Kommentar
14:02 Uhr, 15.10.2012

Der wirtschafts- politische Kommentar

Dieser Beitrag wurde im September auf Einladung eines Gewerkschafts-Magazins geschrieben. Er sollte im Zuge einer Ökonomen-Debatte in einer Rubrik erscheinen, in der das „Für“ und „Wider“ der geplanten Anleihekäufe durch die Europäische Zentralbank erörtert wird. Er ist jedoch nicht abgedruckt worden.

Das Vorhaben, den Euro um jeden Preis zu erhalten, wird ruinös für Arbeitnehmer und Sparer

Die Entscheidung zur Inflationierung des Euro ist längst gefallen: Die Regierenden und die von ihnen begünstigten Gruppen (vor allem die Großindustrie und die Banken- und Finanzbranche) wollen Pleiten von Staaten und Geschäftsbanken mit der Ausgabe von immer mehr Geld abwehren.

Dazu wird der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) Anleihen von strauchelnden Staaten aufkaufen, wenn nötig in unbegrenztem Umfang, und die Käufe mit neu geschaffenem Geld bezahlen.

Die Inflation wird offen zutage treten, wenn der EZB-Rat Staatsanleihen kauft, die sich im Besitz von Nichtbanken (wie Versicherungen, Pensionskassen und private Sparer) befinden. Denn dadurch wird die umlaufende Geldmenge direkt erhöht – und früher oder später steigen dann absehbar auch die Preise (für Vermögensgegenstände wie Aktien, Grundstücke und Häuser, aber auch die Lebenshaltungskosten), und das Geld verliert an Kaufkraft.

Leidtragende dieser bewusst herbeigeführten Inflationspolitik werden vor allem Arbeitnehmer und Sparer sein. Bekanntlich passen sich die Löhne nur zeitverzögert an steigende Preise an, so dass die realen Arbeitseinkommen sinken werden. Und das Sparvermögen – in Form von zum Beispiel Termin- und Spareinlagen, Anleihen und Lebensversicherungen – wird entwertet. Das Vorhaben, den Euro um jeden Preis zu erhalten, wie es auch die deutsche Bundesregierung will, wird ruinös für Arbeitnehmer und Sparer.

Dass die EZB-Geldpolitik das Geld in Form von Bargeld und Giroguthaben entwertet, ist mittlerweile offensichtlich: Der Zins auf diese Geldformen ist null Prozent und die offizielle Inflation beträgt mehr als 2,0 Prozent pro Jahr.

Dadurch ist nun aber auch der Realzins, also der inflationsbereinigte Zins, negativ geworden, so dass auch Termin- und Sparguthaben, aber auch Geldmarktfonds und kurzlaufende Anleihen von noch vergleichsweise gut eingestuften Schuldnern dem Anleger eine negative reale Verzinsung bescheren.

Dr. Thorsten Polleit, Chefvolkswirt der Degussa Goldhandel GmbH

Degussa Goldhandel GmbH, Kettenhofweg 29, 60325 Frankfurt am Main, Tel: 069/860068-0, Fax: 069/860068-222, Mail: info@degussa-goldhandel.de

http://www.degussa-goldhandel.de

Keine Kommentare

Du willst kommentieren?

Die Kommentarfunktion auf stock3 ist Nutzerinnen und Nutzern mit einem unserer Abonnements vorbehalten.

  • für freie Beiträge: beliebiges Abonnement von stock3
  • für stock3 Plus-Beiträge: stock3 Plus-Abonnement
Zum Store Jetzt einloggen