Analyse
14:41 Uhr, 29.08.2025

INTEL - So will der Chipriese wieder fit werden

Intel hat sich auf der Deutsche Bank Technology Conference 2025 nicht nur mit einer Präsentation durch Finanzchef David Zinsner gezeigt, sondern auch klare Einblicke in strategische Weichenstellungen, milliardenschwere Kapitalzuflüsse und die kritische Lage des Foundry-Geschäfts gegeben.

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  • Intel Corp. - WKN: 855681 - ISIN: US4581401001 - Kurs: 24,921 $ (Nasdaq)

Intel hat sich im laufenden Quartal eine Kapitalzufuhr in bislang beispielloser Größenordnung gesichert. Insgesamt fließen dem US-Konzern 12,2 Mrd. USD zu, eine Mischung aus staatlicher Beteiligung, Finanzinvestoren und Anteilsverkäufen. Wie Finanzvorstand David Zinsner auf der Deutsche Bank Technology Conference erklärte, erwarb die US-Regierung Anteile im Volumen von 5,7 Mrd. USD und hält damit rund 10 % an Intel. Zusätzlich steuerte der japanische Technologiekonzern SoftBank 2 Mrd. USD bei. Weitere Mittel stammen aus dem Verkauf von Mobileye-Anteilen in Höhe von 1 Mrd. USD sowie aus dem bevorstehenden Abschluss der Altera-Transaktion, die dem Unternehmen 3,5 Mrd. USD einbringen soll.

Die Kapitalmaßnahme der US-Regierung markiert einen tiefgreifenden Kurswechsel. Ursprünglich hatte Intel auf staatliche Fördermittel in Form von Zuschüssen gesetzt. Aufgrund unsicherer Bedingungen, darunter Meilensteinbindungen und Rückzahlungsrechte, entschied man sich letztlich für eine Beteiligung durch Ausgabe neuer Aktien. "Das Geld ist da, wir haben die 5,7 Milliarden gestern Abend erhalten", so Zinsner gestern. Neben den Anteilen wurden zudem Optionen im Volumen von 240 Mio. USD ausgegeben.

Die unmittelbare Verwässerung sei zwar nicht zu leugnen, werde jedoch durch strategische Vorteile überkompensiert, so der CFO. Die Regierung sei nun direkt am Unternehmenserfolg beteiligt, ein Signal, das bei Kunden, insbesondere im hart umkämpften Foundry-Geschäft, für Vertrauen sorge. Rechne man konservativ, genüge ein moderater Anstieg bei der Auslastung der Foundry-Sparte, um die Maßnahme für bestehende Aktionäre wertsteigernd zu machen.

Auch das Engagement von SoftBank wertet Intel als strategisch bedeutsam. Die Gespräche mit dem japanischen Technologiekonzern liefen bereits seit Jahren, konkretisiert habe sich die Beteiligung allerdings erst kurzfristig. Der Hintergrund: SoftBank sucht systematisch nach Investitionen im Bereich Künstliche Intelligenz. "Wir haben eine Reihe von Schnittmengen identifiziert, die für beide Seiten Potenzial bieten", so Zinsner. Der Einstieg sei innerhalb weniger Tage finalisiert worden, ein "Qualitätsinvestor mit langfristiger Perspektive".

Foundry-Geschäft rückt ins Zentrum, Regierung will Kontrolle behalten

Zinsner betonte, dass Intel durch die neuen Mittel vorerst keine weiteren Kapitalmaßnahmen plane. Stattdessen stehe der Abbau von Verbindlichkeiten im Fokus. 2025 sollen Anleihen im Volumen von 3,8 Mrd. USD getilgt werden, ein ähnlicher Schritt sei für 2026 vorgesehen. Die Bilanz des Konzerns bezeichnete der CFO als "sehr robust".

Zentraler Pfeiler der strategischen Neuausrichtung bleibt das Foundry-Geschäft. Intel entwickelt sich zunehmend vom reinen Produkthersteller hin zum Auftragsfertiger, ein Paradigmenwechsel mit weitreichenden Folgen. Die nächste Prozessgeneration 14A, die ab 2028 in die Volumenfertigung gehen soll, sei von Anfang an als Foundry-tauglich konzipiert. Bereits die aktuelle 18A-Generation werde zunehmend auch für externe Kunden geöffnet.

Doch der Erfolg ist kein Selbstläufer. In einem ungewöhnlich offenen Passus hatte Intel im jüngsten 10-Q-Bericht eingeräumt, dass die 14A-Investitionen nur dann einen angemessenen Kapitalertrag liefern könnten, wenn es gelinge, substanzielle externe Kunden zu gewinnen. Zinsner bestätigte: "Wir werden keine neuen Kapazitäten aufbauen, bevor wir nicht verbindliche Zusagen potenzieller Kunden haben." Der geplante Aufbau eines separaten Management- und ERP-Systems für die Foundry-Sparte unterstreicht die Ambition, die Organisation in Richtung operativer Eigenständigkeit zu entwickeln.

Ein heikler Punkt in der Vereinbarung mit der US-Regierung sind sogenannte Warrants, also Kaufoptionen auf Intel-Aktien, die nur dann ausgeübt werden dürfen, wenn Intel seinen Mehrheitsanteil am Foundry-Geschäft unterschreitet. Dieses Szenario bezeichnete Zinsner als "höchst unwahrscheinlich". Vielmehr solle die Klausel sicherstellen, dass Intel seine Foundry-Sparte nicht verselbständigt oder verkauft, eine klare Interessenlage der US-Regierung, die offenbar auf langfristige strategische Kontrolle über Schlüsseltechnologien abzielt.

Produktportfolio mit Licht und Schatten, Fokus auf Effizienz und Disziplin

Während das Notebook-Geschäft laut Zinsner stabil läuft, insbesondere mit den Plattformen Meteor Lake und Lunar Lake, sieht sich Intel im Desktop-Segment mit Rückschlägen konfrontiert. Vor allem im margenstarken High-End-Bereich fehlte es 2024 an wettbewerbsfähigen Angeboten. Hier soll mit der kommenden Generation Nova Lake ein Gegengewicht geschaffen werden. Das Data-Center-Geschäft bleibt unterdessen ein Sorgenkind. Produkte wie Diamond Rapids seien nur in Teilbereichen konkurrenzfähig. Mit Coral Rapids verspricht sich Intel einen substanziellen Technologiesprung, wenngleich dieser noch mehrere Jahre entfernt ist.

Parallel wird die Kapitaldisziplin verschärft. Die Sachinvestitionen sollen im Bereich von 18 Mrd. USD stabilisiert werden, unter anderem durch bessere Ausnutzung bereits getätigter Vorinvestitionen sowie einer konzernweiten Reuse-Initiative, die übermäßige Neuanschaffungen vermeiden soll. Für die Jahre 2026 und darüber hinaus bleibt das Investitionsniveau abhängig von konkreten Kundenaufträgen im Foundry-Segment. Zinsner sprach von einem möglichen "High-Class Problem". Bei erfolgreicher Kundengewinnung müsse man erneut signifikant investieren.

Margen am Tiefpunkt, aber Erholung in Sicht

Die Bruttomarge von Intel liegt derzeit knapp unter der Marke von 40 %, ein historischer Tiefstand für das Unternehmen. CFO Zinsner sprach von einem "operativen Minimum", das man mittelfristig klar überwinden wolle. Im Foundry-Bereich verspricht insbesondere der Übergang auf 18A und 14A eine deutlich verbesserte Kostenstruktur. Im Produktgeschäft sei dagegen vor allem die Preisgestaltung entscheidend. Höhere ASPs, effizientere Designs, schlankere Verpackungskosten und geringere Rückstellungen für Lagerüberhänge sollen die Margen sukzessive verbessern.

"Wir haben zu viel verschenkt, zu ineffizient produziert und zu wenig kontrolliert", so Zinsner. Das Management habe diese Defizite erkannt und strukturelle Maßnahmen eingeleitet. Ein spürbarer Aufwärtstrend bei der Profitabilität werde jedoch nicht vor 2026 erwartet.

Für Zinsner steht fest: Der Markt unterschätzt den inneren Wert von Intel. "Ein erfolgreiches Foundry-Geschäft wird heute mit einem Bruchteil seines tatsächlichen Werts bewertet", sagte der CFO. Mit CEO Lip-Bu Tan an der Spitze habe Intel einen klaren Fokus auf Execution, Kapitaldisziplin und strategische Klarheit zurückgewonnen. Erste Erfolge seien bereits sichtbar.

Fazit: Die nächsten Jahre werden entscheidend. Gelingt es, externe Kunden für 14A zu gewinnen, das Produktportfolio zu schärfen und die Margen spürbar zu steigern, könnte Intel strukturell und finanziell wieder zur Spitzengruppe der Halbleiterindustrie aufschließen. Zinsner formulierte es zum Abschluss nüchtern: "Wir haben eine realistische Chance, signifikanten Shareholder-Value zu heben, es liegt jetzt an uns, zu liefern." Klar bleibt: Nur sehr spekulative Anleger wetten jetzt schon mit der Intel-Aktie auf einen Erfolg. Lip-Bu Tan bleibt der Hoffnungsträger für das Unternehmen.

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