EVONIK erwartet starkes zweites Quartal
- Lesezeichen für Artikel anlegen
- Artikel Url in die Zwischenablage kopieren
- Artikel per Mail weiterleiten
- Artikel auf X teilen
- Artikel auf WhatsApp teilen
- Ausdrucken oder als PDF speichern
Erwähnte Instrumente
- VerkaufenKaufen
Schnell. Sicher. Direkt.Trading über stock3 war noch nie so einfach.
Mehr erfahren Nein, danke
- Evonik Industries AG - WKN: EVNK01 - ISIN: DE000EVNK013 - Kurs: 17,050 € (XETRA)
Die Erkenntnis dahinter ist so nüchtern wie aufschlussreich: Ein Teil des Rückenwinds kommt nicht aus echter Nachfragestärke, sondern aus der Angst vor Engpässen.
Das bereinigte EBITDA lag im ersten Quartal mit 475 Mio. EUR leicht über der eigenen Prognose von rund 450 Mio. EUR. Gemessen am Vorjahreswert von 560 Mio. EUR entspricht das dennoch einem Rückgang von 15 %. Der Konzernumsatz sank um 9 % auf 3,43 Mrd. EUR. Mehr als die Hälfte dieses Rückgangs geht auf Wechselkurseffekte zurück, die den Erlös um rund 5 % belasteten. Der organische Umsatz schrumpfte um 3 %, getrieben von jeweils leicht rückläufigen Absatzmengen (minus 2 %) und Verkaufspreisen (minus 1 %). Die bereinigte EBITDA-Marge gab von 14,8 % auf 13,9 % nach. Das Konzernergebnis halbierte sich nahezu auf 125 Mio. EUR, nach 233 Mio. EUR im Vorjahreszeitraum. Das bereinigte Ergebnis je Aktie sank von 0,59 EUR auf 0,34 EUR.
Bemerkenswert stabil zeigte sich dagegen der Free Cashflow: Mit 183 Mio. EUR lag er nur knapp unter dem Vorjahreswert von 195 Mio. EUR, obwohl das operative Ergebnis deutlich schwächer ausgefallen war. Möglich wurde dies durch Kundenvorauszahlungen und eine disziplinierte Steuerung des Nettoumlaufvermögens. Der operative Cashflow verbesserte sich sogar auf 407 Mio. EUR. Die Nettofinanzverschuldung sank gegenüber dem Jahresende 2025 um 171 Mio. EUR auf 3,14 Mrd. EUR.
"Wirtschaftswachstum fußt auf freiem Warenverkehr", sagte Vorstandschef Christian Kullmann. "Der war durch Protektionismus bereits massiv eingeschränkt. Nun kommt im Nahen Osten noch ein Krieg hinzu, der ganze Seewege blockiert. Das ist ein zusätzliches Risiko."
Kriegsdividende auf Zeit
Der Kriegsausbruch im Nahen Osten, der in Evoniks Zahlen ab März deutlich spürbar wurde, hat das Gewinnprofil des Jahres 2026 grundlegend verändert. Die Sperrung der Straße von Hormus treibt Energie- und Rohstoffpreise in die Höhe und zwingt Kunden weltweit zur Bevorratung. Für Evonik bedeutet das kurzfristig mehr Volumen, insbesondere bei Vernetzern, Hochleistungskunststoffen und Schmierstoffadditiven, die sich im März überdurchschnittlich entwickelten. Auch die Methioninpreise, die im Segment Animal Nutrition eine zentrale Rolle spielen, übertrafen die Erwartungen.
Evonik sieht sich in diesem Umfeld strukturell besser aufgestellt als viele Wettbewerber: Rund 80 % der Verkäufe werden lokal produziert, rund 80 % der Rohstoffe werden lokal bezogen. Das begrenzt die direkte Abhängigkeit von gestörten Lieferketten. Hinzu kommt eine Hedging-Strategie, die den Anstieg der Energiekosten zunächst abpuffert. Eine Ausnahme bleibt die Methioninproduktion in Singapur, wo die Versorgung mit Rohstoffen partiell unter Force-Majeure-Bedingungen steht.
Das Segment Advanced Technologies, mit Bereichen wie Animal Nutrition, Inorganics und Organics, erwirtschaftete im ersten Quartal ein bereinigtes EBITDA von 241 Mio. EUR, 17 % weniger als im Vorjahr. Die Marge sank von 18,2 % auf 16,6 %. Custom Solutions, das Additive und Care-Produkte bündelt, meldete ein bereinigtes EBITDA von 227 Mio. EUR, ein Minus von 11 %, bei einer Marge von 17,0 % nach zuvor 17,9 %. Beide Segmente litten vor allem unter Währungsgegenwind und schwacher Grundnachfrage zu Jahresbeginn.
"Das erste Quartal war zwar nicht gut, aber es war besser, als wir erwartet hatten, vor allem zum Ende hin", sagte Claus Rettig. "Das gibt uns etwas mehr Zuversicht verglichen mit dem Jahresbeginn."
Das zweite Quartal als Höhepunkt des Jahres
Für das laufende zweite Quartal erwartet Evonik ein bereinigtes EBITDA von mindestens 550 Mio. EUR, deutlich mehr als die 509 Mio. EUR im zweiten Quartal 2025 und ein klares Momentum gegenüber dem ersten Quartal. Getragen wird diese Erwartung von weiter anhaltenden Vorratskäufen, einem verbesserten Preisumfeld, insbesondere bei Methionin, sowie steigenden Verkaufspreisen, die mit zeitlicher Verzögerung in den Markt durchgereicht werden.
Gleichwohl betont das Unternehmen, dass es sich bei diesem Anstieg zu einem erheblichen Teil um vorgezogene Nachfrage handelt, nicht um echtes Wachstum. Ab dem dritten Quartal droht die Kehrseite: Steigende Inflationsraten könnten Konsum und Investitionen belasten, höhere Energie- und Rohstoffkosten die Margen unter Druck setzen, und auf die Bevorratungskäufe könnte ein Lagerabbau folgen. Evonik geht davon aus, dass sich Chancen und Risiken auf Jahressicht in etwa ausgleichen werden.
Entsprechend bestätigt der Konzern die Jahresprognose: Das bereinigte EBITDA soll 2026 zwischen 1,7 Mrd. EUR und 2,0 Mrd. EUR liegen, eine breite Spanne, die das außergewöhnliche Maß an Planungsunsicherheit widerspiegelt. Beim Umsatz erwartet Evonik weiterhin zwischen 13,5 Mrd. EUR und 14,5 Mrd. EUR. Der Capex soll diszipliniert bei rund 750 Mio. EUR gehalten werden, die angestrebte Cash Conversion Rate liegt unverändert bei etwa 40 %.
Parallel laufen die Sparmaßnahmen: Das Restrukturierungsprogramm Evonik Tailor Made befindet sich im dritten und letzten Jahr und soll 2026 gemeinsam mit operativen Optimierungsprogrammen insgesamt 1.000 Stellen abbauen. Allein seit Jahresende 2025 wurden bereits 410 Vollzeitstellen reduziert.
Fazit: Kurzfristig läuft es gut, mittelfristig bleibt die Lage beim Chemiekonzern jedoch herausfordernd. Die Evonik-Aktie hat bereits eine deutliche Rally hinter sich, doch wie sich das Geschäft nach dem zweiten Quartal entwickeln wird, lässt sich derzeit nur schwer prognostizieren. Immerhin bleibt das Unternehmen auf Kurs zu seinen Jahreszielen, das ist die positive Botschaft. Die Bewertung wirkt nicht teuer, das Geschäftsmodell bleibt jedoch stark zyklisch geprägt.
Weitere Analysen & News zur Aktie unserer Redaktion findest Du hier.
| Jahr | 2025 | 2026e* | 2027e* |
| Umsatz in Mrd. EUR | 14,07 | 14,40 | 14,52 |
| Ergebnis je Aktie in EUR | 1,36 | 1,26 | 1,40 |
| KGV | 13 | 13 | 12 |
| Dividende je Aktie in EUR | 1,00 | 0,76 | 0,83 |
| Dividendenrendite | 5,88% | 4,47% | 4,88% |
|
*e = erwartet, Berechnungen basieren bei |

Eröffne jetzt Dein kostenloses Depot bei justTRADE und profitiere von vielen Vorteilen:
✓ 50 Euro Startguthaben bei justTRADE
✓ ab 0 € Orderprovision für die Derivate-Emittenten (zzgl. Handelsplatzspread)
✓ 4 € pro Trade im Schnitt sparen mit der Auswahl an 3 Börsen - dank Quote-Request-Order
Nur für kurze Zeit: Erhalte eine Überraschung von stock3 on top!
Passende Produkte
| WKN | Long/Short | KO | Hebel | Laufzeit | Bid | Ask |
|---|

Keine Kommentare
Die Kommentarfunktion auf stock3 ist Nutzerinnen und Nutzern mit einem unserer Abonnements vorbehalten.