Analyse
13:30 Uhr, 23.06.2026

JPMorgan sieht bei IBM nach Kursrutsch Kaufchance

JPMorgan traut dem IBM wieder deutlich mehr Dynamik zu und setzt dabei vor allem auf ein Geschäft, das IBM in den vergangenen Jahren konsequent ausgebaut hat: Software.

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  • ISIN: US4592001014Kopiert
    Kursstand: 252,220 $ (NYSE) - Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung
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  • Int. Business Machines (IBM) - WKN: 851399 - ISIN: US4592001014 - Kurs: 252,220 $ (NYSE)

Analyst Brian Essex stufte die Aktie heute von "Neutral" auf "Overweight" hoch und erhöhte das Kursziel von 270 auf 291 USD. Gemessen am jüngsten Schlusskurs von 252 USD ergibt sich daraus ein rechnerisches Aufwärtspotenzial von rund 15 %. Die Begründung der Bank ist klar: IBM werde zunehmend von seinem höherwertigen Softwaremix getragen, und genau dort erwartet JPMorgan ab der zweiten Jahreshälfte 2026 eine spürbare Wachstumsbeschleunigung.

Der Kern der neuen Kaufempfehlung liegt damit nicht im klassischen Hardwaregeschäft und auch nicht allein im Beratungsgeschäft. JPMorgan sieht den entscheidenden Hebel vielmehr in der Software-Sparte, die für die Börsenbewertung des Konzerns immer wichtiger wird. Je stärker IBM den Anteil margenstarker Softwareumsätze ausbaut, desto weniger wirkt der Konzern wie ein zyklischer IT-Dienstleister und desto stärker wie ein struktureller Profiteur von Cloud, Automatisierung und Künstlicher Intelligenz.

Zwar bleibt die Tochter Red Hat kurzfristig nicht frei von Risiken. Die Analysten verweisen auf mögliche Schwächen bei RHEL, der Enterprise-Linux-Plattform, weil sich das Serverwachstum branchenweit abschwächt. Doch dieser Gegenwind dürfte nach Einschätzung von JPMorgan durch mehrere Wachstumstreiber mehr als aufgefangen werden. Im Mittelpunkt steht OpenShift, IBMs Plattform für containerisierte Anwendungen. Sie profitiert davon, dass Unternehmen ihre IT-Architekturen für KI-Anwendungen modernisieren und flexibler machen müssen.

KI wird bei IBM laut JPMorgan nicht nur als Schlagwort gehandelt, sondern als Treiber konkreter Infrastrukturentscheidungen bei Unternehmenskunden. Wer KI-Modelle produktiv einsetzen will, braucht skalierbare, automatisierte und hybride IT-Umgebungen. Genau dort sieht JPMorgan OpenShift besser positioniert als bislang vom Markt eingepreist.

HashiCorp und Confluent sollen das Profil schärfen

Zusätzliche Fantasie entsteht durch IBMs Zukäufe. Die Integration von HashiCorp könnte das Automatisierungsgeschäft beleben, zumal Cloud-Infrastruktur inzwischen nicht mehr nur ein Thema für IT-Abteilungen ist. Die Steuerung komplexer, hybrider Systeme rückt zunehmend auf die Agenda von Vorständen, weil sie über Effizienz, Sicherheit und Geschwindigkeit digitaler Geschäftsmodelle entscheidet.


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Auch die geplante Einbindung von Confluent spielt in diese Logik hinein. Datenströme in Echtzeit werden für Unternehmen wichtiger, wenn sie KI-Anwendungen, Analyseplattformen und digitale Prozesse miteinander verzahnen wollen. Für IBM bietet sich damit die Chance, seine Softwarearchitektur stärker entlang der zentralen Zukunftsthemen Daten, Automatisierung und KI auszurichten.

Hinzu kommt das weiterhin robuste Mainframe-Geschäft. JPMorgan verweist auf mögliche Impulse im Transaction Processing durch den aktuellen z17-Zyklus. Zwar wird IBM demnächst anspruchsvollere Vergleichswerte aus dem jüngsten Mainframe-Zyklus hinter sich lassen müssen. Für die langfristige Börsenstory ist das aus Sicht der Analysten jedoch weniger entscheidend als die strukturelle Beschleunigung im Softwaregeschäft.

Beratung bleibt der wunde Punkt

Nicht jeder Teil der IBM-Story glänzt. Das Consulting-Geschäft bleibt anfällig, vor allem in Europa und im Geschäft mit US-Bundesbehörden. Die jüngsten Zahlen von Accenture deuten darauf hin, dass Kunden bei großen Transformationsprojekten vorsichtiger agieren. Das belastet die Branche und dürfte auch an IBM nicht spurlos vorbeigehen.

JPMorgan hält die Risiken dennoch für beherrschbar. Die Erwartungen an IBMs Beratungsgeschäft seien bereits niedrig, zudem gelte das Unternehmen in bestimmten Segmenten als widerstandsfähiger als Wettbewerber. Interessanter ist der zweite Teil der These: IBM könnte seine Consulting-Sparte durch "Service-as-Software"-Modelle profitabler machen. Gemeint ist ein stärker standardisiertes, softwaregestütztes Angebot, bei dem KI-basierte digitale Arbeitskräfte und Automatisierungslösungen eine größere Rolle spielen.

Damit würde sich auch das Beratungsmodell verschieben. Weg von rein personalintensiven Projekten, hin zu skalierbaren Lösungen mit besserer Marge. Gelingt dieser Übergang, könnte IBM nicht nur mehr Wachstum, sondern auch eine höhere Qualität der Erlöse zeigen.

Neben den operativen Treibern sieht JPMorgan auch Raum für eine höhere Bewertung. Sollte der Markt IBM stärker als Profiteur des KI-Infrastrukturbooms wahrnehmen, könnte sich der Bewertungsmultiplikator ausweiten. Bislang steht IBM in der KI-Debatte weniger im Rampenlicht als die großen Cloud- und Chipkonzerne. Genau darin liegt aus Sicht der Bank offenbar ein Teil der Chance.

Ein weiterer, langfristiger Hebel bleibt das Quantencomputing. Fortschritte auf dem Weg zu einem fehlertoleranten Quantencomputer könnten die Wahrnehmung des Konzerns erheblich verändern. Noch ist dieses Thema für die kurzfristige Gewinnentwicklung kaum entscheidend. Für die Bewertung von IBM kann es jedoch zu einem wichtigen Optionswert werden.

Fazit: Die IBM-Aktie hat bereits viel Vertrauen zurückgewonnen. Doch JPMorgan setzt darauf, dass der Markt die Qualität des Softwaregeschäfts noch nicht vollständig erfasst hat. Die Chancen liegen in einer beschleunigten Dynamik im Softwaregeschäft, besseren Margen und zusätzlicher KI-Fantasie. Das Risiko bleibt, dass IBM den Beweis für nachhaltiges Wachstum erst noch liefern muss. Persönlich halte ich IBM mit einem 20er-KGV erstmal für gut bezahlt. Das Wachstum muss für eine höhere Bewertung zulegen.

Weitere Analysen & News zur Aktie unserer Redaktion findest Du hier.

Jahr 2025 2026e* 2027e*
Umsatz in Mrd. USD 67,54 71,47 74,60
Ergebnis je Aktie in USD 11,59 12,45 13,45
KGV 22 20 19
Dividende je Aktie in USD 6,70 6,75 6,79
Dividendenrendite 2,66% 2,68% 2,69%

*e = erwartet, Berechnungen basieren bei
US-Unternehmen auf Non-GAAP-Daten

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