aus: Selbst bei moderaten Ölpreisen sind heute viele Produzenten profitabel. Bei den aktuell hohen Preisen verdienen sie glänzend. Steigende Preise erhöhen unmittelbar Umsatz und Cashflow.

Hohe Dividenden

Für Anleger ist der Sektor auch wegen seiner Ausschüttungen attraktiv. Öl- und Gasunternehmen gehören zu den dividendenstärksten Branchen am Aktienmarkt. „Vier bis fünf Prozent Dividendenrendite sind im Sektor ohne Weiteres möglich“, schwärmt David Wehner vom Münchener Vermögensverwalter FGTC Investment. Er schätzt die „stabilen und hohen Dividendenausschüttungen der Ölmultis“ als Renditegarant in Seitwärtsmärkten. Viele Ölkonzerne verfügen heute zudem über hohn Cash-Reserven und nutzen diese für Aktienrückkäufe. „Das erhöht den Gewinn pro Aktie und wirkt tendenziell kurssteigernd“, weiß Wehner.

Doch nicht nur die großen integrierten Ölkonzerne sind einen Blick wert. Interessant sind auch reine Produzenten aus den USA, wie Devon Energy, Coterra Energy oder EOG Resources. Sie profitieren besonders stark von steigenden Preisen. Ihr Geschäft konzentriert sich stärker auf die Förderung und weniger auf Raffinerie oder Chemie. Dadurch wirkt sich jeder Anstieg des Ölpreises überproportional auf Gewinne und Cashflows aus. Hinzu kommt, dass viele dieser Produzenten ihre Investitionsbudgets bewusst stabil halten. Zusätzliche Einnahmen fließen daher häufig in Schuldenabbau oder Ausschüttungen an Aktionäre.

Prächtig verdienen jetzt auch Produzenten und Exporteure von verflüssigtem Erdgas (LNG). Der Stopp der LNG-Exporte aus Katar nach iranischem Beschuss hat die Gaspreise in Europa und Asien noch kräftiger oben getrieben als den Ölpreis. Amerikanische LNG-Exporteure sind am besten positioniert, um Ersatz zu liefern – mit einer gigantischen Gewinnspanne. US-Exporteure könnten derzeit Gewinnspannen von mehr als 200 Prozent erzielen, berichten Experten.

Für Anleger aus dem Euroraum kommt noch ein weiterer Renditetreiber hinzu: der jetzt wieder aufwertende US-Dollar. Schon in vergangenen Öl-Preisschocks zog der Dollarkurs meist an. Der Dollar profitiert heute maßgeblich davon, dass die Vereinigten Staaten weniger unter den negativen Effekten des Ölpreisanstiegs leiden als Europa oder Asien, wo Öl und Gas importiert werden muss. Die USA sind dagegen kaum auf Importe angewiesen, sondern exportieren über alle Energieträger gerechnet mehr als sie einführen. Bei Flüssigerdgas (LNG) sind sie inzwischen sogar der weltweit größte Exporteur. Europa ist der wichtigste Abnehmer.

Auch Teile der amerikanischen Öl-Serviceindustrie entwickeln sich robust. Unternehmen wie SLB oder Baker Hughes melden solide Geschäftszahlen. Beide Konzerne profitieren von Investitionen in neue Fördertechnologien sowie vom weltweiten Ausbau der LNG-Infrastruktur. Vor allem Gasprojekte gewinnen an Bedeutung. Der Ausbau der Flüssiggas-Kapazitäten gilt als zentraler Baustein der globalen Energieversorgung. Unternehmen, die Ausrüstung oder Technologie für diese Projekte liefern, sehen daher weiterhin eine stabile Nachfrage.

Ganz ohne Risiken sind Investments in den Sektor jedoch nicht. So erwartet die Internationale Energieagentur weiterhin, dass das globale Ölangebot mittelfristig schneller wächst als die Nachfrage. In ihrem jüngsten Oil Market Report prognostiziert die IEA einen möglichen Angebotsüberschuss auf dem Weltmarkt. Die Prognosen der IEA entstanden allerdings noch vor dem Beginn der militärischen Eskalation im Nahen Osten.

Anhaltend attraktiv

„Die zentrale Frage ist, wie viel Angebot ausfällt und wie lange“, sagt Daniel Yergin, Vizechef des Analysehauses S&P Global. Erst wenn klar sei, wie stark Produktion und Transporte betroffen sind, lasse sich abschätzen, ob der Markt nur einen kurzfristigen Preisschock erlebe oder eine länger anhaltende Angebotsverknappung. Sollten Förderanlagen, Exportterminals oder wichtige Transportwege tatsächlich beeinträchtigt werden, könnte sich die Angebotslage deutlich schneller verknappen als in den bisherigen IEA-Szenarien angenommen.

„Solange die Straße von Hormus blockiert bleibt, dürfte sich die Lage am Ölmarkt kaum entspannen. Im Gegenteil, es ist sehr wahrscheinlich, dass der Preis zunächst weiter steigt“, urteilt Sonja Marten, Chefvolkswirtin der DZ Bank. Doch selbst wenn sich die Situation am Ölmarkt wieder entspannt und der Anstieg der Öl- und Gaspreise endet, dürfte ein Investment in Ölaktien lohnen „Nach einer zu erwartenden Preiskorrektur verlieren Öl-Konzerne ad hoc zwar an Stimulanz. Da sie mittlerweile jedoch deutlich kosteneffizienter produzieren und ordentlich Dividende zahlen, bleiben sie langfristig attraktiv“, sagt Halver.

Dazu kommt, dass offensichtlich viele Ölproduzenten den Preissprung genutzt haben, um sich über entsprechende Termingeschäfte auch für die Zukunft höhere Verkaufspreise zu sichern. Das spricht dafür, dass nicht nur der aktuelle Spotpreis zählt, sondern ein Teil des Schubs eingefroren wurde und so auch in den kommenden Quartalen die Gewinne der Förderer unterstützen dürfte.

Aussichtsreiche Indexfonds

Einige ETFs bieten Zugang zu den Unternehmen der Branche – und könnten ein gutes Gegengewicht zu wackelnden, anderen Portfolio-Bausteinen sein. Am aussichtsreichsten erscheint der iShares Oil & Gas Exploration & Production ETF. Er bildet den S&P Commodity Producers Oil & Gas Exploration & Production Index ab und ist der einzige UCITS-ETF, der ausschließlich auf Exploration und Förderung zielt. Zu den rund 65 Aktien im ETF-Portfolio gehören zum einen die Großen dieses Segments, wie Canadian Natural Resources und ConocoPhillips. Zum anderen investiert der ETF jedoch auch in mittelgroße Produzenten wie EOG Resources, Diamondback, Devon Energy und Coterra. Der Anteil der US-Unternehmen im ETF-Portfolio beträgt aktuell 62 Prozent, kanadische Gesellschaften kommen auf 22 Prozent Gewicht. Mit einer Kostenquote (TER) von 0,55 Prozent ist dieser ETF leider vergleichsweise teuer.

Wesentlich preiswerter ist der Xtrackers MSCI USA Energy ETF, mit einer TER von nur 0,12 Prozent. Er folgt einem MSCI-Index für große und mittlere US-Energiewerte. Zu den Top-Positionen im Portfolio gehören die großen integrierten Konzerne Exxon und Chevron, aber auch reine Produzenten wie ConocoPhillips und EOG, sowie Raffinerien wie Marathon Petroleum und große Ölservicefirmen wie SLB. Explorations- und Produktionsgesellschaften belegen rund 50 Prozent des Portfolios dieses ETFs. Exxon und Chevron kommen zusammen auf etwa 40 Prozent Anteil. Strukturell ähnlich ausgerichtet ist der iShares MSCI World Energy Sector ETF, jedoch mit einer etwas höheren Quote integrierter Gesellschaften. Und er hält nicht nur US-Unternehmen, sondern auch große europäische Konzerne wie Shell und BP.

Der VanEck Oil Services ETF investiert in Unternehmen aus dem Bereich Offshore-Technik, Förderausrüstung und Engineering-Dienstleistungen. Zu den größten Positionen zählen SLB, Baker Hughes, Halliburton und TechnipFMC. Einzelne Positionen werden auf maximal zehn Prozent Anteil begrenzt.

Der Alerian Midstream Energy Dividend ETF investiert in Betreiber von Pipelines, Speicheranlagen und Energieinfrastruktur. Viele dieser Unternehmen sind zuverlässige Dividendenzahler. Ihre Einnahmen stammen überwiegend aus langfristigen Transportverträgen und werden regelmäßig ausgeschüttet. Gleichzeitig profitieren sie vom Ausbau der US-Gasproduktion und der steigenden Nachfrage nach Flüssigerdgas (LNG), da ein großer Teil der exportierten Gasmengen über ihre Pipeline- und Speicherinfrastruktur zu den LNG-Terminals transportiert wird.

Von Uli Kühn, März 2026, © ETF Magazin

Der Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe des ETF Magazins, dem Fachjournal für Profis und informierte Anleger*innen.