BAYWA - Warum ich die Aktie heute mit 25 % Gewinn verkauft habe
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- BayWa AG - WKN: 519406 - ISIN: DE0005194062 - Kurs: 3,215 € (XETRA)
"Der Aufsichtsrat der BayWa Aktiengesellschaft hat heute in einer Sitzung über eine zukünftige personelle Ausrichtung des Vorstands ergebnisoffen beraten. Die Gesellschaft wird den Kapitalmarkt und die Öffentlichkeit über den Fortgang der Beratungen des Aufsichtsrats entsprechend den rechtlichen Anforderungen informieren."
Das ist alles? Was wirklich dahintersteckt...
BayWa-CEO Frank Hiller schwer angeschlagen
Nach der eilig einberufenen Aufsichtsratssitzung steht wohl eindeutig fest: Es gibt einen Machtkampf an der Spitze des angeschlagenen Mischkonzerns. Und eine Vorentscheidung scheint es schon zu geben.
Frank Hiller, erst seit zehn Monaten im Amt, war Gegenstand einer Krisensitzung des Aufsichtsrats. Das Ergebnis ist für einen amtierenden CEO denkbar ungünstig: Zwar wurde Hiller nicht abberufen, doch das Gremium verweigerte den Ausspruch des Vertrauens. Aus Unternehmenskreisen verlautete lediglich, es sei keine Entscheidung getroffen worden.
Hinter den Kulissen tobt ein Richtungsstreit zwischen Hiller und dem Sanierungsvorstand (CRO=Chief Restructuring Officer) Michael Baur, der von der Beratungsgesellschaft Alix in den Vorstand entsandt wurde. Ursprünglich sollten Hiller, der Ex-Chef von Deutz, und der Restrukturierungsexperte Baur als Tandem den Konzernumbau bis Ende 2028 ausführen. Doch in der Realität gibt es starke Dissonanzen. Im Vorstand herrschen Streit um Zuständigkeiten und tiefgreifende Meinungsverschiedenheiten. Der Aufsichtsrat unter dem Vorsitz von Georg Scheller scheint sich zunehmend auf die Seite des Sanierers Baur zu schlagen. Aber die 16 Mitglieder des Kontrollgremiums sind sich nicht einig.
Radikaler Umbauplan
Der von Hiller und Baur ursprünglich gemeinsam entworfene Sanierungsplan sieht eine drastische Schrumpfkur vor, wir berichteten auf stock3 mehrmals (siehe zum Beispiel hier).
BayWa soll sich künftig auf vier Kernsäulen fokussieren: Agrarhandel, Landtechnik, Bauwesen und Energiehandel.
Die durchaus herausfordernde und risikobehaftete Umsetzung dieses Plans erfordert selbstverständlich eine handlungsfähige Führung. Dass Hiller, der noch einen Vertrag über drei Jahre besitzt, diesen Prozess nun mit voller Autorität steuern kann, darf angesichts seiner Beschädigung durch den Aufsichtsrat bezweifelt werden. Hiller hatte sich offenbar auch deshalb Feinde im Aufsichtsrat gemacht, weil er auf eine schonungslose Aufarbeitung der Vergangenheit drängte.
Juristisches Nachspiel und Kritik am Aufsichtsrat
Die Aufarbeitung der Ära vor Hiller beschäftigt mittlerweile auch die Justiz. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ehemalige Vorstände wegen des Verdachts der falschen Darstellung der Finanzlage im Jahresabschluss 2023. Auch die amtierende Vorständin Marlen Wienert ist betroffen, wenngleich ihr Vertrag kürzlich verlängert wurde. Parallel dazu prüfen die Finanzaufsicht BaFin und die Abschlussprüferaufsicht Apas die Bilanzen und die Rolle der Wirtschaftsprüfer von PwC.
In den Fokus der Kritik gerät zunehmend auch der Aufsichtsrat selbst. Investoren monieren, dass das Gremium weitgehend mit denselben Personen besetzt ist, die den riskanten Expansionskurs der Vergangenheit durchgewunken haben. Prominente Mitglieder wie die CSU-Politikerin Monika Hohlmeier oder Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied gehören dem Aufsichtsrat seit 2013 an. Auf der letzten Hauptversammlung fand Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) drastische Worte für diese Beharrungskräfte: "Die Aufsichtsräte sitzen auf ihren Stühlen wie mit Pattex festgeklebt."
Fazit
Ein Vorstandschef auf Abruf und ein Aufsichtsrat, der sich nicht zu einer klaren Entscheidung durchringen kann, sind für die ohnehin fragile Reputation des Konzerns am Kapitalmarkt nicht gerade ideal. Schnelle Entscheidungen sind jetzt nötig. Die minimalistische Kommunikation hätte man sich eigentlich schenken können. Eine Ad-hoc-Mitteilung dafür, dass man mitteilt, man hat sich zusammengesetzt und nichts entschieden, und dann schreibt man nicht mal, worum es genau geht? Braucht niemand.
Aufgrund der prinzipiell günstigen Bewertung hatte ich kürzlich einen Trade mit der BayWa-Aktie in stock3 Select gestartet, mit Kaufkurs 2,57 EUR. Die gestrige Meldung habe ich zum Anlass genommen, die 25 % Gewinn mitzunehmen und auf Nummer sicher zu gehen. Einen Wiedereinstieg schließe ich aber nicht aus.

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Kommt da irgendwie noch ein Kapitalschnitt?