Analyse

Das Jahr der Wahrheit bei diesem Nebenwert

Versprechungen wurden viele gemacht bei diesem Unternehmen in den vergangenen Monaten und Jahren. Nun tritt das Management in die heiße Phase ein, will es die Langfristprognosen noch erreichen. Großaktionäre glauben an die Story und kaufen zu. Bereits in dieser Woche dürfte es spannend werden.

Erwähnte Instrumente

  • Francotyp-Postalia Holding AG - WKN: FPH900 - ISIN: DE000FPH9000 - Kurs: 3,440 € (XETRA)

Man kennt es nur zu gut als Investor. Da werden per Pressemitteilungen oder auch in persönlichen Gesprächen seitens der Vorstände die wirtschaftlichen Aussichten des jeweiligen Unternehmens über aller Maßen gelobt, um im Nachhinein festzustellen, dass die ganze Einschätzung mit der Realität wenig zu hatte. Die Folge sind Kurseinbrüche bei den jeweiligen Aktien, gerade im Smallcapbereich. Bei diesem Wert wird es nun spannend. Denn gerade 2019 dürfte das Jahr werden, wo der Vorstand des Unternehmens Farbe bekennen muss: Sind die ambitionierten Aufwärtsziele noch erreichbar? Falls ja, winkt ein fulminantes Comeback.

Der ein oder andere Smallcap-Fan wird die von Francotyp-Postalia im Quartalsabstand fast schon gebetsmühlenartig veröffentlichten Langfristziele nicht mehr lesen wollen oder schon auswendig kennen. Nach einer Transformationsphase will der Vorstand den Umsatz im Jahr 2020 auf 250 Mio. EUR hieven bei einer EBITDA-Marge von 17 %. Dem aber nicht genug. Zum 100-jährigen Bestehen des Unternehmens im Jahr 2023 soll der Umsatz auf 400 Mio. EUR in die Höhe schießen bei einer dann noch einmal erhöhten EBITDA-Marge von 20 %. Das Ergebnis je Aktie soll ab dem Jahr 2020 1,00 EUR je Aktie oder mehr betragen. Zum Vergleich: 2017 lag der Umsatz bei 206 Mio. EUR, die EBITDA-Marge betrug 13 %, der Gewinn je Aktie 0,28 EUR. Die Marktkapitalisierung von Francotyp-Postalia liegt derzeit um die 55 Mio. EUR.

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Quelle: Francotyp-Postalia

Angesichts eines wohl kaum veränderten Umsatzes 2018 und einer sich verschlechterten Ergebnissituation aufgrund zahlreicher Maßnahmen für die Zukunft wird der Vorstand im Jahr 2019 Gas geben müssen, um zumindest das 2020er-Ziel noch erreichen zu können. Einen Hinweis darauf dürfte der am Donnerstag stattfindende Investorentag in Berlin liefern. Vorstandsvorsitzender Andreas Günther wird auf der Veranstaltung seine Visionen für die kommenden Jahre präsentieren und vielleicht ja auch schon eine Prognose auf das Geschäftsjahr 2019. Nachfolgend sehen Sie die Schätzungen der Analysten für die kommenden zwei Jahre:

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Jahr 2018e* 2019e* 2020e*
Umsatz in Mio. EUR 210,30 219,80 235,10
Ergebnis je Aktie in EUR 0,11 0,52 0,70
KGV 30 6 5
Dividende je Aktie in EUR 0,06 0,19 0,28
Dividendenrendite 1,79 % 5,67 % 8,36 %
*e = erwartet

Wie man sieht, sind auch diese Schätzungen äußerst ambitioniert, liegen aber bereits unter der 2020er-Prognose des Vorstands. So gehen die Analysten 2020 von einer EBITDA-Marge um die 14,5 % aus, deutlich weniger als das vom Vorstand ausgegebene Ziel von 17 %. Gemessen an diesen Werten wäre die Aktie spottbillig anzusehen und sogar für Dividendenjäger interessant. Die Vergangenheit zeigt aber, dass man hier einen Abschlag durchaus vornehmen sollte und die Schätzungen sich oftmals als zu hoch erwiesen haben. Eines ist aber sicher: Auch die Analysten werden mit Spannung auf das Event am Donnerstag blicken.

Interessant ist folgender Sachverhalt: Der bekannte Investor Rolf Elgeti stieg im Vorjahr erstmalig bei Francotyp ein und baute eine Position von gut 3,9 % auf. Diese erhöhte er schrittweise auf 6,6 % und vor einigen Tagen auf über 10 %. Elgeti scheint also an die Pläne des Vorstands zu glauben, anders ist ein solcher Schritt kaum zu deuten.

Ausbau des Marktanteils

Wie möchte Francotyp-Postalia die Ziele erreichen? Nun, zunächst einmal setzt man auf die "schlafende" Konkurrenz. Die beiden Hauptkonkurrenten Neopost und Pitney Bowes haben ihren Fokus vom klassischen Geschäft mit Frankiermaschinen abgewendet. Mit der ACT-Strategie (ACT für Attack, Customer und Transformation) will Francotyp dagegen Gas geben und durch einen verstärkten Fokus auf Service, Marketing wie auch Forschung & Entwicklung seinen Marktanteil von 11 % ausbauen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Maschinen der Deutschen sind deutlich moderner, während man bei der Konkurrenz teilweise den Eindruck hat, die Zeit sei stehen geblieben.

"Wer verschickt eigentlich noch Briefe?" werden Sie sich vielleicht fragen. Und die Frage ist berechtigt. Es ist anzunehmen, dass Unternehmen gerade standardisierte Informationen verstärkt per E-Mail an den Kunden ausgeben. Auf der anderen Seite werden Briefe auch weiterhin verschickt werden müssen, denkt man nur an offizielle Schreiben, Verträge, aber durchaus auch Rechnungen, denen beispielsweise SEPA-Überweisungsformulare beiliegen. Gerade im sogenannten A- und B-Segment, also 1-200 bzw. 200-2.000 Briefe pro Tag, möchte Francotyp-Postalia punkten.

Auch durch eine internationale Expansion will das Management den Marktanteil ausbauen. Gerade im internationalen Vertrieb hat man daher die Mitarbeiterzahl in den vergangenen Jahr deutlich ausgebaut, während der Vertrieb in Deutschland zurückgefahren wurde.

Neben dem klassischen Geschäft mit Frankier - und Kuvertiersystemen bietet Francotyp-Postalia auch Services an, beispielsweise das Abholen unfrankierter Ausgangspost, um die Frankierung für den Kunden selbst zu übernehmen. Das dritte Standbein sind Softwarelösungen, bei denen man sich verstärkt im Bereich digitale Kommunikation positionieren möchte. Darunter zählt beispielsweise das Hybrid-Mail-System, bei dem der Absender ein Dokument unter Einhaltung höchster Sicherheitsstandards über das Internet verschickt und der Empfänger wiederum einen klassischen Brief erhält. Francotyp-Postalia deckt dabei den kompletten Prozess ab, von der Erstellung des Dokuments bis zur Zustellung. Vielversprechend ist vor allen Dingen das Produkt FP Sign, eine cloudbasierte Lösung für den rechtssicheren digitalen Abschluss und Austausch von Verträgen und Dokumenten. Interessant für Investoren: Rund 80 % des Umsatzes von Francotyp-Postalia sind wiederkehrend, das Geschäft also stabil.

Sollten die Ziele 2020 erreicht werden, möchte man den nächsten Schritt hin zu 400 Mio. EUR auf der Erlösseite auch durch Zukäufe schaffen. Ein zugekaufter Umsatz von rund 80 Mio. EUR ist dabei in der Planung enthalten. Eine Kreditlinie über 150 Mio. EUR steht für Übernahmen zur Verfügung.

Abschließend noch ein Blick auf den Langfristchart der Aktie. Im Jahr 2017 konnte der Smallcap die massive technische Hürde bei 4,90 EUR hinter sich lassen und erreichte in der Spitze Kurse von 6,10 EUR. Im Anschluss wurde dieses Ausbruchssignal aber wieder negiert. 2018 war kein gutes Jahr für den Titel, was auch mit den Belastungen auf der Ergebnisseite durch die Restrukturierungsprogramme zu erklären ist. Die Unterstützung bei 2,90 EUR hat zumindest gehalten. Wird sie im Jahresverlauf gerissen, drohen Kurse um 2,15 EUR. Steigt der Wert im Jahresverlauf über 4,20 EUR, besser noch über 4,90 EUR an, hellt sich das Bild wieder auf. Aktuell sind zwei Abwärtstrendvarianten intakt.

Francotyp-Postalia-Chartanalyse (Monatschart)
Statischer Chart
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Fazit: Selbst wenn die ambitionierten Ziele des Vorstands, wie von Analystenseite aktuell bereits erwartet, nicht vollends erreicht werden, bietet die Aktie von Francotyp-Postalia eine interessante Langfrist-Story. Das hätte man zwar auch schon im Jahr 2017 schreiben können, wird aber nun so langsam spruchreif, denn bis zum Jahr 2020 ist es nicht mehr weit. Der Vorstand wird also aufzeigen müssen, ob die Ziele 2020 wie auch 2023 noch Bestand haben. Der am Donnerstag stattfindende Investorentag liefert hierfür die passende Bühne. Großinvestoren wie Rolf Elgeti haben über die vergangenen Monate zugekauft. Auf Basis der aktuellen Analystenschätzungen und der Langfristziele des Vorstands ergeben sich KGVs von 5 und 3 für die Jahre 2020 und 2023. Das KUV beträgt aktuell 0,26 und sinkt auf Basis der 2020er-Prognose auf 0,23. Auch winkt die Rückkehr zur Dividendenaktie, sollten die Gewinnziele erreicht werden.

GodmodeTrader wird die weitere Entwicklung des Smallcaps, natürlich auch in gewohnt kritischer Art und Weise, genau verfolgen.

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Über den Experten

Bastian Galuschka
Bastian Galuschka
Stv. Chefredakteur

Bastian Galuschka ist seit über 20 Jahren an der Börse aktiv. Er entdeckte bereits zu Schulzeiten seine Leidenschaft für die Börse. Über fünf Jahre lang war der Diplom-Volkswirt als Redakteur bei einem bekannten Anlegermagazin tätig und verantwortete dort den Bereich Charttechnik. Seit März 2013 verstärkt er die Redaktion der stock3 AG. Bastian Galuschka kombiniert bei seinen Analysen gerne Fundamentaldaten mit charttechnischen Aspekten. Gerade im Smallcapbereich hat sich der Analyst über viele Jahre ein fundiertes Wissen aufgebaut. Seit Juni 2016 ist Galuschka Stellvertretender Chefredakteur von stock3.

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