Konsumfreude heimischer Konsumenten aus den Schwellenländern
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Frankfurt (BoerseGo.de) - Die Konsumfreude breiter Bevölkerungskreise aus den aufstrebenden Emerging Markets hält an“, sagt Tilmann Galler, Client Portfolio Manager bei J.P. Morgan Asset Management. Insgesamt verlangsame sich zwar das weltweite Wachstum, Galler ist sich jedoch sicher, dass die Schwellenländer weiterhin höhere Wachstumsraten vorlegen werden als beispielsweise die USA, die Eurozone oder Japan. Ein weiteres Plus der aufstrebenden Nationen ist, dass sie ihre Schulden im Griff haben: Gemessen am Brutto-Inlandsprodukt (BIP) beträgt das Schuldenniveau weniger als die Hälfte vom dem der Industrieländer. So weisen die Mitgliedsstaaten der 20 größten Industrienationen eine Verschuldung von mehr als 100 Prozent ihres BIPs auf, während die 20 größten Schwellenländer eine Quote von rund 35 Prozent verzeichnen. „Der Schuldenabbau vieler Industriestaaten unterstreicht die relative Attraktivität der Schwellenländer“, sagt Galler.
Von der soliden Haushaltsführung der Staaten profitieren nicht nur weite Bevölkerungskreise, sondern vor allem kleine und mittelgroße Unternehmen aus der Region. „Während Industrienationen tendenziell höhere Steuern verlangen, können immer mehr Menschen aus den sich entwickelnden Ländern ihr Geld für Konsum ausgeben“, weiß Galler. Gerade kleine und mittelgroße Firmen zielen auf die lokale Binnenwirtschaft ab und profitieren von diesem sich verfestigenden Trend in besonderem Maße. Zudem sind die Gesellschaften weniger anfällig von Nachfrageausfällen der Konsumenten aus den Industrienationen. So rechnet Galler trotz sich eintrübender Aussichten beispielsweise für China mit einem Wirtschaftswachstum von neun Prozent in diesem Jahr. Für kleinkapitalisierte und auf die chinesische Binnenwirtschaft ausgerichtete Unternehmen bedeutet dies auch für die nähere Zukunft ein im Vergleich zu Industrienationen überdurchschnittliches Wachstumspotenzial. Von jeder Beruhigung der Märkte müssten insbesondere Aktien von kleineren Unternehmen überproportional profitieren. Auch Indien sollte trotz kräftiger Zinserhöhungen ein Wirtschaftswachstum von rund acht Prozent erzielen. „Nach den deutlichen Kursverlusten der vergangenen zwölf Monate wird jetzt Brasilien unter Bewertungsaspekten zunehmend interessant“, sagt Galler.
Vorsicht ist auf der Zinsseite geboten. Zwar liegt der Leitzins in Brasilien mit mehr als zwölf Prozent auf einem hohen Niveau, aber auch in China und Russland ist die Kreditaufnahme mit Leitzinssätzen von 6,56 Prozent und 8,25 Prozent nicht mehr günstig. „Die Notenbanken werden von ihrem restriktiven Pfad abweichen und schon mittelfristig wieder eine expansivere Geldpolitik betreiben“, sagt Galler und begründet diese Maßnahme mit den sinkenden Sorgen vor einem Ausufern der Inflation aufgrund der wirtschaftlichen Schwäche der Industrieländer und dem rückläufigen Ölpreis.
Von den jüngsten Kursrückgängen an den Kapitalmärkten lässt sich Galler nicht irritieren: „Die Aktienkurse von Unternehmen aus den aufstrebenden Nationen können sich nicht vollständig von den Entwicklungen der weltweiten Finanzmärkte lösen, bei einer Kurserholung sind Aktien von kleinen Unternehmen aus den Schwellenländern jedoch ganz weit vorn“, so Galler. Auch unter Berücksichtigung der Aktienbewertung erscheinen Aktien aus den Schwellenländern attraktiv. Mit einem Kurs-Buchwertverhältnis von 1,6 sind die Titel jetzt auf einem Bewertungsniveau, das in der Vergangenheit immer ein guter Einstiegszeitpunkt war“, zeigt Galler auf.
„Vor diesem Hintergrund sollten sich Anleger jetzt sukzessive in diesem interessanten Segment engagieren“, betont auch Christoph Bergweiler, Vertriebsleiter bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt. Allerdings sollten Investoren über detaillierte Kenntnisse der jeweiligen Marktverhältnisse verfügen. „Nur dann können Anleger die Chancen von Aktien der kleinen Unternehmen in Schwellenländern optimal nutzen“, so Bergweiler.
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