Das nächste große KI-Geschäft steckt im Stromnetz
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Für den Energietechnikkonzern GE Vernova könnte genau daraus eine jahrzehntelange Wachstumsstory entstehen.
Auf der Bernstein Strategic Decisions Conference machte Konzernchef Scott Strazik deutlich, dass der aktuelle Boom weit über den kurzfristigen Ausbau von KI-Rechenzentren hinausgeht. Vielmehr sieht der Manager eine strukturelle Neuordnung der globalen Energieinfrastruktur. "Wir elektrifizieren die Welt“, sagte Strazik und verwies auf einen Auftragsbestand, der inzwischen auf 163 Mrd. USD angewachsen ist. Seit der Abspaltung von General Electric im Jahr 2024 sei allein der Equipment-Backlog um 80 % gestiegen.
Besonders bemerkenswert: GE Vernova erzeugt nach eigenen Angaben bereits heute rund 25 % des weltweit produzierten Stroms. In den USA stammt sogar etwa die Hälfte der täglichen Stromversorgung aus Anlagen des Konzerns. Dahinter stehen mehr als 7.000 Gasturbinen, 59.000 Windturbinen sowie zahlreiche Nuklear- und Netzsysteme.
KI treibt den Stromhunger der Welt
Die Wall Street fokussiert sich derzeit vor allem auf den Ausbau von Rechenzentren für künstliche Intelligenz. Tatsächlich profitieren davon insbesondere Anbieter von Gasturbinen, Transformatoren und Netztechnik. Doch Strazik betont, dass KI lediglich ein Teil eines wesentlich größeren Trends sei. Nur etwa 20 % bis 25 % des aktuellen Auftragsbestands seien direkt mit Datencentern verbunden. Der Rest resultiere aus einer breiteren Elektrifizierungswelle.
Der CEO zieht dabei einen historischen Vergleich. Die heutige Phase erinnere ihn an die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Industrienationen ihre Infrastruktur massiv ausbauten. Diesmal gehe es jedoch nicht nur um Wirtschaftswachstum, sondern zusätzlich um nationale Sicherheit, Dekarbonisierung und digitale Infrastruktur.
Besonders dynamisch entwickelt sich das Geschäft mit Gasturbinen. GE Vernova verfügt inzwischen über Verträge für rund 100 Gigawatt neuer Kraftwerkskapazität bis zum Ende des Jahrzehnts. Zum Vergleich: Die bestehende installierte Basis umfasst derzeit rund 720 Gigawatt. Vor allem die Nachfrage nach dauerhaft laufender Grundlastversorgung wächst rapide. Rechenzentren für KI benötigen rund um die Uhr stabile Energieversorgung. Genau hier sieht der Konzern langfristig hohe Serviceerträge.
Denn das eigentliche Geschäftsmodell endet nicht mit dem Verkauf einer Turbine. Wartung, Ersatzteile und langfristige Serviceverträge gelten seit Jahren als besonders margenstark. Der bestehende Service-Auftragsbestand liegt inzwischen bei 87 Mrd. USD und soll bis 2027 jährlich rund 20 Mrd. USD Umsatz generieren.
Elektrifizierung wird zum Milliardenmarkt
Der größte Wachstumstreiber ist inzwischen jedoch die Sparte "Electrification“. Dort bündelt GE Vernova Transformatoren, Netztechnik, Stromumwandlung und Netzsoftware. Das Geschäft wächst schneller als alle anderen Konzernbereiche.
Der Auftragsbestand der Sparte stieg von 9 Mrd. USD Ende 2022 auf zuletzt 42 Mrd. USD. Bis 2028 erwartet der Konzern in diesem Bereich rund 20 Mrd. USD Umsatz bei EBITDA-Margen von etwa 22 %. Strazik bezeichnet diese Ziele ausdrücklich als „Untergrenze“.
Besonders interessant für Investoren ist dabei die strategische Positionierung. GE Vernova liefert nicht nur Stromerzeugung, sondern zunehmend integrierte Komplettlösungen für Rechenzentren und Stromnetze. Dazu gehören Transformatoren, Netzanschlüsse, Softwaresteuerung und sogenannte "Stability Blocks“, die extreme Lastschwankungen in KI-Rechenzentren ausgleichen sollen.
Genau darin sieht das Management einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Während viele Anbieter nur einzelne Komponenten liefern, verbindet GE Vernova Energieerzeugung, Stromnetz und Steuerungstechnologie in einem integrierten System. Mit zunehmender Komplexität der Stromnetze steigt auch der Bedarf an solchen Komplettlösungen. Der adressierbare Markt sei enorm. Allein im Bereich Elektrifizierung sieht GE Vernova ein potenzielles Marktvolumen von rund 300 Mrd. USD.
Nuklearenergie erlebt ein Comeback
Zusätzlich setzt der Konzern massiv auf kleine modulare Kernreaktoren, sogenannte SMRs. Noch ist das Nukleargeschäft mit weniger als 1 Mrd. USD Umsatz vergleichsweise klein. Doch Strazik erwartet einen deutlichen Ausbau in den kommenden Jahren.
Das BWRX-300-Projekt in Kanada gilt dabei als wichtiger Meilenstein. Gleichzeitig laufen Projekte in den USA, Schweden und Polen. Laut Management könnten bis Jahresende bereits Verträge für bis zu zehn SMR-Anlagen in den USA vorliegen. Langfristig sieht GE Vernova Nuklearenergie als wichtige Ergänzung zu Gaskraftwerken, insbesondere für CO₂-freie Grundlastversorgung.
Interessant ist dabei auch die geopolitische Komponente. Die USA und Japan unterstützen den Aufbau der SMR-Industrie inzwischen mit milliardenschweren Förderprogrammen. Ziel ist eine Reindustrialisierung der nuklearen Lieferketten nach Jahren geringer Investitionen.
Trotz der Euphorie sieht GE Vernova weiterhin erhebliche Engpässe in der Industrie. Besonders problematisch bleiben Baukapazitäten und Fachkräftemangel. Viele Rechenzentrumsprojekte verzögerten sich derzeit nicht wegen fehlender Turbinen, sondern aufgrund mangelnder EPC-Kapazitäten und fehlender Infrastruktur vor Ort.
Auch Lieferketten bleiben kritisch. Seltene Erden, Spezialkomponenten und industrielle Automatisierung zählen laut Management zu den größten Herausforderungen. Gleichzeitig investiert der Konzern massiv in eigene Automatisierungs- und KI-Lösungen, um Produktivität und Margen zu steigern.
Allein in den kommenden vier Jahren plant GE Vernova Investitionen von rund 11 Mrd. USD in Forschung, Entwicklung und Kapazitäten. Parallel dazu kauft das Unternehmen weiterhin eigene Aktien zurück. Seit dem Spin-off wurden bereits rund 4,6 Mrd. USD in Rückkäufe investiert.
Ein Infrastrukturkonzern für das KI-Zeitalter
An der Börse wird GE Vernova zunehmend als zentraler Profiteur des globalen Strombooms wahrgenommen. Der Konzern verbindet mehrere der derzeit wichtigsten Megatrends: KI-Rechenzentren, Elektrifizierung, Netzmodernisierung und Energiesicherheit.
Die entscheidende Frage bleibt allerdings, wie nachhaltig der aktuelle Investitionszyklus tatsächlich ist. Kritiker warnen bereits vor Überkapazitäten im Datacenter-Markt und politischen Widerständen gegen neue Energieinfrastruktur. Strazik weist diese Sorgen bislang zurück. Die Nachfrage sei wesentlich breiter und globaler als viele Investoren annähmen.
Fazit: GE Vernova haben wir an dieser Stelle bereits oftmals vorgestellt. Das Unternehmen ist bestens aufgestellt. Die Börse weiß das aber längst und bewertet das Unternehmen wie eine echte High-Tech-Perle. Das Wachstum muss auch in Zukunft passen, um eine solche Bewertung zu rechtfertigen. Jahrzehntelang waren Unternehmen wie GE Vernova oder Siemens Energy völlig out. Jetzt leuchtet der Stern heller als je zuvor. Doch Vorsicht: Der Boom kann sich auch wieder abschwächen.
| Jahr | 2025 | 2026e* | 2027e* |
| Umsatz in Mrd. USD | 38,07 | 45,49 | 51,88 |
| Ergebnis je Aktie in USD | 16,67 | 15,24 | 24,51 |
| KGV | 62 | 68 | 42 |
| Dividende je Aktie in USD | 1,00 | 2,00 | 2,50 |
| Dividendenrendite | 0,10% | 0,19% | 0,24% |
|
*e = erwartet, Berechnungen basieren bei |

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