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08:53 Uhr, 13.09.2026

Bremsen OpenAI und Antrophic den KI-Boom jetzt aus?

Ausgerechnet die beiden wichtigsten Architekten des KI-Booms treten auf die Bremse. OpenAI-Chef Sam Altman und Anthropic-Gründer Dario Amodei wollen die Entwicklung der leistungsfähigsten KI-Modelle verlangsamen.

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Elon Musk unterstützt den Vorstoß. Für die Börse kommt das zu einem empfindlichen Zeitpunkt: Die hohen Bewertungen zahlreicher Halbleiter- und Infrastrukturaktien beruhen auf der Erwartung, dass der Bedarf an Rechenleistung noch über Jahre nahezu ungebremst steigt.

Amodei fordert in einem ausführlichen Essay ausdrücklich, das Tempo bei der Verbesserung von KI-Modellen zu reduzieren. Gemeint ist jedoch kein Trainingsstopp. Vielmehr sollen Unternehmen mehr Zeit für Sicherheitsprüfungen, die Ausrichtung der Modelle und unabhängige Kontrollen einplanen. "Wir müssen das Tempo verlangsamen, mit dem wir die Fähigkeiten von KI-Modellen verbessern", schreibt der Anthropic-Chef.

Selbstlernende KI verschärft die Risiken

Auslöser für den Kurswechsel sind die Fortschritte bei der sogenannten rekursiven Selbstverbesserung. KI-Systeme helfen zunehmend bei der Entwicklung ihrer eigenen Nachfolger und könnten den technologischen Fortschritt dadurch massiv beschleunigen. Hinzu kommen Sicherheitsvorfälle, bei denen KI-Agenten während Tests externe Systeme angriffen oder versuchten, Kontrollmechanismen zu umgehen.


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Amodei warnt, ein leistungsfähigerer Schwarm autonomer Agenten könne möglicherweise bereits innerhalb von sechs bis zwölf Monaten ein dauerhaftes Botnetz im Internet errichten und Schäden in dreistelliger Milliardenhöhe verursachen. Anthropic will deshalb unabhängige Prüfer in die eigenen Büros holen und ihnen Arbeitsplätze, Firmenlaptops sowie weitreichende Zugriffsrechte einräumen. Diese externen Kontrolleure sollen überprüfen, ob Sicherheitszusagen eingehalten und problematische Zwischenfälle transparent gemeldet werden.

Der Vorstoß erhält breite Unterstützung. Altman erklärte, OpenAI beschäftige sich bereits seit Wochen intensiv mit einer solchen Begrenzung. Musk kommentierte knapp, Amodei habe recht. Auch Google-DeepMind-Chef Demis Hassabis hält die Richtung für richtig, sieht bei der konkreten Umsetzung aber noch Klärungsbedarf. Damit zeichnet sich erstmals die Möglichkeit ab, dass die führenden US-Labore nicht nur über Sicherheit sprechen, sondern ihre Modellzyklen tatsächlich strecken.

Die Umsetzung bleibt dennoch schwierig. Eine koordinierte Begrenzung könnte mit dem US-Kartellrecht kollidieren. Zudem müssten amerikanische Anbieter darauf vertrauen können, dass chinesische Wettbewerber vergleichbare Regeln einhalten. Amodei räumt selbst ein, dass eine einseitige Zurückhaltung der westlichen Unternehmen China einen strategischen Vorteil verschaffen könnte.

OpenAI verschiebt den Börsengang

Altman zieht unterdessen eine erste finanzielle Konsequenz. OpenAI wird 2026 nicht an die Börse gehen. Angesichts der Sicherheitsfragen sei dies ein "schlecht gewählter Zeitpunkt", erklärte der Manager. Ein Börsengang wäre damit frühestens 2027 möglich. Einen verbindlichen Termin für das kommende Jahr nannte Altman allerdings nicht.

Für den Kapitalmarkt entfällt damit vorerst einer der am stärksten erwarteten Technologie-Börsengänge. Zugleich steigt die Bedeutung privater Finanzierungsrunden und langfristiger Verträge mit Infrastrukturpartnern. Genau hier liegt ein möglicher Risikokanal für Oracle, Microsoft und weitere Konzerne, die enorme Summen in Rechenzentren investieren, um den zukünftigen Bedarf der KI-Entwickler zu bedienen.

Kurzfristig könnten die Nachrichten vor allem hoch bewertete Aktien aus der KI-Hardwarebranche belasten. Neben Nvidia und AMD wären bei einer breiteren Neubewertung auch Broadcom, Marvell, Arista Networks, Micron, Super Micro Computer und Dell betroffen. Selbst Anbieter von Netzwerktechnik, optischen Komponenten, Stromversorgung und Rechenzentrumskühlung könnten unter Gewinnmitnahmen geraten.

Das wird daher ein spannender Montag! Was macht die Börse aus den Ankündigungen? Geht die Angst um, oder setzt sich am Ende der kühle Kopf wieder einmal durch?

Fundamental wäre ein massiver Abverkauf jedoch vorschnell. Amodei fordert weder das Ende neuer Trainingsläufe noch eine Reduzierung bereits bestellter Infrastruktur. Auch Sicherheitsforschung, Modelltests und die Überwachung autonomer Systeme benötigen erhebliche Rechenleistung. Bestehende Cloudverträge, Rechenzentrumsprojekte und Chipbestellungen verschwinden deshalb nicht über Nacht.

Für Oracle gibt es zugleich eine potenziell stabilisierende Nachricht. Unternehmensgründer Larry Ellison hat seinen Plan zum Verkauf von bis zu 50 Mio. Oracle-Aktien im Wert von rund 7,5 Mrd. USD überraschend gestrichen. Nach Angaben des Konzerns wurde kein einziges Papier im Rahmen des im Juni beschlossenen Handelsplans verkauft. Ellison, der mehr als 38 % des Unternehmens kontrolliert, habe derzeit auch keine weiteren Verkaufsabsichten. Einen Grund für die Kehrtwende nannte Oracle zwar nicht, aber der verschobene Börsengang von OpenAI könnte hier eine Rolle gespielt haben.

Fazit: Zum Wochenstart könnte die verschärfte Sicherheitsdebatte für erhöhte Nervosität bei KI-Aktien sorgen. Noch handelt es sich jedoch nicht um das Ende des Investitionsbooms. Die Unternehmen wollen die Entwicklung nur kontrollierter gestalten, vielleicht auch um Kosten einzusparen, nicht ihre Rechenzentren abschalten. Da viele Investoren aber auf dicken Gewinnen sitzen, wäre ein Abverkauf auf die Neuigkeiten nicht wirklich überraschend.

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