Analyse
08:00 Uhr, 02.04.2025

HIMS & HERS - Schlechter Aprilscherz?

Das vermeintliche GLP-1-Angebot von Hims & Hers rund um Zepbound sorgt für Verwirrung. Schmerzhaft für die Shortseller, die ein Drittel aller ausstehenden Aktien shorten. Was dahinter steckt und was es bedeutet hätte, erfährst Du in dieser Analyse.

Erwähnte Instrumente

  • Hims & Hers Health
    ISIN: US4330001060Kopiert
    Kursstand: 31,050 $ (NYSE) - Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung
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  • Hims & Hers Health - WKN: A2QMYY - ISIN: US4330001060 - Kurs: 31,050 $ (NYSE)

HIMS hat seine Plattform um die Möglichkeit erweitert, verschreibungspflichtige Medikamente wie Tirzepatid, bekannt unter dem Markennamen Zepbound, über Telemedizin anzubieten. Aber was steckt wirklich hinter dieser Partnerschaft mit Eli Lilly?

Hims & Hers kam im vierten Quartal 2024 auf ein Umsatzwachstum von 95 % und hat damit 481,1 Millionen USD erzielt. Besonders das Gewichtsverlust-Segment trug wesentlich zum Wachstum bei, auch wenn die Bruttomarge aufgrund aggressiver Preissetzung und hoher Marketingausgaben um 5,9 Prozentpunkte fiel. Dennoch baute man die Profitabilität weiter aus, mit einem Anstieg des EBITDA um 163 % und einem 2.500%-igen Gewinnanstieg. Trotz des starken Wachstums wird das GLP-1-Geschäft durch regulatorische Unsicherheiten belastet, da die FDA die Semaglutid-Knappheit zuletzt beendet hatte.

Für 2025 wird ein Umsatz von 2,3 bis 2,4 Milliarden USD und ein EBITDA-Wachstum von 66,8 % erwartet, wobei das GLP-1-Geschäft weiterhin eine Schlüsselrolle spielt. Die sinkende Bruttomarge und die Abhängigkeit vom regulatorischen Umfeld im GLP-1-Segment stellen jedoch Risiken dar. Das könnte nun aber ein Ende haben.

Hims & Hers geht mit der Integration von generischem Liraglutid und Tirzepatid einen wichtigen Schritt. Die Nachfrage nach solchen Medikamenten ist riesig und wächst weiter. Doch nicht nur das Medikament steht im Vordergrund. Hims & Hers plant, die gesamte Nutzererfahrung zu verbessern, mit Heim-Bluttests, Verhaltenswerkzeugen und einer verbesserten Tracking-App. Diese Erweiterungen könnten den Unterschied ausmachen, um die Patienten noch stärker an die Plattform zu binden. Und tatsächlich berichten die meisten Nutzer, dass sie ihre Abonnements über den ersten Monat hinaus fortsetzen – stark, wenn man bedenkt, dass viele andere Programme eine Abbruchrate von etwa 30 % verzeichnen.

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Ein Marketing-Boost mit einem Haken

Wenn man jedoch genauer hinschaut, kommt die Partnerschaft mit Eli Lilly, dem Unternehmen hinter Zepbound, nicht ohne Herausforderungen. Natürlich bringt die Zusammenarbeit mit einer etablierten Marke wie Eli Lilly eine Menge Vorteile. Sichtbarkeit und Glaubwürdigkeit werden definitiv gestärkt, was Hims & Hers mehr Anerkennung auf dem Markt verschaffen könnte.

Wenn man sich die Partnerschaft von Ro mit Eli Lilly im letzten Jahr anschaut, wird schnell klar, dass hier auch Risiken lauern. So könnte die Zusammenarbeit mit einer markenbewährten Arzneimittelgesellschaft dazu führen, dass die eigenen Compounding-Operationen von Hims & Hers beeinträchtigt werden. Zwar würde die Partnerschaft neue Umsatzquellen erschließen. Aber: Die höheren Umsätze könnten mit deutlich niedrigeren Margen einhergehen. Während das Semaglutid-Äquivalent von Hims & Hers früher etwa 50 % Bruttomarge brachte, könnten die Margen bei einer Partnerschaft mit einem Pharmariesen wohl viel kleiner ausfallen.

Eines ist sicher: Die Entscheidung, die Kooperation ist ein cleverer Schritt, um den wachsenden Markt für Gewichtsverlustprodukte zu bedienen und setzt Novo Nordisk unter Druck. Doch die langfristigen Auswirkungen der Partnerschaft mit Eli Lilly – sowohl finanziell als auch strategisch – müssen erst noch in Zukunft untersucht werden.

Fazit: Ein Schritt in die richtige Richtung

Während der Zugang zum markenbewährten Medikament von Eli Lilly viele Türen öffnen kann, bleibt abzuwarten, wie sich die veränderten Margen und die mögliche Abhängigkeit vom großen Pharmariesen auswirken wird.

Die Bären bleiben pessimistisch

Bank of America bleibt bei ihrer pessimistischen Einschätzung zu Hims & Hers Health und sieht durch die Aufnahme des GLP-1-Medikaments Zepbound von Eli Lilly kaum Einfluss auf das Geschäftsmodell oder die Umsätze des Unternehmens.

Zwar erweitert Hims durch die Einführung von Zepbound (Markenpräparat) und generischem Liraglutid sein Angebot im Bereich der Gewichtsreduktion, doch BofA bezweifelt, dass daraus ein nennenswerter Umsatzbeitrag resultieren wird. Da gehe ich mit, dennoch geht es eher um das Thema Kundenbindung & Cross und Upselling im Abomodell.

Lauf BofA liefern Markenpräparate wie Zepbound wie ich bereits schrieb nur sehr geringe Margen von etwa 2 bis 4 %, was weit unter den derzeitigen Bruttomargen von rund 80 % bei Hims liegt.

Auch andere Anbieter wie CVS oder Walgreens verdienen kaum an GLP-1-Medikamenten. Zudem sei es unrealistisch, dass Kunden bei Hims den Listenpreis von knapp 1.900 Dollar pro Monat für Zepbound zahlen, wenn Eli Lilly über seine eigene Plattform „LillyDirect“ das Medikament für etwa 500 USD pro Monat anbietet.

Interessanter sei hingegen das Angebot von generischem Liraglutid. Obwohl dieses Medikament aufgrund schwächerer Wirksamkeit und Nebenwirkungen bislang wenig kommerziellen Erfolg hatte, könnte eine erfolgreiche Skalierung durch Hims die Markenstärke des Unternehmens untermauern.

Insgesamt stuft BofA die Nachricht als finanziell unerheblich ein, bleibt bei ihrem Kursziel von 22 Dollar und einer „Underperform“-Einschätzung für die Aktie.

Für mich bleibt Hims weiterhin fundamental sehr aussichtsreich, aber sehr volatil und newsgetrieben. Ein Drittel der Aktien sind geshortet.

Ach halt - Eli Lilly selbst meldet sich zu Wort

Das vermeintliche GLP-1-Angebot von Hims & Hers rund um Zepbound sorgt für Verwirrung – und war offenbar ein kleiner April-Scherz. Schmerzhaft für die Shortseller, die ein Drittel aller ausstehenden Aktien shorten.

Eli Lilly stellte jetzt öffentlich klar, dass das Unternehmen keinerlei Verbindung zu Hims & Hers hat. In einer Mitteilung auf der eigenen Website betont Lilly, dass Zepbound grundsätzlich von jeder zugelassenen medizinischen Fachkraft verschrieben werden könne.

Gleichzeitig macht Lilly deutlich, dass Patienten mit entsprechender Versicherung das Medikament über offizielle Wege schon ab 25 USD monatlich beziehen können. Für Selbstzahler beginnt der Preis bei 349 USD pro Monat über LillyDirect – also weit unter dem auf der Hims-Plattform kommunizierten Preis von rund 1.899 USD.

Fazit: Die Ankündigung von Hims, Zepbound ins eigene Programm aufzunehmen, wirkt jetzt eher wie ein PR-Stunt mit fragwürdigem Realitätsbezug – zumal die Margen, rechtlichen Rahmenbedingungen und Preisunterschiede kaum Spielraum für ein attraktives Geschäftsmodell in diesem Bereich lassen.

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