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14:45 Uhr, 27.04.2026

Exklusive stock3 Plus Analyse: Notenbanken und Big-Tech-Zahlen rücken in den Fokus

In der neuen Börsenwoche dürften Zinsentscheide von EZB und Fed sowie Quartalszahlen der großen US-Technologiekonzerne für jede Menge neue Impulse sorgen.

Während die US-Indizes trotz des Iran-Kriegs von Rekordhoch zu Rekordhoch eilen, bleibt der DAX noch ein gutes Stück von seinem im Januar erreichten Allzeithoch entfernt. In der neuen Woche dürfte sich der Fokus von Anlegern und Händlern ein gutes Stück verschieben: Während Nachrichten aus dem Iran weiterhin das Potenzial haben, für deutliche Kursbewegungen zu sorgen, werden auch die Zinsentscheide der wichtigsten Notenbanken der Welt und die Quartalszahlen der großen US-Technologiekonzerne die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer binden.


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Zinsentscheide, wohin das Auge auch blickt

Für die kommenden Handelstage dürften geldpolitische Signale besonders wichtig werden. Am Dienstag entscheidet die Bank of Japan über ihre geldpolitische Ausrichtung, am Mittwoch folgt der Zinsentscheid der US-Notenbank Fed. Am Donnerstag stehen die Zinssitzungen der Europäischen Zentralbank und der Bank of England an.

Bei Fed und EZB wird zwar keine unmittelbare Änderung der Leitzinsen erwartet. Entscheidend ist aber, wie die Notenbanken den Ölpreisanstieg, die Inflationserwartungen und die konjunkturelle Dynamik einordnen. Der Iran-Krieg bleibt ein Unsicherheitsfaktor, vor allem wegen möglicher Auswirkungen auf Energiepreise und Inflation. Ein dauerhaft hoher Ölpreis würde den Spielraum der Notenbanken einschränken und könnte Zinserhöhungen in den kommenden Monaten wieder wahrscheinlicher machen. In der Eurozone hat sich die jährliche Inflationsrate von 1,9 % im Februar auf 2,6 % im März bereits deutlich beschleunigt. Für April wird von den Volkswirten der Banken im Schnitt sogar mit einer Teuerungsrate von 3,0 % gerechnet.

Der Zinsentscheid der US-Notenbank Fed am Mittwoch könnte unterdessen der letzte unter dem Vorsitz von Jerome Powell sein. Powells Amtszeit als Chairman der US-Notenbank endet im Mai 2026. Sollte Powells designierter Nachfolger Kevin Warsh rechtzeitig vom US-Senat bestätigt werden, dürfte der neue Fed-Chef bereits beim Zinsentscheid am 17. Juni über die Geschicke der US-Geldpolitik entscheiden. Mit der Einstellung der Ermittlungen des US-Justizministeriums gegen Jerome Powell ist die Wahrscheinlichkeit für eine baldige Bestätigung von Kevin Warsh erheblich gestiegen.

Anders als seine Amtszeit als Vorsitzender des Fed-Boards endet die Mandatsdauer von Powell als reines Mitglied des Verwaltungsrates allerdings erst im Januar 2028. Gut möglich, dass sich Powell auf der Pressekonferenz zum Zinsentscheid dazu äußert, ob er auch nach dem Ende seines Vorsitzes noch als einfaches Mitglied im Gouverneursrat der Fed aktiv sein will. Dies wäre zwar ungewöhnlich, wäre aber voll von den geltenden Regeln abgedeckt.

Unterdessen stehen auch mehrere wichtige Konjunkturdaten an. Am Dienstag wird das US-Verbrauchervertrauen veröffentlicht. Am Mittwoch folgen die vorläufigen deutschen Verbraucherpreise und am Donnerstag die vorläufigen Inflationsdaten aus der Eurozone sowie der US-PCE-Preisindex. Zum Wochenschluss richten sich die Blicke auf den ISM-Einkaufsmanagerindex für die US-Industrie.

Berichtssaison erreicht ihren Höhepunkt

Mit den Quartalszahlen der meisten großen US-Technologiekonzerne erreicht die Berichtssaison für das erste Quartal ihren Höhepunkt. Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft berichten zur Wochenmitte über das zurückliegende Quartal, Apple folgt am Donnerstag.

Bei den Tech-Konzernen dürften Anleger vor allem auf Aussagen zu Investitionen in KI-Infrastruktur, Cloud-Nachfrage, Margen und Monetarisierung achten. Nach der Rally der vergangenen Wochen sind die Erwartungen hoch. Solide Zahlen allein könnten daher nicht reichen, wenn die Ausblicke hinter den Markterwartungen zurückbleiben.

Neben den großen Tech-Konzernen werden in den kommenden Tagen zahlreiche weitere US-Unternehmen ihre Zahlen vorlegen, u.a. Verizon (Montag), Visa, Coca-Cola, T-Mobile US, Booking, Seagate, Starbucks (Dienstag), AbbVie, AstraZeneca, Amphenol, Qualcomm (Mittwoch), Eli Lilly, Mastercard, Caterpillar, Merck & Co, Amgen (Donnerstag) sowie Exxon Mobil, Chevron, Linde und Colgate-Palmolive (Freitag).

Auch in Deutschland nimmt die Berichtssaison Fahrt auf. Nach einem zunächst ruhigeren Wochenauftakt mit Südzucker, Nordex und Deutsche Börse folgen am Dienstag unter anderem Airbus und Mutares. Am Mittwoch stehen Zahlen von Deutsche Bank, DWS, Mercedes-Benz, Siltronic, Wacker Chemie, Adidas, Scout24, Symrise, Traton und Porsche AG an. Am Donnerstag berichten unter anderem BASF, DHL Group, Kion, Nemetschek, Aixtron, Delivery Hero, Volkswagen, MTU und Puma.

Anders als in den USA sind die Gewinnerwartungen für die deutschen Unternehmen seit Ausbruch des Iran-Kriegs deutlich gesunken. Wichtig dürfte deshalb werden, wie sich die Unternehmen zu den Aussichten im veränderten geopolitischen Umfeld äußern und wie stark sich der Konflikt im Mittleren Osten auf das Geschäft auswirkt.

In Deutschland endet die neue Börsenwoche bereits vorzeitig mit dem Handel am Donnerstag. Am Freitag (1. Mai, Tag der Arbeit) bleiben die deutschen Börsen geschlossen.

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Erstveröffentlichung: 27. Apr. 2026 um 12:42 Uhr von Oliver Baron

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