Analyse
15:00 Uhr, 19.10.2026

Darmstädter MERCK tätigt den nächsten milliardenschweren Zukauf

Für rund 1,3 Mrd. USD übernimmt der Darmstädter Konzern das britische Biotechunternehmen Silence Therapeutics. Der zweite größere Zukauf binnen eineinhalb Jahren zeigt, wie entschlossen Merck die Lücke schließen will, die der Patentverlust seines MS-Mittels Mavenclad reißt.

Erwähnte Instrumente

  • ISIN: DE0006599905Kopiert
    Kursstand: 142,100 € (XETRA) - Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung
    VerkaufenKaufen

    Schnell. Sicher. Direkt.Trading über stock3 war noch nie so einfach. 

    Mehr erfahren Nein, danke
  • Merck KGaA - WKN: 659990 - ISIN: DE0006599905 - Kurs: 142,100 € (XETRA)

Der Aderlass gehört zu den ältesten Verfahren der Medizin, und für Menschen mit Polycythaemia vera ist er bis heute Alltag. Bei dieser seltenen Form von Blutkrebs produziert das Knochenmark zu viele rote Blutkörperchen, das Blut wird zähflüssig, das Risiko für Thrombosen und Herz-Kreislauf-Ereignisse steigt. Regelmäßig abgenommenes Blut soll den Hämatokritwert in Schach halten. Ein Medikament, das diese Prozedur weitgehend überflüssig machen könnte, ist Merck nun rund 1,3 Mrd. USD wert.

Der DAX-Konzern hat am Montag eine endgültige Vereinbarung zur Übernahme von Silence Therapeutics bekannt gegeben. Das Londoner Unternehmen mit rund 80 Beschäftigten entwickelt Wirkstoffe auf Basis kleiner interferierender RNA, kurz siRNA, die krankheitsrelevante Gene gezielt stummschalten. Im Mittelpunkt steht Divesiran, ein Kandidat an der Schwelle zur entscheidenden Phase 3.

Hohe Prämie nach Bieterprozess

Merck zahlt 20 USD je American Depositary Share in bar. Das entspricht einem Eigenkapitalwert von rund 1,3 Mrd. USD und einem Unternehmenswert von 1,1 Mrd. USD. Der Aufschlag beträgt 82 % auf den volumengewichteten 30-Tage-Durchschnittskurs, gemessen am Schlusskurs vom Freitag sogar 130 %. Silence-Chairman Iain Ross spricht von einem "wettbewerbsorientierten Verkaufsprozess“, was die großzügige Prämie erklären dürfte. Merck finanziert den Kauf mit neuen Krediten, der Abschluss ist für das erste Quartal 2027 geplant.


stock3 Plus - alle News und Analysen

Die Begründung für den Preis liefern die klinischen Daten. In der Phase-2-Studie SANRECO sprachen 88 % der Patienten auf Divesiran an, unter Placebo waren es 19 %. Die Zahl der nötigen Aderlässe sank über 36 Wochen auf durchschnittlich 0,2 je Patient, verglichen mit 2,1 in der Placebogruppe. Neue Sicherheitssignale traten nicht auf. Der Wirkstoff schaltet das Gen TMPRSS6 ab, erhöht so den Spiegel des Eisenregulators Hepcidin und verknappt das Eisen für die Blutbildung. Gespritzt wird nur alle drei Monate.

SpringWorks als Blaupause

Der Deal folgt einem Muster, das Merck im vergangenen Jahr etabliert hat. Im April 2025 kündigte der Konzern die Übernahme des US-Biotechunternehmens SpringWorks Therapeutics an, für 47 USD je Aktie bei einem Eigenkapitalwert von rund 3,9 Mrd. USD und einem Unternehmenswert von 3,4 Mrd. USD. Die damalige Konzernchefin Belén Garijo nannte es den größten Zukauf für das Healthcare-Geschäft seit fast 20 Jahren. Mit dem Abschluss im Juli 2025 kamen zwei zugelassene Medikamente gegen seltene Tumoren ins Haus: Ogsiveo gegen Desmoidtumoren und Gomekli gegen plexiforme Neurofibrome bei Neurofibromatose Typ 1.

Die Rechnung geht bislang auf. Im zweiten Quartal 2026 steuerte der neue Bereich seltene Erkrankungen 115 Mio. EUR Umsatz bei, davon 75 Mio. EUR mit Ogsiveo und 39 Mio. EUR mit Gomekli. Dank dieses Portfolioeffekts von 5,4 % stieg der Healthcare-Umsatz um 2,4 % auf 2,15 Mrd. EUR. Organisch schrumpfte die Sparte dagegen um 3,4 %.

Hier liegt der Kern des strategischen Narrativs. Mavenclad, 2025 mit 1,2 Mrd. EUR Umsatz eines der wichtigsten Produkte des Konzerns, steht in den USA unter Generikadruck, seit Gerichte zwei Patente für ungültig erklärt haben. Im zweiten Quartal sank der Umsatz organisch um 10,2 %, die Prognose unterstellt ab August keine US-Erlöse mehr. Für das Gesamtjahr erwartet Merck im Healthcare-Geschäft ein organisches Minus von 2 % bis 4 %. Zugleich hat die eigene Forschung zuletzt enttäuscht: Der MS-Kandidat Evobrutinib scheiterte Ende 2023 in Phase 3, der Krebswirkstoff Xevinapant wurde 2024 aufgegeben. Konzernchef Kai Beckmann zieht die Konsequenz: "Nach der Übernahme von SpringWorks Therapeutics im vergangenen Jahr richten wir unsere Pipeline weiter auf hochspezialisierte Bereiche mit ungedecktem Behandlungsbedarf aus.“ Healthcare-Chef Danny Bar-Zohar sieht in Silence zudem den Einstieg in die Hämatologie.

Konkurrenz ist schon am Markt

Takeda erhielt Ende August die US-Zulassung für Mimrylo, ein von Protagonist entwickeltes Hepcidin-Mimetikum, das am selben Hebel ansetzt. In der Phase-3-Studie VERIFY galten 76,9 % der Behandelten zwischen Woche 20 und 32 nicht mehr als aderlassbedürftig. Der Wettbewerber ist damit bereits am Markt, während Divesiran die Phase 3 noch vor sich hat. Mimrylo muss allerdings wöchentlich gespritzt werden, hier setzt Merck auf die Gabe pro Quartal. Direkte Studienvergleiche verbieten sich jedoch. Dass siRNA kommerziell trägt, haben Alnylam und Novartis mit dem Cholesterinsenker Leqvio längst bewiesen.

Strategisch ist der Kauf schlüssig. Merck erwirbt für vergleichsweise überschaubares Geld einen klinisch gut belegten Kandidaten für eine klar umrissene Patientengruppe und erschließt mit der Hämatologie ein neues Feld neben den seltenen Tumoren. Anders als bei SpringWorks kauft der Konzern diesmal jedoch keine Umsätze, sondern eine Option. Bis Divesiran Geld verdient, muss die Phase 3 gelingen, die Zulassung folgen und sich das Präparat gegen einen bereits zugelassenen Rivalen behaupten. Die Mavenclad-Lücke schließt der Zukauf deshalb nicht kurzfristig.

Fazit: Merck akquiriert weiterhin in hohem Tempo und auf Kredit. Ob dieses Kalkül aufgeht, werden erst die kommenden Jahre zeigen. Der Vorstand geht hier ein gewisses Risiko ein und die Bewertung ist nicht mehr so richtig günstig. Für mich bleibt die Merck-Aktie derzeit eine solide Halteposition. Neu einsteigen würde ich nicht mehr.

Weitere Analysen & News zur Aktie unserer Redaktion findest Du hier.

Jahr 2025 2026e* 2027e*
Umsatz in Mrd. EUR 21,10 21,49 22,67
Ergebnis je Aktie in EUR 8,34 8,43 8,93
KGV 17 17 16
Dividende je Aktie in EUR 2,20 2,35 2,40
Dividendenrendite 1,54% 1,64% 1,68%

*e = erwartet, Berechnungen basieren bei
US-Unternehmen auf Non-GAAP-Daten

Merck KGaA-Aktie
Statischer Chart
Live-Chart
  • ()
    L&S
    VerkaufenKaufen

Eröffne jetzt Dein kostenloses Depot bei justTRADE und profitiere von vielen Vorteilen:

✓ 50 Euro Startguthaben bei justTRADE

✓ ab 0 € Orderprovision für die Derivate-Emittenten (zzgl. Handelsplatzspread)

✓ 4 € pro Trade im Schnitt sparen mit der Auswahl an 3 Börsen - dank Quote-Request-Order

Nur für kurze Zeit: Erhalte eine Überraschung von stock3 on top!

Jetzt Depot eröffnen!

Passende Produkte

WKN Long/Short KO Hebel Laufzeit Bid Ask
Keine Ergebnisse gefunden
Zur Produktsuche

Keine Kommentare

Du willst kommentieren?

Die Kommentarfunktion auf stock3 ist Nutzerinnen und Nutzern mit einem unserer Abonnements vorbehalten.

  • für freie Beiträge: beliebiges Abonnement von stock3
  • für stock3 Plus-Beiträge: stock3 Plus-Abonnement
Zum Store Jetzt einloggen