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Kommentar
13:44 Uhr, 11.10.2026

JPMorgan-Aktie im Blick: Analysten erwarten 17 Prozent mehr Gewinn pro Aktie

Goldesel Kompakt

Das Wichtigste in Kürze

  1. 01Zahlen am Dienstag: JPMorgan veröffentlicht die Q3-Ergebnisse am 13.10.2026 gegen 7:00 Uhr ET; der Analystencall folgt um 8:30 Uhr ET.
  2. 02Hohe Gewinnerwartung: Laut MarketBeat erwarten Analysten 5,93 US-Dollar Gewinn je Aktie und 51,23 Mrd. US-Dollar Umsatz, bei einem EPS-Wachstum von 17,0 Prozent.
  3. 03Bankaktien unter Druck: Der Invesco KBW Bank ETF lag laut CNBC rund 12 Prozent unter seinem Hoch von Mitte August, während S&P 500 und Nasdaq neue Rekordstände erreicht hatten.

17,0 Prozent mehr Gewinn je Aktie erwarten Analysten für das dritte Quartal. Damit steht JPMorgan vor den Zahlen am Dienstag, 13. Oktober 2026, vor einer hohen Messlatte. Zugleich beginnt in der kommenden Woche die US-Bankenberichtssaison in einem widersprüchlichen Umfeld: Laut CNBC lag der Invesco KBW Bank ETF zuletzt rund 12 Prozent unter seinem Hoch von Mitte August, während S&P 500 und Nasdaq neue Rekordstände erreicht hatten. Steigende Anleiherenditen und Sorgen um Finanzierungskosten belasten die Branche. Bei JPMorgan treffen diese Sorgen auf eine nach dem zweiten Quartal angehobene Jahresprognose.

5,93 US-Dollar je Aktie sind die Messlatte

JPMorgan wird die Ergebnisse des dritten Quartals am 13.10.2026 gegen 7:00 Uhr ET veröffentlichen. Der Analystencall ist für 8:30 Uhr ET angesetzt, wie die Bank in ihrer Terminankündigung für die Quartalszahlen mitteilt. Für dich liegen damit Ergebnisveröffentlichung und Erläuterungen des Managements am selben Morgen, aber zeitlich getrennt. Die erste Zahl zum Gewinn ist also nur ein Teil des Berichts.

Laut MarketBeat erwarten Analysten einen Gewinn von 5,93 US-Dollar je Aktie und einen Umsatz von 51,23 Mrd. US-Dollar. Das erwartete Gewinnwachstum gegenüber dem Vorjahresquartal beträgt 17,0 Prozent. Zum Vergleich: FactSet erwartete für die Bankenbranche im dritten Quartal ungefähr 10 Prozent Gewinnwachstum. JPMorgans erwartetes Wachstum je Aktie liegt damit rechnerisch 7 Prozentpunkte darüber. Die Vergleichsgrößen sind unterschiedlich zugeschnitten, zeigen aber, wie anspruchsvoll die Erwartungen an die einzelne Bank ausfallen.

MarketBeat zufolge übertraf JPMorgan in den acht vorangegangenen Quartalen jeweils die Konsensschätzung für den Gewinn je Aktie. Diese Serie erklärt, warum ein Ergebnis oberhalb der Schätzung für Anleger keine völlig neue Erfahrung wäre. Für den Vergleich mit dem vergangenen Quartal gilt allerdings eine andere Richtung: Die erwarteten 5,93 US-Dollar liegen 0,21 US-Dollar unter dem bereinigten Q2-Ergebnis von 6,14 US-Dollar. Wachstum gegenüber dem Vorjahr und ein niedrigerer Gewinn gegenüber dem Vorquartal können hier gleichzeitig zutreffen.

Warum der Q2-Gewinn zwei verschiedene Größen hat

Im zweiten Quartal 2026 meldete JPMorgan einen berichteten Nettogewinn von 21,2 Mrd. US-Dollar beziehungsweise 7,70 US-Dollar je Aktie. Ohne wesentliche Einmaleffekte betrug der Nettogewinn 16,9 Mrd. US-Dollar beziehungsweise 6,14 US-Dollar je Aktie. Zwischen beiden Darstellungen liegen somit 4,3 Mrd. US-Dollar Nettogewinn und 1,56 US-Dollar je Aktie. Wer den bevorstehenden Bericht mit dem Sommerquartal vergleicht, muss diese Unterscheidung berücksichtigen.

Der Umsatz beziehungsweise Nettoertrag lag im zweiten Quartal bei rund 58,0 Mrd. US-Dollar. Für das dritte Quartal nennt MarketBeat einen erwarteten Umsatz von 51,23 Mrd. US-Dollar. Gegenüber der gerundeten Q2-Zahl sind das rechnerisch 6,77 Mrd. US-Dollar weniger. Dieser Quartalsvergleich beschreibt eine andere Entwicklung als die erwarteten 17,0 Prozent Gewinnwachstum gegenüber dem Vorjahr. Die Schlagzeile vom wachsenden Gewinn bedeutet deshalb nicht, dass sämtliche Kennzahlen gegenüber dem unmittelbar vorhergehenden Quartal steigen sollen.

Für dich ist die bereinigte Gewinnzahl besonders nützlich, wenn du die operative Entwicklung über mehrere Berichte hinweg betrachten willst. Die berichtete Zahl bleibt dennoch Teil des Ergebnisses. Im zweiten Quartal war der Abstand erheblich: Der bereinigte Nettogewinn lag rechnerisch rund 20 Prozent unter dem berichteten Nettogewinn. Beide Werte nebeneinander zu lesen verhindert, dass der höhere Q2-Wert von 7,70 US-Dollar unbemerkt zur Vergleichsbasis für die Q3-Erwartung wird.

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Berichtet und bereinigt unterscheiden

JPMorgan wies für Q2 einen Gewinn von 7,70 US-Dollar je Aktie aus. Ohne wesentliche Einmaleffekte waren es 6,14 US-Dollar. Der Abstand beträgt 1,56 US-Dollar je Aktie; für einen Quartalsvergleich sollten deshalb gleichartige Gewinnzahlen gegenübergestellt werden.

105,5 Milliarden Zinsertrag und eine höhere Kostenprognose

Nach dem zweiten Quartal hob JPMorgan die Prognose für den Nettozinsertrag 2026 auf rund 105,5 Mrd. US-Dollar an. Gleichzeitig erhöhte die Bank die Prognose für bereinigte Aufwendungen auf rund 107,5 Mrd. US-Dollar. Die Revision betrifft damit beide Seiten der Ergebnisrechnung: einen höheren erwarteten Zinsertrag und höhere erwartete Kosten. Eine angehobene Ertragsprognose allein erzählt nur die Hälfte dieser Veränderung.

Die Bank stellte einen bereinigten Nettozinsertrag ohne Markets von rund 96,5 Mrd. US-Dollar und einen Markets-Nettozinsertrag von rund 9 Mrd. US-Dollar in Aussicht. Zusammen ergeben diese beiden Größen die genannten 105,5 Mrd. US-Dollar. Rechnerisch entfallen damit etwa 8,5 Prozent der Jahresprognose auf Markets. Der größere Teil des erwarteten Nettozinsertrags liegt außerhalb dieses Bereichs. Die Aufteilung hilft dir, die Gesamtprognose genauer zu lesen, ohne den Markets-Beitrag mit sämtlichen Handelserlösen gleichzusetzen.

Im zweiten Quartal betrug der Nettozinsertrag 25,6 Mrd. US-Dollar bei einem gesamten Nettoertrag von 58,0 Mrd. US-Dollar. Das entspricht rechnerisch rund 44 Prozent. Der Nettozinsertrag ist also eine große Ergebnisquelle, deckt aber nicht den gesamten Ertrag ab. Ebenso sind die prognostizierten Aufwendungen von 107,5 Mrd. US-Dollar nicht allein dem Zinsgeschäft zuzuordnen. Die Differenz zur Zinsprognose ist deshalb keine Rechnung für den erwarteten Gesamtgewinn.

Laut StockAnalysis liegt der Konsens für den Gesamtjahresgewinn 2026 bei etwa 25,33 US-Dollar je Aktie; das durchschnittliche Kursziel beträgt ungefähr 372 US-Dollar. Das sind Analystenerwartungen, während die Zins- und Kostenprognosen vom Unternehmen stammen. Für die Lektüre des neuen Berichts sind diese Größen getrennte Vergleichspunkte: Quartalsgewinn, Jahreserwartung und Unternehmensprognose beantworten jeweils eine andere Frage.

Warum die Bankaktien trotz Wachstum unter Druck stehen

CNBC berichtete am 9. Oktober, dass der Invesco KBW Bank ETF rund 12 Prozent unter seinem Mitte-August erreichten Hoch lag. Gleichzeitig hatten S&P 500 und Nasdaq neue Rekordstände erreicht. Hinzu kam ein ungewöhnlich hohes Renditeniveau: Die Renditen zehn- und 30-jähriger US-Staatsanleihen erreichten in der betrachteten Woche laut CNBC die höchsten Stände seit 2002. Die Schwäche der Bankaktien steht damit neben positiven Gewinnerwartungen, nicht an deren Stelle.

Gegenüber CNBC nannten Analysten höhere Finanzierungskosten, mögliche weitere Leitzinserhöhungen, steigende Kreditausfälle und eine nachlassende Kapitalmarktaktivität als Risiken. Das erklärt den Gegensatz zwischen erwarteten Gewinnen und schwachen Aktienkursen: Die Sorgen betreffen Kosten und mögliche Belastungen des künftigen Geschäfts. Der Quartalsgewinn allein beantwortet diese Fragen nicht. Bei JPMorgan kommt hinzu, dass die höhere Jahresprognose für Zinserträge bereits mit einer höheren Kostenprognose verbunden war.

„more of an opportunity than a harbinger of a downturn.“

Chris Grisanti, Chefmarktstratege bei MAI Capital Management, gegenüber CNBC über den Ausverkauf der Bankaktien

Analysten von MAI Capital Management und RBC Capital Markets sahen die Schwäche gegenüber CNBC eher als Kaufgelegenheit denn als Vorzeichen einer Rezession. Ihre positive Sicht steht neben den genannten Risiken. Für dich ergibt sich daraus kein automatisches Kaufsignal: Die Einschätzungen beziehen sich auf die Branche, während JPMorgans Bericht konkrete Ergebnisse und Unternehmensprognosen liefern wird. Auch das durchschnittliche Analystenkursziel von ungefähr 372 US-Dollar ist von diesen operativen Zahlen zu unterscheiden.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte

Keiner der Autoren ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse in den erwähnten Wertpapieren investiert.

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