Krisenvorbereitung? EZB weitet Euro-Liquiditätsversorgung aus!
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- EUR/USD - WKN: 965275 - ISIN: EU0009652759 - Kurs: 1,18678 $ (FOREX)
Die EZB öffnet eine spezielle Repo-Finanzierungslinie, die dazu gedacht ist, in Krisensituationen Liquidität bereitzustellen, für nahezu alle Zentralbanken weltweit. Ab dem dritten Quartal 2026 soll der Zugang grundsätzlich für alle Notenbanken möglich sein und dauerhaft gelten, auch mit dem Ziel, die internationale Rolle des Euros zu stärken.
Globaler und dauerhafter Zugang statt regionaler Lösung
Bisher konnten sich mit der Eurosystem Repo Facility for Central Banks (EUREP) nur ausgewählte Notenbanken, v.a. in Osteuropa, mit Euro-Liquidität versorgen. Nach einem Beschluss des EZB-Rats wird EUREP künftig weltweit verfügbar sein und als stehende Fazilität ausgestaltet.
EUREP dient als Euro-Liquiditäts-Backstop für Zentralbanken außerhalb des Euroraums und soll in Stressphasen helfen, Spannungen in den Euro-Finanzierungsmärkten abzufedern. "Wir müssen verhindern, dass solcher Stress zu Notverkäufen von auf Euro lautenden Wertpapieren an den globalen Refinanzierungsmärkten führt und damit die Transmission unserer Geldpolitik beeinträchtigt", sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde auf der Münchener Sicherheitskonferenz am Samstag. "Das bedeutet, dass wir Partnern, die Transaktionen in Euro durchführen möchten, die Sicherheit geben müssen, dass bei Bedarf Euro-Liquidität verfügbar ist."
Zugang sollen Zentralbanken weltweit erhalten können, es sei denn, es bestehen Ausschlussgründe v.a. im Zusammenhang mit Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung oder internationalen Sanktionen. So bleibt Russland etwa ausgeschlossen. Entscheidungen über Zugang und konkrete Inanspruchnahmen trifft der EZB-Rat.
Pro Zentralbank liegt die Obergrenze den Angaben zufolge bei 50 Mrd. EUR. Die Euro-Liquidität wird gegen hochwertige, euro-denominierte Sicherheiten bereitgestellt, verbunden mit Risikobegrenzungsmaßnahmen.
Der Euro soll gestärkt werden
Aus Sicht der EZB soll die breitere, permanente Euro-Liquiditätslinie zugleich das Vertrauen in den Euro als internationale Handels- und Finanzierungswährung erhöhen, weil Zentralbanken im Ernstfall verlässlicher auf Euro-Liquidität zugreifen können.
"Die Verfügbarkeit eines 'Lenders of Last Resort' für Zentralbanken weltweit erhöht das Vertrauen, in Euro zu investieren, sich in Euro zu refinanzieren und in Euro zu handeln – in dem Wissen, dass im Fall von Marktstörungen Zugang zu Liquidität besteht", sagte EZB-Präsidentin Lagarde. "In einer Welt, in der Lieferkettenabhängigkeiten zu sicherheitspolitischen Verwundbarkeiten geworden sind, muss Europa eine Quelle der Stabilität sein – für uns selbst und für unsere Partner."
Ursprünglich wurde EUREP im Juni 2020 wegen der Finanzmarktturbulenzen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie eingeführt. Bisher mussten die über das EUREP-Programm bei der EZB geliehenen Mittel von den jeweiligen Zentralbanken in Form von Krediten an inländischen Finanzinstitute weitergereicht werden. Künftig gilt diese Einschränkung nicht mehr. Damit soll das Programm dabei helfen, ein breiteres Spektrum von Finanzierungsengpässen zu adressieren. Allerdings will die EZB die Preise für EUREP-Kredite an ausländische Zentralbanken so gestalten, dass sich eine Inanspruchnahme nur in Krisenphasen rechnet.
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Fazit: Mit der dauerhaften und globalen Öffnung von EUREP schafft die EZB einen zusätzlichen Liquiditätspuffer für Stressphasen und stärkt zugleich die internationale Rolle des Euros. Gedacht ist der Schritt vor allem als Signal für mehr Stabilität im Euro-Finanzsystem und als zusätzlicher Anreiz, bei internationalen Transaktionen den Euro zu verwenden. Allerdings signalisiert die Maßnahme möglicherweise auch eine gewisse Nervosität mit Blick auf die Stabilität der Euro-Finanzströme in Stressphasen. Interessant ist auch, dass die EZB die Änderung im Zusammenhang mit der Münchener Sicherheitskonferenz öffentlich kommuniziert hat. Dies zeigt, dass finanzpolitische Fragen zunehmend in einem geostrategischen Kontext gesehen werden. So könnte die Entscheidung der EZB auch dazu dienen, Länder in aller Welt wirtschaftlich und damit auch strategisch enger an Europa zu binden und die wirtschaftliche Abhängigkeit dieser Länder etwa von China oder Russland zu verringern.

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