Analyse

Ist das nun die Wende bei diesem SDAX-Titel?

Nach einer Fast-Kurshalbierung vom Allzeithoch ist dieser Titel wieder einen Blick wert. Charttechnisch wurde ein wichtiger Support verteidigt, fundamental läufe es weiter rund.

Erwähnte Instrumente

  • Nagarro SE Namens-Aktien o.N. - WKN: A3H220 - ISIN: DE000A3H2200 - Kurs: 125,800 € (XETRA)

Dieses Unternehmen ist noch gar nicht so lange börsennotiert. Die Aktie zählte im vergangenen Jahr aber sofort zu den Topperformern in Deutschland. Um sich innerhalb weniger Monate wieder annähernd zu halbieren. Aber an solche Kursverläufe hat man sich mit Blick auf die letzten Monate ja schon fast gewöhnt. Wichtig ist vorrangig: Wie läuft es operativ? Und da kann sich die Bilanz weiter sehen lassen.

Dieser Schritt hat sich für die Anteilseigner ausgezahlt: Im Dezember 2020 spaltete das IT-Unternehmen Allgeier das in der Nagarro-Gruppe gebündelte Technologieberatungs- und Softwareentwicklungsgeschäft ab und brachte es an die Börse. Dabei erhielten Allgeier-Aktionäre für jede Allgeier-Aktie eine Nagarro-Aktie. Da Nagarro organisch extrem wächst und natürlich allgemein das Börsenumfeld 2021 auch hervorragend war, war das Timing perfekt. Der erste Kurs auf XETRA lag bei 69 EUR, im Januar 2022 stand der Wert zeitweise bei 212 EUR, um anschließend brachial auf 115,50 EUR abverkauft zu werden. Doch wie läuft das Geschäft und wie steht es aktuell um die Bewertung der Aktie?

Jahresprognose im April angehoben

Kurz gesagt: Das Geschäft brummt weiter. Wie das Unternehmen heute mitteilte, verzeichnete es im ersten Quartal 2022 verglichen mit dem Vorjahreszeitraum ein Umsatzwachstum von 60,3 % auf 185,5 Mio. EUR. Der große Sprung ist neben einer starken organischen Entwicklung auch auf drei Übernahmen und ein eher schwaches Vorjahresquartal zurückzuführen. Das EBITDA legte um 60,9 % auf 27,9 Mio. EUR zu, das EBIT überproportional um 73,8 % auf 20,5 Mio. EUR. Das Periodenergebnis explodierte gar von 7,7 Mio. EUR um 81,6 % auf 13,9 Mio. EUR oder 1 EUR je Aktie.

Bereits im April hatte Nagarro die Jahresprognose angehoben und sieht nun einen Umsatz in einer Größenordnung von 770 Mio. EUR für erreichbar. 2021 waren es noch 546 Mio. EUR. Die Werte für Bruttomarge und bereinigte EBITDA-Marge sollen weiter bei 28 % bzw. 14 % liegen. Die ursprünglich im Januar ausgegebene Prognose sah Erlöse von 700 Mio. EUR als Ziel vor.

Warburg Research loben weiterhin das hohe Tempo, das das Management an den Tag legt. Alleine im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Mitarbeiter um 58 % auf 13.684, davon sind 12.613 IT-Ingenieure. Am wichtigsten ist Indien. In diesem Land beschäftigt Nagarro über 9.600 Personen. Auch sehen die Analysten die langjährigen Verträge mit Kunden als Pluspunkt. Der Durchschnitt der Dauer an Zusammenarbeiten belaufe sich auf 11,3 Jahre, die Zufriedenheit der Kunden betrug 2021 94,5 %. Auch sei die Diversifikation der Kundenbasis solide. Warburg Research sieht ein Kursziel von 230 EUR für die Aktie und vergibt das Rating "Buy".

Bewertung angesichts des Wachstums angemessen

Aktuell liegt der Analystenkonsens beim Gewinn je Aktie mit 3,22 EUR etwas über der Schätzung von Warburg Research (3,08 EUR je Aktie). 2023 könnte sich Nagarro bereits der Umsatzmilliarde annähern und rund 4,70 EUR je Aktie verdienen. 2024 liegt der Konsens derzeit bei Erlösen von 1,16 Mrd. EUR und einem Gewinn je Aktie von 6,50 EUR.

Die Bewertung der Aktie ist mit KUVs um die 2 und KGVs von 39 und 27 sicherlich sportlich. Angesichts der hohen Wachstumsraten von 37 % und 45 % geht das aber derzeit auch in Ordnung. Auch hat sich der Wert durch die Fast-Kurshalbierung von den Mondbewertungen zum Jahreswechsel bereits deutlich entfernt.

Charttechnischer Support hält zunächst

Aus charttechnischer Sicht ist die Aktie in dieser Woche erneut in eine Unterstützungszone zwischen 121,50 und 115,50 EUR gefallen und reversalt dort auf Wochenbasis. Dies könnte eine Basis für eine Kaufwelle in Richtung 153,50 EUR darstellen. Erst oberhalb dieser Marke wäre eine mittel- bis langfristige Bodenbildung abgeschlossen.

Unter 115,50 EUR müssten dagegen unter tradingtechnischen Aspekten Stopps greifen. Das weitere Rückschlagspotenzial beläuft sich in diesem Szenario auf den EMA200 Woche bei derzeit rund 108 EUR bzw. die Zone 99,40 bis 98,00 EUR.

Fazit: Wie bei der in dieser Woche vorgestellten Aktie von Stemmer Imaging gibt es auch bei Nagarro fundamental keine Probleme, sondern vielmehr Rekorde zu vermelden. Somit bietet der Rückgang im Aktienkurs für Investoren, die die Rally im Vorjahr verpasst haben, eine Einstiegsgelegenheit. Trader sichern Positionen strategisch unter den Jahrestiefs ab.

Jahr 2021 2022* 2023e*
Umsatz in Mio. EUR 546,00 778,00 963,00
Ergebnis je Aktie in EUR 2,35 3,22 4,69
Gewinnwachstum 37,02 % 45,65 %
KGV 54 39 27
KUV 3,2 2,2 1,8
PEG 1,1 0,6
*e = erwartet
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Über den Experten

Bastian Galuschka
Bastian Galuschka
Stv. Chefredakteur

Bastian Galuschka ist seit über 20 Jahren an der Börse aktiv. Er entdeckte bereits zu Schulzeiten seine Leidenschaft für die Börse. Über fünf Jahre lang war der Diplom-Volkswirt als Redakteur bei einem bekannten Anlegermagazin tätig und verantwortete dort den Bereich Charttechnik. Seit März 2013 verstärkt er die Redaktion der stock3 AG. Bastian Galuschka kombiniert bei seinen Analysen gerne Fundamentaldaten mit charttechnischen Aspekten. Gerade im Smallcapbereich hat sich der Analyst über viele Jahre ein fundiertes Wissen aufgebaut. Seit Juni 2016 ist Galuschka Stellvertretender Chefredakteur von stock3.

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