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13:14 Uhr, 10.10.2026

Warum die Oracle-Aktie an OpenAIs 50-Milliarden-Zahl hängt

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Das Wichtigste in Kürze

  1. 01Neue OpenAI-Zahl: OpenAI nannte Investoren für Ende September 2026 eine annualisierte Umsatzrate von ungefähr 50 Mrd. USD statt der zuvor berichteten 68 bis 70 Mrd. USD.
  2. 02Großer Cloud-Vertrag: Laut CNBC umfasst Oracles Cloud-Vertrag mit OpenAI rund 300 Mrd. USD über fünf Jahre mit einem Start etwa 2027.
  3. 03Reaktion der Aktie: CNBC berichtete am 8. Oktober 2026 für Oracle einen Kursrückgang von nahezu 6 % im Tagesverlauf.

Die Oracle-Aktie geriet am 8. Oktober unter Druck, nachdem neue Umsatzangaben von OpenAI bekannt geworden waren. Der KI-Anbieter hatte Investoren für Ende September eine annualisierte Umsatzrate von ungefähr 50 Milliarden USD genannt. Zuvor waren rund 68 bis 70 Milliarden USD breit berichtet worden. CNBC meldete für Oracle einen Rückgang von nahezu 6 % im Tagesverlauf. Hinter der Reaktion steht ein großer Cloud-Vertrag mit OpenAI.

Die niedrigere Zahl trifft damit auf ein Unternehmen, das viel Kapital für seine Rechenzentren benötigt. Dabei erklärt CNBC die Differenz bei OpenAI mit unterschiedlichen Umsatzdefinitionen: Die frühere Zahl enthielt auch Bruttoerlöse von Partnern. Für Oracle treffen somit zwei Fragen zusammen: Wie groß ist das Geschäft seines Kunden, und wie finanziert Oracle die Infrastruktur für dessen künftigen Bedarf?

50 statt 68 bis 70 Milliarden: Was sich bei OpenAI geändert hat

Die Financial Times berichtete zuerst über die Umsatzrate von ungefähr 50 Milliarden USD; CNBC bestätigte anschließend die Investorenangabe. Zwischen dieser Zahl und den zuvor genannten 68 bis 70 Milliarden USD liegen rechnerisch 18 bis 20 Milliarden USD. Dieser Abstand erklärt, weshalb die Meldung über OpenAI hinaus auch Aktien von KI-Infrastrukturanbietern bewegte.

Nach Angaben einer mit der Angelegenheit vertrauten Person gegenüber CNBC ging die Differenz auf die Abgrenzung der Umsätze zurück. In der früheren Zahl waren Bruttoerlöse von OpenAI-Partnern enthalten. Die beiden Werte messen damit unterschiedlich abgegrenzte Erlöse. Aus ihrem Abstand lässt sich kein entsprechender Einbruch der Verkäufe ableiten. Für die Bewertung des Kunden macht es dennoch einen Unterschied, welche Erlöse ihm selbst zugerechnet werden.

Eine annualisierte Umsatzrate rechnet das Umsatztempo eines bestimmten Zeitraums auf ein Jahr hoch. Die ungefähr 50 Milliarden USD sind deshalb kein bereits abgeschlossener Jahresumsatz. Zugleich teilte OpenAI laut CNBC für das dritte Quartal ein Wachstum der gesamten annualisierten Umsatzrate von 77 % mit. Im Unternehmenskundengeschäft betrug das Wachstum dieser Kennzahl 107 %. Die niedrigere Umsatzbasis und die hohen Wachstumsraten gehören beide zum Bild.

In addition to the $50 billion in annualized revenue, OpenAI touted 77% total run rate growth during its third quarter, as well as 107% run rate growth for its enterprise business during the same period, the person said.

CNBC, Bericht vom 8. Oktober 2026 über OpenAIs Investorenpräsentation

Ein 300-Milliarden-Vertrag verbindet Oracle mit OpenAI

Laut CNBC hat Oracle mit OpenAI einen Cloud-Vertrag über rund 300 Milliarden USD vereinbart. Die gemeldete Laufzeit beträgt fünf Jahre, der Start liegt etwa im Jahr 2027. Damit geht es um ein Geschäft, dessen Umsetzung noch bevorsteht. Die Nachricht über OpenAIs Umsatz betrifft für Oracle also einen Kunden, mit dem über mehrere Jahre hinweg umfangreiche Cloud-Leistungen vereinbart sein sollen.

Auf fünf Jahre gleichmäßig verteilt entspräche das Vertragsvolumen rechnerisch rund 60 Milliarden USD pro Jahr. Das liegt über OpenAIs annualisierter Umsatzrate von ungefähr 50 Milliarden USD Ende September. Der Vergleich verdeutlicht die Größenordnung, bildet aber keinen Zahlungsplan ab: Ein mehrjähriger Cloud-Vertrag mit künftigem Start und das gegenwärtige Umsatztempo des Kunden beziehen sich auf unterschiedliche Zeiträume. Die Vertragsumsetzung hängt daher auch von dessen weiterer Geschäftsentwicklung ab.

Nach dem Bericht von Axios entspricht der OpenAI-Vertrag ungefähr 45 % von Oracles verbleibenden Leistungsverpflichtungen. Damit entfällt ein großer Anteil dieses Bestands auf einen einzelnen Kunden. Das erklärt Oracles direkte Verbindung zur Umsatzmeldung besser als ein allgemeiner Verweis auf den KI-Boom. Die Zahl beschreibt eine Konzentration innerhalb der vereinbarten künftigen Leistungen, keinen Anteil OpenAIs an Oracles bereits erzieltem Jahresumsatz.

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Was verbleibende Leistungsverpflichtungen bedeuten

Verbleibende Leistungsverpflichtungen, kurz RPO, erfassen vertraglich vereinbarte Leistungen, die ein Unternehmen noch erbringen muss. Sie sind weder bereits verbuchter Umsatz noch frei verfügbares Geld. Der gemeldete OpenAI-Anteil von ungefähr 45 % beschreibt deshalb Oracles künftige vertragliche Leistungen.

45 bis 50 Milliarden für die Finanzierung

Laut der bei der SEC eingereichten Mitteilung vom 1. Februar plant Oracle für 2026 eine Kapitalaufnahme von 45 bis 50 Milliarden USD über Anleihen und Eigenkapital. Die Finanzierung ist damit selbst ein Vorhaben im zweistelligen Milliardenbereich. Sie gehört in die Betrachtung des Cloud-Geschäfts, weil zwischen einem vereinbarten Vertrag und den daraus entstehenden Erlösen der Aufbau und Betrieb der benötigten Infrastruktur liegen.

Die beiden Finanzierungswege haben unterschiedliche Folgen. Anleihen bringen Geld ins Unternehmen, erhöhen aber die Verpflichtungen gegenüber Gläubigern und verursachen Zinskosten. Die Ausgabe neuer Aktien stärkt das Eigenkapital; zugleich verteilt sich die Beteiligung am Unternehmen auf mehr Aktien. Für bestehende Aktionäre sind deshalb sowohl die Höhe der Kapitalaufnahme als auch deren Aufteilung relevant. Ein großer Auftragsbestand beantwortet diese Finanzierungsfrage nicht.

Axios berichtete am 25. September von Schulden von mehr als 100 Milliarden USD und einer Warnung von Moody’s vor steigender Verschuldung. Dieser bestehende Schuldenstand steht neben der geplanten Kapitalaufnahme von 45 bis 50 Milliarden USD. Die Beträge lassen sich nicht einfach zu einem künftigen Schuldenstand addieren, weil Oracle ausdrücklich auch Eigenkapital als Finanzierungsweg genannt hat.

So entsteht eine zeitliche Lücke zwischen Finanzierung und Leistungserbringung: Oracle plant die Kapitalaufnahme für 2026, während der gemeldete OpenAI-Vertrag etwa 2027 beginnen soll. Für Aktionäre ist das ein konkreter Zusammenhang zwischen Bilanz und Wachstum. Die großen Vertragszahlen stehen auf der Erlösseite; Anleihen, Eigenkapital und der vorhandene Schuldenbestand zeigen, welche finanziellen Mittel Oracle für die Umsetzung mobilisiert.

Project Jupiter zeigt die Risiken beim Rechenzentrumsbau

Zur Finanzierung kommen Fragen der Umsetzung. Axios berichtete über Project Jupiter in New Mexico: Oracle habe dem Entwickler des Rechenzentrumsprojekts eine Force-Majeure-Mitteilung geschickt und sich damit die Möglichkeit offengehalten, Mietzahlungen aufzuschieben. Der Bericht beschreibt eine vertragliche Maßnahme bei einem konkreten Projekt, nicht die Einstellung des gesamten Cloud-Ausbaus.

Eine Force-Majeure-Klausel betrifft außergewöhnliche Umstände, unter denen vertragliche Pflichten ausgesetzt oder verschoben werden können. Im Fall von Project Jupiter geht es laut Axios um die Möglichkeit, Mietzahlungen aufzuschieben. Daraus folgt weder eine bereits erfolgte Verschiebung sämtlicher Zahlungen noch eine Kündigung des Projekts. Für die wirtschaftliche Einordnung zählt der Unterschied zwischen einem vorbehaltenen Recht und dessen tatsächlicher Nutzung.

Axios berichtete außerdem über Verzögerungen bei Rechenzentren von Oracle und anderen KI-Infrastrukturunternehmen, darunter Standorte, die per Lkw mit Erdgas versorgt werden. Das lenkt den Blick auf die physische Seite des Cloud-Geschäfts. Vereinbarte Kapazitäten brauchen betriebsfähige Standorte und Energieversorgung. Verzögerungen betreffen daher die Umsetzung der Verträge, während die OpenAI-Umsatzmeldung die wirtschaftliche Größe eines wichtigen Kunden betrifft.

238 USD Kursziel, aber eine Spanne von 110 bis 400 USD

Der angegebene Analystenkonsens von S&P Global umfasst 43 Analysten, eine Einstufung Buy und ein durchschnittliches Kursziel von ungefähr 238 USD. Die Spanne reicht von 110 bis 400 USD. Damit steht dem Kursrückgang vom 8. Oktober ein positiver Konsens gegenüber. Innerhalb dieses Konsenses liegen die Erwartungen an den Aktienwert allerdings weit auseinander.

Zwischen dem niedrigsten und höchsten Kursziel liegen rechnerisch 290 USD. Der Durchschnitt von ungefähr 238 USD verdichtet diese Bandbreite zu einer einzigen Zahl. Er ist weder ein zugesagter künftiger Börsenkurs noch eine Erklärung der Annahmen jedes einzelnen Analysten. Aus dem Konsens allein lässt sich deshalb nicht ablesen, wie die jeweiligen Modelle Oracles Finanzierung, die Rechenzentrumsprojekte und den OpenAI-Vertrag gewichten.

Für eine positive Bewertung stehen der gemeldete Cloud-Vertrag über rund 300 Milliarden USD und OpenAIs Wachstum der annualisierten Umsatzraten. Auf der anderen Seite stehen Oracles Schulden von mehr als 100 Milliarden USD, die geplante Kapitalaufnahme und die von Axios beschriebenen Projektprobleme. Diese Faktoren betreffen unterschiedliche Teile desselben Geschäfts: Nachfrage, Finanzierung und Bereitstellung der vereinbarten Rechenleistung.

Die Umsatzmeldung vom 8. Oktober hat damit vor allem die Größenordnung eines wichtigen Oracle-Kunden neu eingeordnet. Die Differenz zwischen 50 Milliarden USD und 68 bis 70 Milliarden USD erklärt CNBC mit der Zählweise. Für Oracle bleibt der konkrete Zusammenhang der gemeldete Anteil von ungefähr 45 % an den verbleibenden Leistungsverpflichtungen: Ein erheblicher Teil seiner künftigen vertraglichen Leistungen ist mit OpenAI verbunden.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte

Keiner der Autoren ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse in den erwähnten Wertpapieren investiert.

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