Kommentar
12:41 Uhr, 13.02.2026

Anleihen: Alphabet mit „Methusalem-Bond“

Die Nervosität an den Aktienmärkten stützt als sicher geltende Staatsanleihen. US-Tech-Konzerne zapfen zunehmend den Anleihemarkt an, zuletzt Alphabet. Unter anderem mit einem Bond mit der seltenen Laufzeit von 100 Jahren.

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13. Februar 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Schwächelnde Tech-Werte, schwer angeschlagene Krypto-Märkte – im Vergleich dazu geht es am Anleihemarkt ruhig zu. „Anleger halten sich zurück“, berichtet Arthur Brunner von der ICF Bank. Im Wochenvergleich sind die Renditen etwas zurückgegangen: Zehnjährige Bundesanleihen rentieren am Freitagmittag nur noch mit 2,77 Prozent nach 2,82 Prozent in der Vorwoche.

Mit Spannung werden die aktuellen Inflationszahlen aus den USA erwartet, die heute Nachmittag anstehen. Sie sollen Schlüsse über die weitere Leitzinsentwicklung in den USA ermöglichen. „Die Inflation war in den letzten Monaten deutlich zu hoch, um weitere Zinssenkungen der Fed zu ermöglichen“, meint Helaba-Analyst Ulrich Wortberg. Mit den Januarzahlen zeichne sich nun aber eine Entspannung ab.

Hundertjährige Anleihe: Große Nachfrage

Zu den Höhepunkten der Woche gehört die Mega-Emission von Tech-Riese Alphabet. Lange Zeit schwammen die US-Tech-Konzerne im Geld, seit einiger Zeit zapfen sie mehr und mehr die Anleihemärkte an. „Das zeigt, wie hoch der Kapitalbedarf für die KI-Investitionen ist“, bemerkt Brunner.

Alphabet beschaffte sich umgerechnet rund 32 Milliarden US-Dollar, auch in britischen Pfund und Schweizer Franken. Besonders auffällig: ein Bond mit der ultralangen Laufzeit von 100 Jahren, ein Methusalem-Bond (<XS3285675040>). „Eine so lange Laufzeit von einem Technologie-Unternehmen hatte es zuletzt vor fast 30 Jahren gegeben, und zwar 1997 vom US-Konzern Motorola“, erklärt LBBW-Analyst Matthias Schell. „Nach 16 Jahren haben die Käufe den Kaufbetrag über die Zinsen schon wieder zurück“, bemerkt Brunner mit Blick auf den 6,125 Prozent-Kupon. Die Stückelung beträgt allerdings 100.000 Pfund.

Abwälzen von KI-Risiken?

Schell zufolge stießen alle neuen Alphabet-Bonds auf sehr hohe Nachfrage. Tech-Konzern Oracle hatte schon vergangene Woche neue Bonds emittiert, und zwar acht über insgesamt 25 Milliarden US-Dollar (<US68389XDW20>, <US68389XEC56>). „Bei der Mega-Transaktion hatten Investoren ein Rekordvolumen von fast 130 Milliarden US-Dollar gezeichnet.“ Skeptiker kritisieren allerdings, dass die Tech-Riesen die Risiken ihrer KI-Milliardenwetten auf Anlegerinnen und Anleger abwälzen.

Die Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank ist Spezialist für zwei auf US-Dollar lautende neue Alphabet-Bonds: die bis 2031 laufende mit 4,1 Prozent-Kupon (<US02079KBK25>) und die bis 2056 laufende mit 5,65 Prozent (<US02079KBP12>). Mindestanlagesumme sind hier 2.000 US-Dollar. „Viel los ist bislang aber nicht“, berichtet Walter Ludwig-Händler Gregor Daniel.

Gregor Daniel

Heidelberg Materials gefragt, Kurssturz bei Booster

Auch insgesamt läuft das Geschäft mit Unternehmensanleihen ruhig. Käufe sieht Daniel bei Heidelberg Materials mit Laufzeit bis 2036 und aktuell 3,77 Prozent (<XS3270897575>). Außerdem setze sich das Interesse an Bonds in australischen Dollar fort, konkret von der Landeskreditbank Baden-Württemberg mit Fälligkeit 2031 und aktuell 4,75 Prozent (<AU3CB0330298>).

Steil nach unten ging es allerdings für Booster Precision Components (<NO0012713520>), wie Brunner meldet. „Der Plan zur Auflegung einer neuen Anleihe wurde aufgegeben. Jetzt sieht es nach einer Laufzeitverlängerung oder Anpassung der Konditionen aus“, stellt er fest. Nach zuvor um 100 Prozent wird die Anleihe jetzt nur noch um 70 Prozent gehandelt.

Von Anna-Maria Borse, 13. Februar 2026, © Deutsche Börse AG

Über die Autorin

Anna-Maria Borse ist Finanz- und Wirtschaftsredakteurin mit den Schwerpunkten Finanzmarkt/Börse und volkswirtschaftliche Themen.

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