Anleihen: Zinsen so hoch wie zuletzt 2011
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24. Juli 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Mit einem Ölpreis von zeitweise über 100 US-Dollar für ein Barrel Brent flammen die Inflationssorgen wieder auf – und die Zinserhöhungserwartungen steigen. Die Renditeentwicklung diese Woche wies daher weiter nach oben. „Die Eskalation im Nahen Osten, wo sich die gegenseitigen Angriffe auch auf zivile Infrastruktur fortsetzen, sorgt für steigende Verunsicherung“, stellt Helaba-Analyst Ralf Umlauf fest. Inzwischen sei nicht nur die Schifffahrt in der Straße von Hormus gefährdet, sondern durch die Huthi-Rebellen auch im Roten Meer.
Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg am gestrigen Donnerstag über 3,20 Prozent, der höchste Stand seit 2011. Am Freitagmittag sind es immer noch 3,18 Prozent. Zum Vergleich: Vor einer Woche waren es 3,14 Prozent, vor einem Monat 2,85 Prozent. Die Rendite zehnjähriger US-Anleihen ist kurzzeitig auf 4,70 Prozent geklettert, jetzt sind es etwas weniger.
„EZB-Zinserhöhung im September erwartet“
„Am Markt geht man jetzt davon aus, dass die EZB die Leitzinsen im September nochmals anheben wird“, meldet Arthur Brunner, der für die ICF Bank Anleihen handelt. Auf der gestrigen EZB-Sitzung bestätigten die Notenbanker das bisherige Leitzinsniveau und ließen den Einlagesatz bei 2,25 Prozent.
Die nächste Sitzung der US-Notenbank steht kommende Woche an. „Die Fed dürfte ihre Leitzinsen erneut unverändert halten“, meint Commerzbank-Analyst Bernd Weidensteiner. Die Diskussion um eine Zinserhöhung habe zwar an Fahrt gewonnen. „Die überraschend niedrig ausgefallene Inflation im Juni hat zunächst aber etwas Druck von der Fed genommen.“ Seitdem hätten sich die Aussichten allerdings wieder eingetrübt.
Argentinien kreditwürdiger
Im Bereich der Staatsanleihen macht sich die Rating-Verbesserung von Argentinien-Anleihen bemerkbar, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichtet. Die Rating-Agentur Moody’s hat die Anleihen des Landes von Caa1 auf B3 hochgesetzt, mit positivem Ausblick. „Auch wenn das Land weiterhin tief im spekulativen Bereich verbleibt, stufen nun alle drei großen Rating-Agenturen Argentinien oberhalb der Kategorie ‚highly distressed‘ ein“, berichtet Bloomberg. Das sei ein Meilenstein für ein Land, das jahrelang zu den risikoreichsten Emittenten auf den globalen Märkten gehört habe. Die Nachricht führte Daniel zufolge zu Käufen argentinischer Staatsanleihen (XS0501195993).
„Kaufinteresse steigt wegen höher Zinsen“
Darüber hinaus kommt der Zinsanstieg dem Geschäft mit Unternehmensanleihen zugute. „Nachdem die Zinsen etwas gestiegen sind, ist das Kaufinteresse größer geworden“, erklärt Daniel. Er sieht Nachfrage nach 2036 fälligen Anleihen von Heidelberg Materials (XS3270897575), die aktuell eine Rendite von 4,21 Prozent bieten. Gekauft werde zudem eine vor gut zwei Wochen emittierte Anleihe der Deutschen Pfandbriefbank mit Laufzeit bis 2029. Beim aktuellen Kurs ergibt sich eine Rendite von 4,53 Prozent (DE000A3827B8). Ebenfalls gesucht: vor kurzem emittierte Bonds von RWE mit Fälligkeit 2037 und aktuell 4,23 Prozent (XS3430748676).
Interesse an Chapters Group
Am Neuemissionsmarkt blieb es diese Woche ruhig. „Das ist angesichts der Sommerferienzeit ganz normal“, bemerkt Brunner. Er meldet gute Nachfrage nach Anleihen der Beteiligungsgesellschaft Chapters Group mit 7 Prozent-Kupon bis 2030 (DE000A4DFK32). „Das liegt wohl an der erfolgreichen Kapitalerhöhung des Unternehmens.“ Weiter beliebt: Katjes International mit 6,75 Prozent bis 2028 (NO0012888769), die aktuell zu 103,6 Prozent gehandelt wird.
Arthur Brunner
Auch argentinische Unternehmensanleihen profitieren Daniel zufolge von der Hochstufung des Landes: Gekauft werden US-Dollar-Anleihen des argentinischen Stromversorgers Empresa Distribuidora de Electricidad de Mendoza (USP37213AH17).
Von Anna-Maria Borse, 24. Juli 2026, © Deutsche Börse AG
Über die Autorin
Anna-Maria Borse ist Finanz- und Wirtschaftsredakteurin mit den Schwerpunkten Finanzmarkt/Börse und volkswirtschaftliche Themen.
Feedback und Fragen an live@deutsche-boerse.com
